Jedes Medium hat seine eigenen Werbeformen hervorgebracht – das Internet macht da keine Ausnahme. Typisch sind beispielsweise Pay-Per-Click-Anzeigen, denn anders als in traditionellen Medien lässt sich online sehr leicht feststellen, wie viele Leser auf eine Anzeige tatsächlich reagieren. Auch das Setzen von Links in Artikelverzeichnissen wäre in Zeitungen oder im Rundfunk nicht möglich, allerdings auch nicht sinnvoll, da es in erster Linie auf die Beeinflussung von Suchmaschinen ausgerichtet ist. Vielleicht am engsten mit dem Wesen des Internets verbunden sind aber die sogenannten Besuchertauscher, auch als Traffic-Tauscher oder Traffic Exchanges bekannt. Leider sind sie auch so ziemlich die ineffizienteste Form von Werbung.
Besucher finden neue Websites nicht von selbst
Das Hauptproblem beim Werben für Online-Angebote bleibt die Schwierigkeit, Besucher auf die betreffende Website zu bringen. Kaum jemals wird irgendjemand rein zufällig auf eine ihm unbekannte Internetseite kommen. Vielmehr verbringt der durchschnittliche Internetbesucher jede Woche Stunden damit, entweder Internetadressen einzugeben, die er irgendwo gelesen hat, sich zu bestimmten Suchbegriffen passende Seiten von einer Suchmaschine vorschlagen zu lassen oder aber sich einfach von einem Link zum anderen zu hangeln. Letzteres ist es, was wir üblicherweise mit dem Begriff „Surfen im Internet“ bezeichnen. Mit anderen Worten: Das Netz ist voll von Menschen, deren Seiten sich niemand ansieht, weil keiner sie kennt, die aber selbst eine neue Seite nach der anderen entdecken. Genau hier setzt die Idee der Besuchertauscher an.
Besuchertauscher kosten Zeit statt Geld
Besuchertauscher sind Websites, die nach folgendem Prinzip funktionieren: Dem Besucher werden in kurzen Abständen (etwa jede Minute oder auch alle dreißig Sekunden) wechselnde Internetseiten gezeigt. Für jede Seite, die er sich ansieht, werden ihm Punkte gutgeschrieben – und je mehr Punkte er gesammelt hat, desto öfter darf er über das System seine eigenen Websites anderen Benutzern präsentieren. Das Motto lautet also: Siehst du dir meine Seite an, dann sehe ich mir auch deine an. Gerade Personen, die ganz am Anfang ihrer Karriere im Online-Marketing stehen, verbringen oft täglich Stunden damit, bei verschiedenen Besuchertauschern Punkte zu sammeln, um so ihre Seiten möglichst vielen anderen Menschen vorstellen zu können. Der scheinbare Vorteil ist natürlich, dass diese Form der Werbung zwar Zeit, aber kein Geld kostet. Verlockend ist auch die Tatsache, dass meistens die Möglichkeit geboten wird, sogenannte Referrals zu werben und sich so eine Downline aufzubauen, die sich über mehrere Ebenen erstrecken kann.
Eine Downline lässt sich aufbauen – aber keine zahlende
Referrals sind neue Benutzer des Besuchertauschers, die man über persönliche Links anwirbt. Üblicherweise benutzt man andere Besuchertauscher, um diese Links zu bewerben. Das kostet natürlich wertvolle, mühsam zusammengesurfte Punkte – aber dafür verdient man später an den Surfaktivitäten seiner eigenen Downline kräftig mit. Natürlich meist nur in Form von Punkten, aber immerhin – wer fleißig Referrals wirbt, braucht irgendwann kaum noch oder gar nicht mehr selbst zu surfen. Da die meisten Benutzer daran interessiert sind, in möglichst vielen verschiedenen Besuchertauschern vertreten zu sein, klappt das Anwerben einer Downline meist sehr gut. Am Grundproblem dieser Werbeform ändert das aber nichts: Praktisch jeder lässt die Seiten der anderen Teilnehmer ohne jedes Interesse an sich vorüberziehen. Jeder möchte nur Punkte sammeln, um seine eigenen Seiten zeigen zu dürfen.
Zeit und Energie lassen sich besser nutzen
Da das alle so machen, ist die mit dieser Werbung erzielte Wirkung gleich Null – jedenfalls immer dann, wenn es darum geht, zahlende Kunden zu gewinnen. Erinnern wir uns: Die meisten Teilnehmer benutzen diese Form der Werbung gerade deshalb, weil sie kein Geld kostet. Geld haben sie nämlich in der Regel nicht, das wollen sie ja erst noch verdienen. Am ehesten lassen sich auf diese Weise daher noch Interessenten für mögliche Nebenverdienste gewinnen, die meisten beworbenen Seiten stammen aus dem Bereich der Partnerprogramme oder des Multi-Level-Marketing. Doch auch dort gelingt es hauptsächlich, kostenlose Probezeiten an den Mann zu bringen. Wenn es schließlich ans Bezahlen geht – siehe oben. Wer darüber nachdenkt, Besuchertauscher zu benutzen, dem kann man nur davon abraten. Die eingesetzte Zeit und Energie lassen sich auf andere Weise wesentlich effektiver nutzen.
