
- Die betrügerische Galerie auf Mallorca - Damaris Weiss
Betrügerischer Galerist auf Mallorca
Der deutsche Galerist auf Mallorca, Michael L. , bot Malern eine garantierte Abnahme ihrer Bilder an. Doch er vergaß das Bezahlen und verschwand. Nun wird er von Interpol gesucht.
Geschäftsidee Kunstrente
Die Kosten waren übersichtlich, lediglich eines von sieben in Kommission überlassenen Bilder wollte die Galerie als Bezahlung behalten. Ein gutes Angebot, erhalten doch andere Galerien oft bis zu fünfzig Prozent des Verkaufspreises. Die „Robinson Business @ Art Akademie S.L.“ mit Sitz im sonnigen Campos auf Mallorca versprach viel. Von Kunst Events, thematischen Ausstellungen und Vernissagen war die Rede und von internationaler Kooperation mit Galerien an fernen Orten. Sein Kunstvertrieb unterhalte „ein eigenes Vermittlerteam“, welches „Kunstleasing und Direktverkauf für Firmen, Hotels und Privatpersonen“ anbiete. Versprechungen die Hoffnungen weckten. Auch den Kunstsammlern offerierte L. erstaunliche Perspektiven. Für eine neue Anlageform, Kunstrente genannt, garantierte er den Investoren eine Rendite von stolzen 20 Prozent. Traumhafte Gewinne also, die sonst nur Investmentbanker versprechen. Ideale Bedingungen für Künstler und Käufer – so schien es. Doch wie so oft im Leben, zerrannen auch diese Träume. Statt ihre Bilder zu verkaufen, fühlen sich etliche Künstlerinnen und Künstler eher selbst verkauft. Und zwar von ihrem Galeristen auf Mallorca. Nur einer von rund zwanzig befragten Künstlerinnen und Künstlern konnte dem Autor berichten, tatsächlich drei Papierarbeiten für insgesamt 330 Euro über die Galerie L. verkauft zu haben. Und auch der Mann ist mit diesem Ertrag nicht wirklich zufrieden. Im Internet hatte er entdeckt, dass die Galerie seine Bilder zu einem wesentlich höheren, als dem vereinbarten Preis, angeboten hatte.
Alle anderen Künstler konnten keinen einzigen Verkauf verbuchen. Im Gegenteil, viele von ihnen fürchten sogar um ihre Bilder.
Leipzig fluchtartig verlassen
Denn Michael L. ist untergetaucht, seine Galerie geschlossen, die Büros und Wohnung verlassen. In Mallorca kam den verzweifelten Künstlern der Privatermittler Werner Links zur Hilfe. Er stellte eine Suchanzeige mit Fotos der verschwundenen Bilder ins Internet. Auch die „Mallorca Zeitung“ berichtete mehrfach über die verzweifelte Suche der Künstler nach ihren Bildern. In Leipzig, wo Michael L. im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Spinnerei Komplexes in der Naumburger Straße ein Büro gemietet hatte, führten zahlreiche Anzeigen betrogener Künstler zur Aufnahme staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen. Polizeibeamte einer Leipziger Wache kamen auf recht unbürokratische Weise einigen Künstlern zu Hilfe, deren Bilder sie im verlassenen Büro und der Wohnung des Michael L. fanden. Ansonsten wurden die Ermittlungen in Leipzig ohne großen Elan geführt. Obwohl L. flüchtig war, erließen die Leipziger lange Zeit nicht einmal einen internationalen Haftbefehl. Ganz anders agierten die Beamten des Landeskriminalamt der Steigermark in Graz. Auf Grundlage von nur zwei Anzeigen gegen Herrn L. wurde dort wegen Veruntreuung ermittelt, ein Internationaler Haftbefehl erlassen und die Guardia Civil auf Mallorca um Hilfe gebeten.
Polizei fand ein Bilderlager
Und das mit Erfolg, denn die spanische Kriminalpolizei entdeckte eines der Kunstlager des Michael L. mit rund 240 Bildern. Auch die Polizei auf Mallorca reagierte unbürokratisch. Eine Dolmetscherin der Guardia Civil richtete eine E-Mail in deutscher Sprache an die Künstler in Deutschland, der Schweiz und Österreich, in der sie über den Fund informierte und die Künstler und Künstlerinnen aufforderte, ihr Fotos der vermissten Werke und eine Kopier ihrer jeweiligen Strafanzeigen zu übersenden. Inzwischen konnten mehrere Künstler ihre Bilder bei der Polizei auf Mallorca abholen lassen. Anders in Leipzig.
Nicht einmal die Frage, ob um Rechtshilfe ersucht wurde, mochte die Staatsanwaltschaft in Leipzig beantworten.
Ihr Sprecher Staatsanwalt Ricardo Schulz teilte dem Autor lediglich mit, dass er nichts sagen könne. Denn so Schulz, "Einzelheiten zu den laufenden Ermittlungen der deutschen Strafverfolgungsbehörden kann ich ihnen aktuell nicht mitteilen, um diese Ermittlungen nicht zu gefährden." Eine Rückfrage beim Bundeskriminalamt, gleichzeitig die deutsche Interpol-Stelle, ergab, dass man dort zwar Kenntnis von einer Anfrage der Grazer Polizei hat, es aber keine deutsche Fallakte gäbe. Ob es mittlerweile ein Rechtshilfeersuchen der Leipziger Polizei und Justiz bei den Malloquinern gibt, ist nicht bekannt.
Verschiedene Staatsanwaltschaften teilten jüngst den um ihre Bilder betrogenen Künstlern mit, das Verfahren gegen Michael L. werde „entsprechend § 205 Strafprozessordnung eingestellt.“ Begründung: Der Beschuldigte ist für längere Zeit abwesend“. Weiter heißt es „Von hier aus wurden die erforderlichen Fahndungsmaßnahmen eingeleitet.“
Na vielleicht meldet Michel L. sich ja freiwillig bei der Polizei.
