Besuchshunde in Seniorenheimen

Besuchsdienst im Seniorenheim - Gaby von Döllen
Besuchsdienst im Seniorenheim - Gaby von Döllen
Besuchshunde arbeiten im Gegensatz zu Therapiehunden weniger zielorientiert. Die Besuche bringen Licht in den Alltag und sind ein Gewinn für alle.

Der alte Mann liegt im Bett, den Blick aufmerksam auf den Hund gerichtet, der sich langsam nähert. Nach einem kurzen Blickkontakt legt der Hund die Schnauze neben das Kopfkissen. Die Hand des Mannes streicht unbeholfen über den Kopf, ein leises Lächeln huscht über sein Gesicht. „Früher“, beginnt er mit brüchiger Stimme, in der ein wenig Bedauern mitschwingt. „Früher, da hatte ich auch einen Hund….“

Eine fast alltägliche Situation für einen Besuchshund, der spielend das Eis zwischen zwei Menschen bricht, die sich noch nie im Leben begegnet sind. Hunde als Highlight, Hunde, die ein kleines Stück Lebensqualität zurückgeben, ein bisschen Erinnerung an längst vergangene Zeiten.

Therapiehunde und Besuchshunde haben unterschiedliche Zielsetzungen

Oft ist von Therapiehunden die Rede, das sind die Besuchshunde aber nicht. Ein Therapiehund benötigt eine mehrjährige, intensive Ausbildung, eine fachkundige Begleitung und arbeitet zielgerichtet. Meistens sind die Therapeuten gleichzeitig Besitzer und Ausbilder. Der Besuchshund will und kann diese Ansprüche gar nicht erfüllen. Das Besuchshundeteam arbeitet ehrenamtlich und bringt etwas mit, das in unserer hektischen Umwelt selten geworden ist: Zeit für Menschen, für die oft niemand sonst Zeit hat. Zeit, ein wenig Sonne in den Alltag zu bringen, Erinnerungen zu wecken, zu spielen, wo sonst nicht gespielt wird. Das Team schafft Raum für Kontakte, Gespräche und Berührungen. Der Dank ist ein Lächeln, manchmal eine kurze Umarmung oder Tränen in den Augen. Es ist eine sehr emotionale Arbeit, die überwiegend schön ist, die aber auch traurige Momente beinhaltet.

Voraussetzungen für Hund und Halter

Die wichtigsten Eigenschaften bekommt der Welpe bereits in die Wiege gelegt. Neugierde, Kontaktfreudigkeit und Menschenbezug sind bei Hunden aller Rassen mehr oder weniger ausgeprägt vorhanden. Es entwickeln sich unterschiedliche Charaktere, für die meisten lässt sich eine Aufgabe im Besuchsdienst finden. Ein Besuchshund muss in der Lage sein, sich fremden, auch ungewohnt oder gar unheimlich wirkenden Menschen zuzuwenden und in jeder Situation freundlich und gelassen zu reagieren. Das sind bereits hohe Anforderungen, der Hund bezieht seine Sicherheit zum großen Teil aus dem Vertrauen zum Besitzer, der immer dabei ist und unangenehme Kontakte zum Schutz des Hundes erkennt und auflösen muss. Unvorbereitet sollte kein Team in Einrichtungen gehen. Der Hund muss gesund sein und über die üblichen Impfungen verfügen. Eine Beurteilung des Hundecharakters von neutraler Seite ist keine Vorschrift, sollte aber auf jeden Fall stattfinden, die wenigsten Hundehalter können den eigenen Hund neutral beurteilen. Auch die Haftungsfrage muss geklärt sein. Einige Vereine befassen sich mit der Besuchshundearbeit und bieten sowohl Wesenstests als auch Unterstützung und Fortbildungsseminare an.

Hunde, die nicht über eine absolute Souveränität in allen Lebenslagen verfügen, können trotzdem im Besuchsdienst eingesetzt werden. Viele Senioren freuen sich über einen kleinen Spaziergang, bei dem eine Distanz zum Hund eingehalten wird. Für zurückhaltende Hunde ein idealer Einstieg, um Sicherheit in der neuen Aufgabe zu gewinnen.

