
- Schreiben schenkt Freiheit. Logo wortport.de - Johannes Flörsch
Schreiben – wenn auch nicht schreiben wie Goethe – kann (nahezu) jeder. So schreiben, dass man gelesen wird, vielleicht sogar gerne gelesen wird, ist dagegen nur wenigen in die Wiege gelegt. Trotzdem wird geschrieben auf ‚Deibel komm raus‘ – es scheint dem Menschen ein Bedürfnis zu sein, mit Buchstaben rauszulassen, was in ihm steckt. Zehn einfache Hinweise, die es in sich haben, für ein Schreiben, das ankommt.
Schreibtipp 1: „Eine leichte Lektüre ist verdammt hartes Schreiben.“
Seine Stärke war die dunkle Seite der Romantik. In seinem berühmtesten Werk „Der scharlachrote Buchstabe“ erzählt Nathaniel Hawthorne (1804–1864) die Geschichte einer Ehebrecherin zur Zeit der Puritaner (Ende des 17. Jahrhunderts). Seine Erkenntnis sei als Warnung vorangestellt – und als Trost.
Tipp fürs Schreiben 2: „Ich bemühe mich ganz konsequent, aus hundert Zeilen zehn zu machen.“
Alfred Polgar (1873–1955) lebte und arbeitete als Theaterkritiker und Feuilletonist in Wien und Berlin. 1938 sah er sein Leben nicht mehr als sicher an in der judenvernichtenden Welt Nazideutschlands – er floh in die USA. Polgars Stärke war die literarische Kurzform – ‚Großmeister der kleinen Form‘ hat ihn Friedrich Torberg in seinem Buch „Die Tante Jolesch“ genannt. Polgar gilt neben Alfred Kerr und Egon Erwin Kisch als einer der Literatur-Sprachmeister des frühen 20. Jahrhunderts. Wer Vorbilder sucht im präzisen, dichten Formulieren, dem seien seine Essays und Theaterkritiken ans Herz gelegt.
Tipp fürs Schreiben 3: „Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr weglassen kann!“
„Der kleine Prinz“ stammt von ihm, jene traumhafte Figur, mit der Antoine de Saint Exupéry (1900–1944) seiner eigenen Zerrissenheit eine literarische Form gab. Das Buch, es wurde in mehr als 140 Sprachen übersetzt, ist nur wenige Seiten dick und in seiner Dichte und Kürze fast beängstigend kühl. Aus der Diskrepanz von Kürze und Tiefgang zieht es seine Wirkung. (Doch hätte Exupéry es hier besser machen können: "Ein Text ist dann vollkommen, wenn man nichts mehr weglassen kann.")
Schreibtipp 4: „Hauptsachen in Hauptsätze – Nebensachen in Nebensätze!“
Noch immer wird Ludwig Reiners‘ (1896–1957) Standardwerk ‚Stilfibel‘ zitiert, wenn es um Fragen des Sprachstils geht. Und das, obwohl das Buch bereits 1943 veröffentlicht wurde. Reiners ist absoluter Verfechter des Verbalstils (das Subjekt soll etwas tun), des besonderen Wortes, nicht des allgemeinen (statt ‚bewegen‘ erwartet er vom Autor Wörter wie ‚kriechen, schleichen, rumpeln, stolpern, hinken‘) und des knappen Stils.
Schreibtipp 5: „Wenn es möglich ist, ein Wort zu streichen, streiche ich es.“
Eigentlich hieß er ja Eric Arthur Blair, doch die beiden Werke, mit denen er Welttruhm erlangte, „Farm der Tiere“ und „1984“, jener düstere Roman in einer bedrückenden Zukunft, veröffentlichte er unter seinem Pseudonym George Orwell (1903–1950).
Schreibtipp 6: „Die meisten Autoren beschränken sich auf das Sehen und das Hören einiger konventioneller Geräusche, ansonsten kommen die Sinne kaum zum Einsatz.“
Der amerikanische Publizist und Lektor Sol Stein (geb. 1926) ist in Deutschland vor allem bekannt wegen seiner Bücher zum Thema „Creative Writing“.
Schreibtipp 7: „Wenn Sie Schriftsteller werden wollen, müssen Sie vor allem zweierlei tun: viel lesen und viel schreiben. Um diese beiden Dinge kommen Sie nicht herum, nicht dass ich wüsste. Da gibt‘s keine Abkürzung.“
In seinem wenig bekannten Buch „Das Leben und das Schreiben“ erzählt Stephen King, der Meister des Horrors (über 40 Millionen verkaufte Bücher), von seinem Weg zum Schreiben und von seinen Erkenntnissen, was Schreibende beachten sollen, wenn sie gelesen werden wollen.
Tipp fürs Schreiben 8: „Die alten Wörter sind die besten und die kurzen die allerbesten.“
Winston Churchill (1874–1965) kennt man als Großbritanniens bedeutendsten Staatsmann des 20. Jahrhunderts. Dass er auch Träger des Nobelpreises für Literatur war, wissen hingegen die wenigsten. Wenn also der Autor Churchill etwas zu Fragen des Stils beiträgt, kann man getrost zuhören.
Tipp fürs Schreiben 9: „Befriedigen Sie Ihre Leser, nicht Ihr Ego.“
Der Amerikaner James N. Frey hat zwei Bücher herausgebracht, die zum Spritzigsten gehören, was in Deutschland an Schreib- und Stil-Ratgebern existiert: „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ (Teil I und II).
Schreibtipp 10: „Mach kein Schloss aus deiner Schreibstube. Aber den Himmel aus deinem Hirnkastl.“
Unbekanner Autor, Pseudonym "jofl". Gemeint ist wohl: Zum Schreiben braucht es nur Stift und Papier. Keine Textverarbeitung mit Rechtschreibkorrektur, keinen Schreibtisch mit Blick aus Meer – einzig Stift und Papier. Und die Lust, Welten entstehen zu lassen, wie es zum Beispiel dem viel zu früh gestorbenen Wolf von Niebelschütz gelungen ist. Halten Sie sich an diese zehn goldenen Regeln für das kreative Schreiben, und finden Sie heraus, worüber Sie schreiben wollen! Alles andere, das Kürzen, das Feilen, das Korrigieren, die gelungene Überschrift, folgt dem Schreiben …
