
- Zwei an einem Tag, Filmplakat - TOBIS
Manche Filme bewegen zutiefst. Die Verfilmung des Nr.-1-Bestsellers „Zwei an einem Tag“ (Engl. Titel „One Day“) amüsiert, schockiert, berührt tief. In vielerlei Welten erscheint die nachfolgende Geschichte märchenhaft, doch leider kann Realität tatsächlich so zufällig und dramatisch stattfinden, wie Buch- und Drehbuchautor David Nicholls sie in „Zwei an einem Tag“ schreibt.
Film zeigt Ereignisse aus zwanzig Jahren am magischen Datum
Der 15. Juli ist das magische Datum, das Emma Morley (Anne Hathaway, „Brokeback Mountain“, „Der Teufel trägt Prada“) und Dexter Mayhew (Jim Sturgess, „21“, „Across the Universe“) über zwanzig Jahre hinweg immer wieder verbindet. Am 15. Juli 1988, nach der Examensfeier im schottischen Edinburgh, landen die beiden nach dem rauschendem Uni-Fest in Emmas Bett – für gute Gespräche lediglich, denn Emma ist eher zurückhaltend und Dexter draufgängerisch. So grenzt es beinah an ein Wunder, dass die beiden überhaupt zusammenfanden und immer wieder an besagtem Tag zusammenfinden, denn Dexter ist angetan von ihrer Belesenheit, Wortgewandtheit, Strebsamkeit, von ihrem Charme und ihrer Schlagfertigkeit. Eine besondere Freundschaft entsteht. Die beiden sehen sich natürlich öfter im Jahr als nur einen Tag, aber „Zwei an einem Tag“ erzählt von den 15. Julis in zwanzig Jahren der beiden.
Die Freunde machen nach der Uni unterschiedliche Karrieren
Dexter bricht auf zur Indien-Reise und landet schließlich in Paris, wo er Englisch-Unterricht gibt. Emmas Karriere-Pläne in London beschränken sich bisher nur auf Kellnerin und Managerin im mexikanischen Restaurant „Loco Caliente“ mit Kollegen wie Kellner/Schauspieler, Kellner/Drehbuchautor, Kellner/Komiker. Em ist ihre komische Uniform vor Dex peinlich, der gleich seine Neue ins Restaurant mitbringt. Inzwischen ist er zum TV-Produzenten aufgestiegen und in Ems Augen der Inbegriff für Coolness geworden.
Dexter gerät durch seine steile TV-Karriere auf die schiefe Bahn
Am 15. Juli 1991 überredet Dexter Emma auf eine gemeinsame Urlaubs-Reise – rein platonisch, doch die erotische Spannung beim Nackt-Baden lässt sich nicht leugnen. Dexters Worte, er fühle sich zu ihr genauso hingezogen wie zu allen anderen Frauen auch, zerstören den Moment der Nähe. Als ihm Jugendliche seine teuren Prada-Klamotten, inklusive der Calvin-Klein-Unterhose klauen, lacht Emma trotzdem Tränen, als er die Hundebengels splitternackt verfolgt. Als sich Dexters Karriere im Musik-TV immer mehr verselbständigt, verändert sich seine Persönlichkeit und Bekanntheit. Er wird zum Yuppie, nimmt Drogen, trinkt und schleppt wahllos Frauen ab. Hoher Flug, tiefer Fall. Als seine Mutter Alison (Patricia Clarkson, „Whatever works“, „Pieces of April“) an Krebs erkrankt, stürzt er völlig ab. Sie gesteht ihm, dass er völlig auf dem falschen Weg ist.