Gehorsam in allen Situationen und Spielfreude sind notwendige Voraussetzungen

Gehorsam ist dagegen unerlässlich für die Besuchsarbeit. Der Hund muss jederzeit in seinem Handeln unterbrochen werden können. Häufig zu seiner eigenen Sicherheit, denn schnell werden für den Bewohner gedachte Medikamente als „Leckerli“ weitergereicht oder das abendliche Wurstbrot vor die Schnauze gehalten. Werden dem Hund vom ersten Besuch an bestimmte Regeln konsequent vorgegeben, wird vieles schnell zur Selbstverständlichkeit und der Hund stoppt an (offenen) Zimmertüren, betritt keinen Essraum und nimmt erst nach dem Kopfnicken des Besitzers Kontakt mit dem Bewohner auf.

Spielfreude ist für die Besuche sehr hilfreich. Das Spielzeug stellt nicht nur Kontakte zwischen Hund und Mensch her, es löst fast automatisch Reaktionen aus. Im alltäglichen Leben sind dies unbeachtete Kleinigkeiten, im Seniorenheim können gerade diese Momente Menschen aus ihrer Isolation holen. Ein spontanes Bücken, weil der Hund abwechselnd von Ball zum Bewohner blickt, ein unbewusstes Streicheln, Momente, die beim Personal Erstaunen auslösen und beim Besitzer das Gefühl, das Richtige zu tun.

Auch der Hundebesitzer muss einiges „mitbringen“. Das Personal hat normalerweise nicht die Zeit, einen Besuch zu begleiten. Der Besitzer muss seinen Hund sehr gut einschätzen und beurteilen können. Überforderung, unangenehme Berührungen, aber auch einfach einen ‚schlechten Tag’ muss er erkennen und darauf reagieren. Die Freude des Hundes an der Arbeit hängt zum großen Teil vom Besitzer ab, der motiviert, Situationen entschärft. Er unterstützt durch Motivation, Lob und Spiel. All dies geschieht unabhängig von der psychischen Belastung. Ein Besuchsteam hat viel mehr Einblick in die Welt der Seniorenheime als ein normaler Besucher. Einsamkeit, Demenz und Krankheit wechseln sich ab mit einfacher Freude über eine Selbstverständlichkeit.

Der Lohn – ein dankbarer Blick

Für den Hund ist die Besuchsarbeit selbst belohnend. Er steht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, er erhält Lob, Streicheleinheiten und Auslastung. Dennoch ist die Besuchsarbeit eine Herausforderung, da überwiegend kontrolliertes Handeln erforderlich ist. Wenn der eigene Hund wedelnd voran strebt, sobald er erkannt hat, dass ein Besuchsdienst ansteht, wenn er sich anschließend zufrieden grunzend auf seiner Decke einrollt, ist es der beste Beweis für die Freude, die der Hund aus dieser Arbeit zieht.

Den Senioren bringt er ein wenig Licht in den oft tristen Alltag, weckt Erinnerungen, animiert zu Geschichten über andere Hunde. Er bringt vorurteilslos Leben und Freude an einen Ort, an dem leider viel zu oft Einsamkeit und Traurigkeit alltäglich geworden sind.

Auch dem Hundebesitzer werden die Augen geöffnet für eine Welt, abseits von Hektik und Alltag. Eine Welt, die häufig übersehen wird und in der es viel zu tun gibt. Es gibt zu wenige Besuchsteams, die Vereine führen lange Wartelisten, suchen nach Freiwilligen, die bereit sind, ein bisschen Freizeit herzugeben. Für einen Lohn, der so viel mehr wert ist als Geld. Ein einfaches „Danke, dass Ihr da seid!“

Quellen: Eigene Erfahrungen aus der Besuchshundearbeit

Links: Mit dem Hund auf der Wachkomastation

Arbeit im Seniorenheim

Verein: "Tiere helfen Menschen"

Gaby von Döllen, Copyright: Peter von Döllen

Gaby von Döllen - geboren 1964 in Bremen verheiratet, 2 Töchter. Zur Familie gehören außerdem ein Weißer Schäferhund und eine ...

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