Betreuungseinrichtungen: Negative Auswirkungen auf Kinder

Spielplatz-Pferd - Christa Richert auf STock.xchng
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Gruppen-Betreuung in Kindergärten, Krippen oder Kitas kann sich nachteilig auf Kinder auswirken - insbesondere die Stressbelastung steigt ernorm.

Einrichtungen der Kinderbetreuung sind ein wichtiger Bestandteil des modernen Lebens. Sie ermöglichen Vätern und Müttern, Kind und Karriere zu vereinbaren, unterstützen die Gleichberechtigung von Mann und Frau und entlasten Eltern. Aufgrund finanzieller Zwänge und fehlender Unterstützung sind sie für viele arbeitende Eltern die einzige Alternative.

Aber wie geht es den Kindern selbst damit? Welche Auswirkungen hat die oft sehr früh beginnende und zeitlich ausgedehnte Fremdbetreuung auf die Kinder und ihre Entwicklung? Im Folgenden werden die Ergebnisse einer Vielzahl von wissenschaftlichen Forschungen hinsichtlich der negativen Auswirkungen von Fremdbetreuung in Gruppen zusammengefasst.

Stress-Pegel

Verschiedenste Studien haben wiederholt nachgewiesen, dass Kinder, die lange Zeit in Gruppen von Kindern fremd betreut werden, deutlich erhöhte Stress-Pegel aufweisen. Die direkten Auswirkungen davon sind erhöhte Aggressivität, Unruhe und verminderte Empathie-Fähigkeit. Während dies für alle Kinder zutrifft, können gerade sehr kleine und sensible Kinder extrem unter dem ständigen Trubel leiden, so dass sind am Ende eines oft sehr langen Tages völlig erschöpft sind. Hinzu kommt die Trennungsangst, unter der viele Kinder leiden: Sie schreien beim Abschied von den Eltern und sind offensichtlich tief unglücklich. Aber die Forschung zeigt, dass diese Kinder selbst dann noch deutlich erhöhte, ungesunde Stress-Pegel aufweisen, wenn sie sich äußerlich längst eingelebt haben und eigentlich unauffällig erscheinen. Die langfristigen Folgen der permanent erhöhten Stress-Werte sind statistisch häufigere Angst- und Beziehungsstörungen sowie verringerte Stress-Resilienz.

Eltern-Kind-Beziehung

Laut Bindungstheorie benötigen Kleinkinder eine stabile Beziehung zu wenigstens einer Haupt-Bezugsperson, um eine normale soziale und emotionale Entwicklung machen zu können. Man weiß auch, dass bereits sehr kleine Kinder häufig Kommunikation initiieren, zum Beispiel in Form von Blickkontakt, Lächeln, Lauten oder Wörtern. Reagiert ihr Gegenüber (die Bezugsperson) nicht darauf beziehungsweise gibt es keine klare Bezugsperson, unterlassen sie diese Kontaktaufnahmen allmählich – das Kind zieht sich in sich zurück, es wird, gewissermaßen, ein Stück weit depressiv. Unglücklicherweise besteht im geschäftigen, lauten Umfeld von Kindertagesstätten kaum die Möglichkeit für kleine Kinder, positive Erfahrungen mit dieser aufkeimenden Freude an Interaktionen mit anderen Menschen zu machen, zumal der Kind-Betreuer-Schlüssel meist viel zu hoch liegt, was ein individuelles Eingehen auf die Kinder unmöglich macht.

Ein weiteres Problem beim frühzeitigen Besuch von Betreuungsstätten besteht darin, dass kleine Kinder und Eltern nicht mehr genug gemeinsame Zeit haben, um eine stabile, vertrauensvolle Bindung aufzubauen und sich grundlegend kennenzulernen. Dadurch wird sowohl die Eltern-Kind-Bindung als auch das spätere Bindungsverhalten von Kindern negativ beeinflusst.

Zu wenig sinnvolle Tätigkeiten

Kleine Kinder ahmen ihre Umgebung nach: Ist Mama am Kochen oder Putzen, wird das spielerisch nachgemacht. Die meisten Kindertagesstätten bieten zu wenig nachahmenswerte Tätigkeiten wie gemeinsames Putzen, Kochen, einfache Hand- oder Bauarbeiten und klassische Bewegungsspiele. Stattdessen werden Kindern künstliche Aktivitäten wie sinnlose Bastelarbeiten mit Papier und Kleber oder mediale Berieslung vorgesetzt.

Zu großer Fokus auf intellektueller Entwicklung

Kinder bis fünf oder sechs Jahre brauchen keine intellektuelle Frühförderung. Zu viel zu früh – sei es nun Mathematik, Lesen oder verkopfter Fremdsprachenunterricht – schadet den Kindern sogar in ihrer Entwicklung. Hirnforscher wie Dr. Gerald Hüther betonen dagegen den Nutzen von ganzheitlicher Bildung durch vielfältige Sinnes- und Bewegungserfahrungen, eine anregende Umgebung und feste Beziehungen. Kinder lernen durch eigenes Handeln viel schneller und ganzheitlicher als durch rein intellektuell-reduzierte Aufgaben. Beim Tischdecken, bei Fingerspielen oder anderen Aktivitäten werden zum Beispiel Mengenverständnis und Zählen grundlegend gelernt und damit überhaupt die Grundlagen für einen später durchaus sinnvollen intellektuellen Zugang gelegt.

Kinder im Vorschulalter brauchen noch keinen theoretisch-intellektuellen Unterricht. Zu frühe und ausgeprägte Förderung in Lesen oder Rechnen kann sogar schaden, da damit andere Dinge zu kurz kommen und Fantasie, Kreativität und Unmittelbarkeit darunter leiden. Die Entwicklung von Kindern verläuft nicht linear. Für viele Fähigkeiten gibt es sogenannte sensitive Phasen, welche nicht beliebig nach vorne verschoben werden können, nur weil Eltern, Wirtschaft und Politik es gerne so hätten.

Krankheit

Der Eindruck täuscht nicht: Kinder in Betreuungseinrichtungen sind deutlich häufiger krank als zuhause betreute Kids. Aufgrund von vermehrter Ansteckungsgefahr gibt es eine dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit, an Atemwegsinfekten, Mittelohrentzündung oder Magen-und-Darm-Infekten zu erkranken.

Fazit

Es gibt viele gute Gründe für und gegen den Besuch von Betreuungseinrichtungen. Während der Nutzen von Kindergärten für Über-Dreijährige kaum angezweifelt wird (so lange die Qualität stimmt), scheiden sich die Gemüter, was die Fremdbetreuung der Unter-Dreijährigen angeht. Laut dem australischen Erziehungsexperten Steve Biddulph sollten Kinder in den ersten drei Jahren möglichst von einem Elternteil oder nahen Verwandten betreut werden – so lange dies möglich ist und gerne gemacht wird. Natürlich wäre ein zuhause vernachlässigtes Kind besser in einer Betreuungseinrichtung aufgehoben, aber in den allermeisten Fällen gibt es keine besseren Betreuer als die eigenen Eltern oder Großeltern. Dort haben Kinder, was auch die beste Einrichtung nicht anbieten kann: Familiäre Liebesbande und individuelle Betreuung.

Quellen und verwandte Artikel

Martin Bohn, Martin Bohn

Martin Bohn - Als ausgebildeter Yogalehrer schreibe ich nebenher Artikel für verschiedene Yogazeitschriften in Deutsch und Englisch. Hauptberuflich ...

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