
- Kreuz im FriedWald am Schwanberg - FriedWald/Andrea Amerland
Kein schöner Gedanke, zugegeben. Dennoch sollte man sich in einer ruhigen Minute mal überlegen, wie man diese Welt eines Tages verlassen möchte. Es gibt viele Möglichkeiten, sei es der auf Hochglanz polierte Eichensarg oder die endlose Reise für irrsinnige 11.000 Euro ins Weltall ohne Rückfahrticket. Die internationale Umweltorganisation Greenpeace hat „Tipps für eine bessere Welt“ veröffentlicht. Tipp Nr. 41 heißt „Ruhe sanft“. Es ist interessant, ihn sich näher anzusehen.
Jede Beerdigung sagt etwas über den persönlichen Lebensstil aus, und wer sich rechtzeitig Gedanken über das Thema macht, kann beispielsweise mit einem völlig unlackierten Sarg ohne jegliche Metallbeschläge, einem Spendenaufruf statt überbordendem Grabschmuck oder der schlichten Beisetzung in einem Friedwald ein durchaus nachhaltiges Zeichen setzen.
Möglichkeiten der alternativen Bestattung
Denn eine Trauerfeier muss nicht zwangsläufig auf einem normalen Friedhof stattfinden. FriedWald ist beispielsweise eine der alternativen Bestattungsformen. Menschen, die sich für eine FriedWald-Beisetzung interessieren, müssen sich über eins im Klaren sein: Sie entscheiden sich grundsätzlich für eine Einäscherung. Die Asche der Verstorbenen wird dann direkt an den knorrigen, ausladenden Wurzeln eines schönen Baumes beigesetzt, der in einem speziell als FriedWald ausgewiesenen Wald steht. Ein Namensschild an dem Baum macht auf die Grabstätte aufmerksam. Wer allerdings eine anonyme Bestattung bevorzugt, kann auch auf diesen Hinweis verzichten; er ist nicht Pflicht.
41 Standorte in ganz Deutschland
Viele der Interessenten suchen sich schon zu Lebzeiten „ihren Baum“ aus. Insgesamt betreibt die FriedWald GmbH rund 2.124 Hektar Bestattungswald in ganz Deutschland, verteilt auf derzeit 41 Standorte:
Bad Laasphe, Bad Münstereifel, Bramsche, Bremer Schweiz, Bremervörde, Burg Plesse, Buxtehude, Dessau-Wörlitz, Dudenhofen, Elm, Fränkische Schweiz, Friedenweiler, Fürstenwalde, Gelnhausen, Hasbruch, Hegau, Heiligenberg, Herborn, Kalletal, Kirchheimbolanden, Lauterbach, Lohmar, Lüneburger Heide, Meßkirch, Münsingen, Münsterland, Odenwald, Osthedie, Reinhardswald, Rheinau, Rügen, Saarbrücken, Schönbuch, Schwaigern, Schwanberg, Spessart, Südharz, Taunusstein, Uetzer Herrschaft, Waldhessen und Weilrod.
„Als 2001 der erste Friedwald im Reinhardswald bei Kassel eröffnet wurde, kamen die Leute sogar aus Berlin“, erinnert sich Corinna Brod von der FriedWald GmbH. „Wer Alternativen sucht, lässt sich nicht von den Entfernungen abschrecken“, ist ihre Erfahrung.
Ein Baum für Freunde und Familie
Im Rhein-Sieg-Kreis zwischen Siegburg und Lohmar liegt beispielsweise der FriedWald Lohmar-Heide. Hier hat man wie überall die Wahl zwischen einem Platz für die Ewigkeit an einem Gemeinschaftsbaum oder an dem Familien- und Freundschaftsbaum. An Letzterem können bis zu zehn Personen beigesetzt werden. Die Preise für die Familien- und Freundschaftsbäume beginnen bei 3.350 Euro. Der Platz an einem Gemeinschaftsbaum kostet hingegen 770 Euro.
Greenpeace wertet die FriedWald-Bestattung als umweltfreundliche Variante der Beisetzung, weil in einer biologisch abbaubaren Urne an den Wurzeln eines Baumes jeder über seinen Tod hinaus ein Zeichen für die Natur und den Umweltschutz setzen kann. Denn ein FriedWald ist ein naturbelassenes Waldareal, dessen Fortbestand durch ein auf 99 Jahre angelegtes, waldschonendes Baumbestattungskonzept gesichert ist.
Naturbestattung in der Schweiz
Wer sich für das Thema interessiert: Es gibt auch Naturbestattungen in den Schweizer Bergen. Die Asche wird hier auf einer Almwiese verstreut unter ein Edelweiß eingebracht oder in einen wilden Bergbach eingestreut.
