Beste Aussicht(en)

Studieren an der Fachhochschule der Wirtschaft FHDW in Dresden

An der Fachhochschule der Wirtschaft in Dresden Zschertnitz werden in kleinem Kreis die Manager von morgen ausgebildet.

An der Fachhochschule der Wirtschaft in Dresden Zschertnitz wirbt man damit, (noch) die kleinste Hochschule der Stadt zu sein, und tatsächlich ist auf den ersten Blick an der FHDW alles ziemlich klein, wenn man mal vom Rechnerpool absieht. Im Schnitt bereiten sich hier sechzig Studierende in den wenigen Räumen im dritten Obergeschoss eines Einkaufszentrums auf den Bachelor-Abschluss in Bussines Administration und in Angewandter Informatik vor. Hört sich wenig idyllisch an? Ist es aber schon. Wenn man mal von der etwas skurrilen Lage über einem Schlecker-Markt und einem Friseursalon absieht, kann das Studium im kleinen Kreis, abseits des Massenbetriebes großer Universitäten, durchaus seinen Reiz entwickeln.

Zwischen Friseursalon und Schlecker-Markt

Zudem ist in den drei Vorlesungsräumen der Fachhochschule keineswegs die komplette Studentenschaft versammelt. Denn zu den wesentlichen Kernpunkten eines Studiums an der FHDW gehört ein enger Praxisbezug und der ist so eng, dass die Hälfte der Gesamtstudienzeit nicht an der Uni, sondern praktisch lernend im Unternehmen verbracht wird. Das bringt nicht nur Abwechslung, es bietet den Studierenden auch den Vorteil, das theoretische Wissen von Anfang an in der Praxis einsetzen zu können. Zudem erhöhen sich nach Aussage von Prof. Dr. Ulrich Förster, Leiter der FH, die Chancen auf einen Arbeitsplatz durch dieses System enorm. Die Quote derer, die nach Abschluss des Studiums in ihrem Unternehmen weiterarbeiten, läge bundesweit jenseits der 90 Prozent. Und auch für Dresden - der erste Abschlussjahrgang verlässt erst 2008 die Hochschule - sind ähnliche Zahlen zu erwarten. Die Zusammenarbeit mit lokalen mittelständischen Unternehmen spielt dabei nicht nur für den Praxisbezug des Studiums eine entscheidende Rolle, in den meisten Fällen übernehmen die Unternehmen auch die anfallenden Studiengebühren von 500 Euro pro Monat.

Das Studium zwischen Theorie und Praxis

Die Wirtschaftshochschule, die seit 2005 als Zweigstelle der FHDW Paderborn in Dresden ansässig ist, wählt jedes Jahr aus etwa sechzig Bewerbern dreißig Studenten aus. In einem mehrstufigen Auswahlverfahren wird dabei nicht nur in erster Linie auf den Abiturschnitt geschaut, sondern es werden zunächst diverse Softskills wie Teamfähigkeit und individuelles Auftreten bewertet. Erst danach prüft man mit einem Kognitivtest, ähnlich einem IQ-Test, Abstraktionsvermögen und logisches Denken. Hat man diesen Test erfolgreich bestanden und den Studienvertrag unterschrieben, wird gemeinsam mit der Hochschule nach einem Partnerunternehmen gesucht. Einen konkreten Numerus Clausus gibt es an der FHDW nicht, aber Prof. Dr. Ulrich Förster weist darauf hin, dass der Abiturschnitt auf jeden Fall über 2,7 liegen sollte. Beste Chancen hätten außerdem jene Bewerber, die vor Aufnahme des Studiums bereits eine entsprechende Berufsausbildung abgeschlossen haben. Das erhöhe nicht nur die Chancen auf einen Studienplatz, sondern sei auch für die Unternehmen, bei denen die Studenten ihre Praxissemester absolvieren, attraktiver. Auch sollten, Berufsausbildung hin oder her, die Noten in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern gut sein. Interessant ist das Studienangebot jedoch auch für Studienwechsler die dem Alltag in den großen Bildungbetrieben den Rücken kehren wollen und die Individualität einer kleinen Schule vorziehen oder mehr Praxisbezug in Ihre Ausbildung bringen wollen.

Studentenleben

Das studentische Leben bietet trotz der geringen Größe der Fachhochschule keineswegs Nachteile. Auch an der FHDW können die Studenten ein Semesterticket erwerben, die SLUB nutzen und das Essen gibt es zwar nicht in der Mensa, dafür sind Imbissstände in erlaufbarer Nähe. Selbst einen Studentenrat gibt es, auch wenn der mit 5 Mitgliedern überschaubar ist, was aber nicht unbedingt von Nachteil sein muss. Da die FHDW eine anerkannte Hochschule ist, ist man als Student bafögberechtigt und was den Studienkredit angeht, bekommt man in Kooperation mit einer großen deutschen Bank sogar günstigere Konditonen als Ottonormalstudent. Ein eigenes Wohnheim hat die Hochschule jedoch nicht, aber das sei laut Aussage ihres Leiters auch nicht nötig, da der Großteil der Studenten sowieso aus der Region käme und damit pendeln könne.

Beste Aussichten also, und selbst wenn man in den Lehrveranstaltungen an der FHDW ob der geringen Klassengröße nur wenig Zeit zum Träumen hat, ist auch die Aussicht über die Stadt von der Südhöhe aus fast so gut wie die berufliche Perspektive.

Julia Hoffmann - - seit 2004 freie Journalistin - zuhause in den Themen IT, Lokales, Familienpolitik, Kultur und exklusiv für Suite101 im ...

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