
- Meckel - im Netz zum Media President vorgeschlagen - Caroline Stern
Am 13.9. lud die hoch renommierte Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel zur Buchpremiere ins angesagte Berliner Soho House. Im ausgewählten Kreis von rund 80 Menschen präsentierte sie ihr neuestes Werk "Next - Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns". Die "kleine Vorlesung" handelte von der digitalen Zukunft und was sie mit uns macht.
Miriam Meckel: "Wo bleibt der Zufall in der Welt?"
"Wir sind nicht mehr die Kunden im Netz, sondern die Produkte. Algorithmen funktionieren, weil Menschen Gewohnheitstiere sind", sagt die Bestseller-Autorin. "Wir kaufen Bücher, die Amazon uns vorschlägt, wir hören Musik, die Apple uns empfiehlt und wir befreunden uns mit Menschen, die Facebook für passend hält." Das ist alles bekannt, aber dann stellt sie die Frage, die den Stoff für etwas Neues herausreißt: "Wo bleibt der Zufall in der Welt?" Und gleich hinterher: "Wir brauchen eine Diskussion!" Auch Anne Will, die angesehenste Polittalkerin Deutschlands, lässt sich diese Runde nicht entgehen.
"...wurden wir zu dem, was unsere Profile über uns sagten"
Meckels Buch ist in zwei Perspektiven verfasst und nimmt ein "bisschen die kulturkritische Perspektive" ein. "Ich mache wahnsinnig viel im Netz. Aber ich bin selber kein Stück Software, sondern fühle mich den Menschen näher. Deshalb schrieb ich noch die Geschichte eines letzten Menschens auf." Die Stellen, aus denen Meckel vorliest, wechseln zwischen sehr ernsthaft, wenn die erste Hauptfigur in Gestalt eines Algorithmus spricht und tragisch-naiv, wenn der letzte Mensch auf Erden spricht ("...wurden wir zu dem, was unsere Profile über uns sagten"). Dem Gefälle entsprechend brauen sich in den Köpfen des interessierten Publikums viele Fragen zusammen. Die wollen zum Schluss gar nicht enden. "Wir haben hier einen Denkraum, in dem man sich Tage aufhalten kann", fasst Rowohlt-Lektor Uwe Naumann eine allgemeine Atempause beim Schopf. Definitiv. Und was next?
Wann kommt die Revolution?
Wünschenswert ist eine ausgeklügelte Runde zwischen der im Netz zur Medienpräsidentin vorgeschlagenen Miriam Meckel und den Glasmenschenbläsern der Branche, Amazon-Chef Jeff Bezos, Apple-Chef Tim Cook, Facebook-Chef Mark Zuckerberg und Google-Chef Larry Page zum Beispiel. Und dann mitten rein ins Herz der Gesellschaft: "Wo bleibt noch der Zufall in der Welt?" Oder besser eine Revolution. Den Titel dafür hat Miriam Meckel schon parat: "Rettet den Zufall!"
"Next" als E-Book
Natürlich erscheint "Next" auch als E-Book, enhanced, also mit mehreren Features wie Videomitschnitte der Autorin. Wer sich jedoch für das gute alte Printprodukt entscheidet, dem öffnet sich zusätzlich ein Tor in die digitale Welt mittels QR-Code. Dieses führt den User dann zu einer Website, die zunächst verrät, warum der Zufall überhaupt rettenswert ist.
Miriam Meckel - mehr als nur eine Schlagzeile
Miriam Meckel hat jüngst am Tag der Buch-Premiere für Schlagzeilen gesorgt, als sie per Twitter gegen Günther Jauch stichelte, durch dessen stern TV-Format in der ARD ihre Lebensgefährtin Anne Will vom Sendeplatz verwiesen wurde. Im Jahr 2010 hatte die Professorin der Universität St. Gallen mit dem Buch "Brief an mein Leben: Erfahrungen mit einem Burnout" einen Bestseller gelandet. "Next - Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns" erscheint am 16. September. Ein Hit? Sieht verdächtig danach aus.
Miriam Meckel: Next - Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns. Rowohlt 2011. Euro 19,95.
