Bevölkerungsstruktur & wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands

Bevölkerungsstruktur - Stefan Dassler
Bevölkerungsstruktur - Stefan Dassler
Zur Analyse der Sozialstruktur werden demografische (Bevölkerungsstruktur) und volkswirtschaftliche (Wirtschaftsstruktur) Daten verwendet.

Zur Bevölkerung Deutschlands zählen alle Einwohner mit Hauptwohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland. Einbezogen sind auch alle hier gemeldeten Ausländerinnen und Ausländer. In Deutschland leben heute etwa 82 Millionen Einwohner.

In der Vergangenheit war von der Mitte der 1950er Jahre bis hin zum „Babyboom“ Mitte der 1960er Jahre ein allmählicher Geburtenanstieg zu verzeichnen. Gegenüber den 1950er Jahren haben heute die unter 30-jährigen Personen abgenommen und der Anteil der 60- bis 70-Jährigen hat wesentlich zugenommen. Dies gilt für alle sozialen Schichten und sozialen Milieus.

Schätzungen zur Bevölkerungsentwicklung

Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes wird es im Jahr 2050 doppelt so viele 60-Jährige wie Neugeborene geben. Gründe hierfür sind unter anderem die steigende Lebenserwartung und die geringen Geburtenzahlen. Generelle Einflussgrößen auf die Bevölkerungsentwicklung sind vor allem:

  • Natürliche Bevölkerungsbewegungen (Geburten, Sterbefälle); ausgelöst durch medizinischen Fortschritt (Säuglingssterblichkeit) und generatives Verhalten (Kinderzahl pro Familie)
  • Räumliche Bevölkerungsbewegungen (Zuzüge, Fortzüge)

Dennoch sinkt die deutsche Bevölkerungszahl relativ langsam, da die Zuwanderung von außen eine große Rolle spielt. Mit Migration wird die freiwillige, dauerhafte Abwanderung (Emigration) oder dauerhafte Einwanderung (Immigration) bezeichnet.

Aus folgenden Gründen wandern Menschen aus:

  • Wegen wirtschaftlicher Not, Verelendung oder Perspektivlosigkeit
  • Wegen Naturkatastrophen, aber auch wachsenden Umweltproblemen
  • Wegen Bürgerkriegen oder Menschenrechtsverletzungen
  • Wegen politischer Verfolgung.

Aber nicht der insgesamt auftretende Bevölkerungsrückgang in Deutschland ist das Problem, sondern die „Überalterung“. Sie bringt eine Reihe von sozialen, wirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Problemen mit sich. Im Mittelpunkt steht dabei die Betreuung und Pflege älterer Menschen sowie die Funktionsfähigkeit des Rentensystems.

Die gesetzliche Rentenversicherung wird durch den Generationenvertrag finanziert. Dieser besteht darin, dass die jeweils Erwerbstätigen mit ihren Beiträgen die Renten der Älteren zahlen. Sie erwerben dabei Ansprüche auf ähnliche Leistungen der nachfolgenden Generationen. Aufgrund von zukünftigen demographischen Effekten (geringe Geburtenrate; starke Zunahme der über 60-Jährigen) stehen die mit dem Generationenvertrag arbeitenden Sozialsysteme vor zunehmenden Finanzierungsproblemen. Die Spitze des Problems wird vielfach etwa ab 2030 erwartet.

Wirtschaftsentwicklung in Deutschland

Aus wirtschaftlicher Sicht durchläuft die deutsche Gesellschaft verstärkt einen Wandel vom Primär- und Sekundärsektor zum Tertiärsektor. Als Primärsektor wird die so genannte Urproduktion (Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Bergbau) bezeichnet. Unter dem Sekundärsektor versteht man den Bereich der Produktion durch Industrie und Handwerk. Der Tertiärsektor umfasst den Handel und die Dienstleistungen.

Das Statistische Bundesamt hat in den Jahren 1991 und 2003 die Bedeutung verschiedener Wirtschaftsbereiche untersucht:

  • Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistung. Jahr 1991: 24,2 Prozent. Jahr 2003: 30,5 Prozent.
  • Öffentliche und private Dienstleister. Jahr 1991: 20,3 Prozent. Jahr 2003: 21,7 Prozent.
  • Handel, Gastgewerbe und Verkehr. Jahr 1991: 17,7 Prozent. Jahr 2003: 18,0 Prozent.
  • Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe. Jahr 1991: 30,4 Prozent. Jahr 2003: 24,5 Prozent.
  • Baugewerbe. Jahr 1991: 5,9 Prozent. Jahr 2003: 4,2 Prozent.
  • Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Jahr 1991: 1,4 Prozent. Jahr 2003: 1,1 Prozent.

(Quelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Datenreport 2004, Bonn 2004. S. 255)

Heute spricht man von einer Dienstleistungsgesellschaft. Die traditionellen Dienstleistungen sind im Einzelhandel, Hotel- und Gaststättengewerbe, bei Banken, Versicherungen und dem Tourismus zu finden. Zudem ist eine Verflechtung der Dienstleistungsgesellschaft mit der Informationsgesellschaft (Computer; Internet) zu beobachten.

Literatur:

Geißler, R.: Die Sozialstruktur Deutschlands. Zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz der Vereinigung. VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010. Fachbuch. 428 Seiten. Euro 24,95.

Hradil, S.: Die Sozialstruktur Deutschlands im internationalen Vergleich. Lehrbuch. VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006. Fachbuch. 304 Seiten. Euro 24,90.

Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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