Bettina Belitz - Splitterherz (Rezension)

Bettina Belitz - Splitterherz - script5
Bettina Belitz - Splitterherz - script5
Ein deutscher Fantasyroman ganz ohne Vampire erobert das Herz der Leser - sowohl jung als auch erwachsen - und erzählt die Geschichte von Ellie und Colin.

Ellie ist 17 und wurde von ihren Eltern aus der Großstadt Köln aufs Land verschleppt, wo sie in ein neues Haus einzieht und das Gefühl hat, sie wäre vollkommen in der Einöde gelandet mit nichts als Bäumen und langweiligen Landkindern rundherum. Dass das letzte Schuljahr in einer neuen Schule bestritten werden muss, belastet sie auch, aber nicht so sehr wie die Tatsache, dass sie jetzt nicht mehr so genau weiß, wie sie sich benehmen muss, um hineinzupassen in die Cliquen hier. Also verbringt sie viel Zeit alleine und erkundet die Gegend.

Schon bald stößt sie auf den arroganten, unnahbaren und scheinbar etwas benebelten Colin, der zwar immer höchst unfreundlich zu ihr ist, ihr aber mehr als einmal aus der Patsche hilft, nur um sie dann wieder harsch wegzuschicken. Wenn das nicht die Art ist, wie man junge Mädchen dazu bringt, sich für einen zu interessieren. Doch Colin hat ein Geheimnis. Und Ellie will nicht aufgeben, bis sie ganz genau weiß, was es ist...

Landleben und Teenagerprobleme

Was auf den ersten Blick vielleicht unoriginell klingt, hat Bettina Belitz in diesem dicken Roman großartig umgesetzt. Denn nicht nur ist Ellie keine typische Teenager-Tussi, noch macht sie alles, was sie probiert, gut. Die Autorin schafft es auch, die Umgebung, den Wald, die kleine Stadt und das Leben auf dem Land so lebendig zu beschreiben, dass man sich fühlt als wäre man selbst dort. Ellies anfängliche Genervtheit ob des vielen Schlamms und dies langen Weges zur Schule im nächsten Dorf kann man gut nachvollziehen, aber genau wie die Protagonistin wächst man auch als Leser und genau wie Ellie gewinnt man auch das Land ein wenig mehr lieb.

Ellie ist vielleicht nicht auf den ersten Blick sympathisch. Sie hat schon ihre Ecken und Kanten und tut und sagt oft Dinge, mit denen vielleicht nicht jeder Leser oder jede Leserin überein stimmt. Aber sie wächst einem doch recht schnell ans Herz und man leidet und freut sich mit ihr mit.

Colin ist da nochmal ein ganz anderes Kapitel. Ihn mit Edward zu vergleichen, ist beinahe eine Schande. Denn nicht nur haben die beiden kaum etwas gemeinsam, Colin steht für sich alleine und braucht keine Vergleiche mit populären Schnulz-Vampiren. Von Kitsch und ewiger Liebe gibt es hier auch nicht viel. Wenn etwas Romantisches passiert, dann fühlt es sich stets echt und nachvollziehbar an.

Splitterherz - ein neuer Hype?

Was dieses Buch so auszeichnet, ist vor allem die Sogwirkung, die es auf das Publikum hat. Denn einmal angefangen, legt man den über 600 Seiten dicken Wälzer nur ungern wieder aus der Hand. Da kann es schon mal vorkommen, dass man ein Harry Potter déjà vu hat und sich plötzlich 400 Seiten weiter um 3 Uhr morgens dabei erwischt, wie man immer noch liest. Dies spricht sehr für das schreiberische Können der Autorin, die sich sehr aktiv um ihre Fans bemüht. Auf der Seite www.splitterherz.com werden regelmäßig neue Blog-Einträge gepostet sowie viele Extras zum Buch wie etwa E-Mails, die zwischen Charakteren verschickt wurden, die im Buch aber nie explizit erwähnt werden. Auch kleine Trailer auf youtube von Fans und der Autorin selbst) gibt es zu bewundern.

Bettina Belitz wirkt ohnehin sehr greifbar für ihre Fans. Sie nimmt an zahlreichen Leserunden im Internet teil, signiert Bücher, gibt Tipps und verrät Kleinigkeiten über die kommenden Bände und die Entstehung von Splitterherz. Der zweite Band - "Scherbenmond" - soll Anfang 2011 erscheinen.

Bettina Belitz: Splitterherz. script 5, 2010. Gebundene Ausgabe, 635 Seiten. 19,95 Euro.

Nadine Gemeinböck, Nadine Gemeinböck

Nadine Gemeinböck - Nadine Gemeinböck begann ihre Karriere im zarten Alter von 3 Jahren, mit dem sie das Lesen und Schreiben erlernte. Von dahin war es ...

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