
- Cover des Buches - Lukas Verlag Berlin
Gerade noch rechtzeitig zur Eröffnung der ersten Ausstellung des Berlin-Brandenburger Ausstellungsverbundes „Raubritter und Schöne Madonnen“ am 9. September 2011 wurde am 8. September 2011 von Heinz-Dieter Heimann der Begleitband zur Ausstellung vorgestellt. Diesen erstmaligen umfassenden Überblick zur Kulturgeschichte des späten Mittelalters in Brandenburg schufen über 50 ausgewiesene Fachleute.
Der Anlass für Ausstellungsprojekt und Buch
Am 8. Juli 1411 ernannte König Sigismund den Nürnberger Burggrafen Friedrich VI. zum Verweser und obersten Hauptmann der zur böhmischen Krone gehörigen Markgrafschaft Brandenburg. 1415 erhob er ihn dann auf dem Konstanzer Konzil zum ersten Kurfürsten von Brandenburg aus dem Haus Hohenzollern.
Das denkwürdige Jubiläum der Dynastie der Hohenzollern gab den Anlass zu dem Projekt Ausstellungsverbund mit dem Titel „Raubritter und Schöne Madonnen“ und die Schaffung des nun vorgelegten umfangreichen Werkes.
Nach der Wende von 1989 und der folgenden Neugründung des Landes Brandenburg ist eine zunehmenden Nachfrage nach historischer Orientierung und die Geschichte des Landes zu spüren. Das gilt ganz besonders für die mittelalterliche Kulturgeschichte des Landes, Denn viele mittelalterliche Bauwerke in Brandenburgs Städten erinnern an eine offensichtlich nicht unbedeutende Vergangenheit. Rathäuser und Kirchen sind es vor allem, die an das 15. und 16. Jahrhundert erinnern.
Die Zeit des späten Mittelalters in Brandenburg ist bisher nur lückenhaft dokumentiert. Da schließt dieses Werk nun eine Lücke im Literaturangebot zur Kulturgeschichte Brandenburgs. Ausgewiesene Historiker, Literaturwissenschafter, Kunst- und Bauhistoriker lieferten die eindrucksvoll illustrierten Beiträge dieses Werkes.
Das erste Kapitel „Neue Marksteine" beschreibt die Inszenierung und die Objekte der Ausstellungen des Verbundes in Ziesar, Potsdam und Berlin und verdeutlicht die gegenwärtige Aktualität des Themas Mittelalter. Weitere Überschriften lauten „Glänzende Höfe", „Vom Krieg", „Vor und hinter Kirchentüren", „In der Stadt' und "auf dem Land", „Aus Goldfäden und Backsteinen" und "Auf Bühnen und Büchertischen". Jedes Kapitel verweist auf bekannte wie neu erschlossene Quellen, historische Lieder, Gedichte, Spielszenen und neu gedeutete Sachgüter. Karten zur brandenburgischen Städte- und Klosterlandschaft ergänzen die Beiträge.
Text und Bild informieren über neu entdeckte Werke, neue Interpretationen und über Geschichten und Ansichten fast vergessener Akteure. Die Lebenswelten in einer vergangenen Welt werden erfahrbar. Einer Welt, die im Umbruch war. Imponierende Kirchen, mächtige Burgen, befestigte Städte und die Höfe geistlicher und weltlicher Herren werden vorgestellt. Religiöse Ansprüche, künstlerische Neuerungen und Kulturtransfer sind spannende Themen.
Der Nutzen des Buches
„Raubritter" und „Schöne Madonnen" führen Ausstellungsbesucher wie Leser in die Weite des Landes und über seine Grenzen hinweg in Dörfer und historische Stadtkerne. Das Werk liefert eine einmalige Gesamtschau der Kultur in Brandenburg im späten Mittelalter von 1411 bis zur Einführung der Reformation 1536. Und das noch zu einem erschwinglichen Preis.
Das Buch eignet sich ebenso als Nachschlagewerk für den interessierten Laien wie für Wissenschaftler. Es führt zu den verfügbaren Quellen. Es liefert manche neue Sicht auf scheinbar feststehende Geschichtsbilder wie das von den Raubrittern Johann und Dietrich von Quitzow. Genauso gut eignet es sich als Reiseführer. Zumindest Autoreisende kann es bei einem Ausflug ins Land Brandenburg oder die ehemals dazu gehörenden Regionen Alt- und Neumark von großem Nutzen sein. Einziger sofort spürbarer Mangel des Werkes ist das nicht vorhandene Stichwortverzeichnis.
Das Buch
Clemens Bergstedt, Heinz-Dieter Heimann, Knut Kiesant, Peter Knüvener, Mario Müller, Kurt Winkler (Hrsg.): Im Dialog mit Raubrittern und Schönen Madonnen - Die Mark Brandenburg im späten Mittelalter. 460 Seiten, 300 Abbildungen, 21,0 x 28,0 Zentimeter, Lukas-Verlag Berlin 2011, ISBN 978-3-86732-118-1, 30,- Euro in Deutschland, 24,95 Euro im Museumsshop
Die Ausstellungen des Ausstellungsverbundes „Raubritter und schöne Madonnen“
Potsdam: „Märkische Kunst – Bilderwelt des Mittelalters“ im Haus der Brandenburgisch Preußischen Geschichte vom 9. September 2011 bis zum 8. Januar 2012
Berlin:“ geSchichten und beFunde – Mittelalterliche Sakralkunst neu entdeckt“ ab dem 11. September 2011 bis auf weiteres im Märkischen Museum
Ziesar: „Die Quitzows - Im Bild der märkischen Geschichte“ vom 15. September 2011 bis zum 14. Dezember 2011 im Burgmuseum Ziesar
Brandenburg an der Havel: „Die Katharinenkirche zur Hohenzollernzeit – ein Kosmos des Glaubens“ in der Katharinenkirche in der Neustadt von Brandenburg an der Havel
Quellen
Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Pressekonferenz am 8.9.2011
