
- George Barr: Besser fotografieren - KOSMOS Verlag
Kunst kommt von Können. Dieser Spruch gilt auch und gerade in der Fotografie. Doch oft steht man als Fotograf etwas allein gelassen vor seinem Motiv. Dann fotografiert man erst einmal munter drauf los und prompt befriedigt einen das Ergebnis nicht unbedingt. Wo liegt der Unterschied zwischen dem eigenen Versuch und einem Meisterfoto? Auch George Barr stand oft vor dieser Frage. Seine Erfahrungen auf dem Weg vom begeisterten Amateurfotografen zum semiprofessionellen Bildgestalter schildert er in seinem Buch „Besser fotografieren“. Dabei verzichtet er ganz bewusst auf Regeln und starre Konventionen. Stattdessen regt er den Leser immer wieder an, sich sein eigenes Bild von den Situationen zu machen.
Schritt für Schritt zum besseren Bild
Das Foto entsteht nicht erst im Fotoapparat. Zu aller erst hat der Fotograf seine Bildidee im Kopf. Der Fotoapparat ist nur das Hilfsmittel, diese Idee in die Realität umzusetzen. In seinem Buch beschreibt George Barr den Weg von der Idee zum fertigen Bild. Dabei fängt er mit dem einfachen Sehen an. Denn ohne das Erkennen eines Motivs kommt kein Bild zustande. Schritt für Schritt erfährt der Leser, wie er ein Bild richtig liest und schon vorhandene interpretieren kann. George Barr bleibt dabei immer bodenständig. Seine Ausführungen führen ruhig und unspektakulär durch die verschiedenen Abschnitte. Und weil das Thema besseres fotografieren ist, zeigt der Autor viele eigene Fotos. An ihnen erläutert er, wie einzelne Bildelemente wirken oder welche emotionale Wirkung die Tonwertabstufungen im Bild hervorrufen können.
Technik meint nicht Ausrüstung
Oft stellen engagierte Amateurfotografen die Güte einer Fotoausrüstung mit den damit zumachenden Aufnahmen in ein direktes Verhältnis. Je besser die Kamera und die Objektive, um so besser die Bilder. Doch gute Technik bedeutet nicht immer nur gute Kameratechnik. George Barr erläutert an Hand eigener Fehler die Grundlagen der Aufnahmetechniken. Er erläutert die fundamentalen Regeln der Bildgestaltung und der Komposition. Dabei bedient er sich seiner eigenen Fotos. Und die bespricht er ausführlich mit großem Sachverstand und einer großen Portion Eigenkritik.
Lektüre zum Reifen
Folgt man bei der Lektüre dem Autor durch das Buch, so macht man eine Art Reifeprozess durch. Denn die hohe Schule der kreativen Fotografie ist weniger ein Lesebuch. Vielmehr regt George Barr zum schrittweisen Nachmachen seiner Ausführungen an. Auch braucht man nicht streng der Reihenfolge von vorne nach hinten das Buch durcharbeiten. Die Kapitel sind in sich abgeschlossen und bauen nicht zwingend aufeinander auf. Selbst der Autor will in seinem Vorwort niemandem eine Gebrauchsvorschrift für sein Werk geben. So wie das Fotografieren als Hobby Spaß und Freude machen soll, so soll auch die Lektüre ganz nach Gusto des Lesers erfolgen.
Das Buch „Besser Fotografieren“ sollte sich jeder Fotograf ins Bücherregal stellen. Es spricht nicht nur den Anfänger an. Auch der fortgeschrittene Amateurfotograf wird hier immer eine Anregung und Hilfe zum besseren Fotografieren finden. Bildgestaltung, Bildaufbau und Aufnahmeprobleme schildert George Barr auf so anschauliche Weise, dass jeder nach der Lektüre des Buches einen neuen Blick auf seine Umgebung werfen wird.
George Barr: Besser Fotografieren - Die hohe Schule der kreativen Fotografie. 224 Seiten, dpunkt Verlag 2010, 39,90 Euro