Der Wind der Zeit hält der sexlosen Freundschaft nicht stand
15.Juli 1992. Emma ist inzwischen mit ihrem Arbeitskollegen Kellner/Komiker Ian (Rafe Spall, „Anonymous“, „Der Löwe im Winter“) zusammen und wird Lehrerin. Als sie Dexter zum Abendessen trifft, ist er inzwischen der „meistgehasste Typ im Fernsehen“. Den Tod seiner Mutter verkraftet er nicht. Als er Emma, die an einem Buch arbeitet, beleidigt, gehen sie im Streit auseinander. Unter Tränen gesteht sie ihm: „Ich liebe dich, aber ich mag dich nicht mehr“. Sie zieht mit Ian zusammen, lehnt aber seinen Heiratsantrag ab, bis er zu dem Entschluss kommt, dass Emma ihren besten Freund Dexter liebt und nicht ihn. Im Jahr darauf heiratet Dex, der beruflich wieder ganz unten als Restaurant-Aushilfe anfängt und wird Vater einer Tochter. Die Ehe mit Sylvie (Romola Garai, „Dirty Dancing 2“) zerbricht. Auch Emma trennt sich von der Beziehung mit Ian und zieht als Schriftstellerin nach Paris. Ihr größter Traum wird Realität.
Für Liebende kann das Leben besonders bitter sein
Mit „Lesben-Frisur“ und neuem Kleidungs-Stil schreibt Em an ihrem zweiten Roman. Als Dexter sie an der Seine besucht, ist er sehr von ihrem neuen Image angetan und umso enttäuschter, als sie ihm ihren neuen Lover Jazz-Musiker Jean-Pierre vorstellt. Das Freundschafts-Katz-und-Maus-Spiel zwischen Em und Dex nimmt lange kein Ende. Doch was mit warmen Sonnenaufgang im Jahre 1988 begann, endet entsetzlich mit Sonnenuntergang im Jahre 2011.
Dänische Regisseurin verfilmt bittersüße Romanze gekonnt kitschlos
Was man mit 20 träumt und mit 40 ist, Wehmut, die Langwierigkeit des Erwachsenwerdens, nicht unbedingt mit dem Menschen zusammensein können, zu dem wir gehören - das reizte die dänische Regisseurin Lone Scherfig, („An Education“, „Italienisch für Anfänger“, „Wilbour wants to kill himself“) am Stoff von „Zwei an einem Tag“. Zu sehen sind außerdem das wunderschöne Edinburgh (sieht auch noch aus wie in den 90s, weil dort nicht so viel neu gebaut wird, wie in anderen großen Städten, wie London oder Berlin, das Metropolis immer ähnlicher wird). Toll auch die Ausstattungen der Wohnungen, kreativ, und seit den 90ern („Reality bites – Voll das Leben“, „Harry & Sally") keinen so schönen Romanzen-Film wie „Zwei an einem Tag“ gesehen, deshalb ist „Zwei an einem Tag" das beste, was die Leinwand 2011 zu bieten hat. Musik aus den 90ern mit Stereo MCs, Corona, Tracy Chapman, Tears for Fears' „Seeds of Love“ und viel englischen Indie-Pop, sowie ein neu komponiertes Lied von Elvis Costello geben der Romanze noch das extra Sahnehäubchen, unterstrichen von lässigem Grunge-Kleidungsstil, 4 Jahre nur eine Jeans haben... Studenten eben – um sich in diesen Film endgültig zu verlieben, was wirklich selten ist und was die Regisseurin voll in der Hand hat. Sie hat ein Händchen dafür, dass man sich in ihre Film-Machart verliebt. Perfektes Schauspiel und die Dramaturgie machen dieses Romanzen-Meisterwerk ganz besonders.
Um von diesem aufwühlendem, tiefsinnigen, romantischen Film-Ereignis wieder wenigstens etwas herunterzukommen (die Story ist nachwirkend), empfiehlt es sich, nach „Zwei an einem Tag“ anschließend das Musical in 3D „Berliner Philharmoniker in Singapur“ zu schauen – eben: „Zwei an einem Tag“.
„Zwei an einem Tag“ startet bundesweit am 03. November 2011 im Verleih von TOBIS
