Bewerben für die Ausbildung im öffentlichen Dienst

Ausbildung im öffentlichen Dienst - Bildnachweis: © Cora Haertl
Ausbildung im öffentlichen Dienst - Bildnachweis: © Cora Haertl
Wer sich für eine Ausbildung in der öffentlichen Verwaltung bewerben möchte, sollte für eine gute Vorbereitung bestimmte Regeln kennen.

Der öffentliche Dienst ist nach wie vor attraktiv, auch für junge Leute. Ob Stadtverwaltung, Landratsamt, Finanzamt oder Regierungspräsidium, jedes Jahr werden in Verwaltungen Ausbildungsstellen ganz unterschiedlicher Art ausgeschrieben. Am bekanntesten sind sicherlich Ausbildungsgänge wie Verwaltungswirt/Verwaltungswirtin, Verwaltungsfachangestellte und Fachangestellter/Fachangestellte für Bürokommunikation. Es gibt aber noch eine ganze Reihe von anderen Möglichkeiten.

Längst werden zwar nicht mehr alle Auszubildenden nach ihrer Ausbildung übernommen, doch viele rechnen sich mit einem solchen Beruf Chancen bei der weiteren Stellensuche aus.

Der öffentliche Dienst ist konservativ

Bevor man sich bewirbt, sollte man seine Motivation für genau diesen Beruf prüfen. Egal, ob jemand die Beamtenlaufbahn oder eine Anstellung im öffentlichen Dienst anstrebt, dort finden sich überdurchschnittlich viele Menschen, die hauptsächlich auf einen sicheren Arbeitsplatz Wert legen. Dafür nehmen sie auch die strenge Hierarchie, den klar geregelten Amtsweg, die starren Strukturen und die hohe Bindung an einen Arbeitgeber in Kauf. Wer dagegen viel Eigeninitiative, große Freiräume und kreatives Arbeiten erwartet oder viel unterschiedliche berufliche Erfahrung sammeln will, wird vermutlich dort auf Dauer nicht glücklich.

Bewerben für eine Ausbildungsstelle im öffentlichen Dienst

Freie Ausbildungsstellen werden frühzeitig öffentlich ausgeschrieben. In der Regel findet man sie im Anzeigenteil der örtlichen Presse, dem Staatsanzeiger und auf den Websites der entsprechenden Verwaltung. Beim Bundesverwaltungsamt gibt es eine deutschlandweite Liste von freien Ausbildungs- und Praktikumsplätzen. Für alle Bewerbungen gilt: Fristen und Vorgaben für die Einreichung der Bewerbungsunterlagen sind strikt einzuhalten.

Grundvoraussetzung für Bewerber in der öffentlichen Verwaltung

Von Bewerbern werden bestimmte fachliche, persönliche und soziale Kompetenzen erwarten. Selbstverständlich ist die Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift Grundvoraussetzung, denn immerhin wird sich auf einen Beruf beworben, in dem es täglich zu Schriftverkehr und Kontakt mit Bürgern kommt. Ferner wird Wert auf Beherrschung der Grundrechenarten, Kommunikationsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit gelegt. Einer Dienstleistungsorientierung, also der Bereitschaft, sich bürgerorientiert zu verhalten und Bürger nicht als Bittsteller, sondern als Kunden zu verstehen, kommt seit einigen Jahren verstärkt Bedeutung zu.

Bewerbungsunterlagen eher traditionell halten

Schon bei der schriftlichen Bewerbung gilt es, den richtigen Ton zu treffen und bei Inhalt und Gestaltung der Bewerbungsunterlagen eher eine klassisch-konservative Variante wählen. Die Unterlagen müssen vollständig und geordnet sein. Die klassischen Regeln für Anschreiben und Lebenslauf sind einzuhalten. Allerdings muss traditionell nicht langweilig bedeuten. Klare, griffig formulierte Aussagen kommen immer besser an als bloße Phrasen, und auch eine klassisch-konservative Bewerbung kann interessant gestaltet sein und viel über die Persönlichkeit von Bewerbern aussagen.

Einstellungstests für Berufe im öffentlichen Dienst

Um die geforderten Qualifikationen zu prüfen, werden nach wie vor Einstellungstests durchgeführt. Neben den üblicherweise abgefragten Themen Allgemeinbildung, logisches Denkvermögen, Auffassungsgabe, Konzentrationsfähigkeit, spielen auch Kenntnisse über die Verwaltung oder aktuelle gesellschaftspolitische Themen eine große Rolle.

Schriftlicher Einstellungstest

Der schriftliche Einstellungstest beschäftigt sich neben den üblichen Themengebieten auch speziell mit behördenrelevanten Bereichen. Und hier ganz besonders mit den lokalen Gegebenheiten. So fragen Landkreise gerne danach, wie viele Städte und Gemeinden zu dem Kreis gehören. Auf Städteebene kann diese Frage auf Stadtteile hin verändert werden. Auch die parteipolitische Verteilung im Magistrat wird gerne abgefragt. Natürlich auch die Namen der Bürgermeister und Landräte.

Für Bewerber empfiehlt es sich, über die aktuellen politischen Verhältnisse auf kommunaler, Landes- und Bundesebene Bescheid zu wissen. Wer ist Bundespräsident, wer Kanzler, welche Parteien stellen die Regierung? In solchen Dingen sollten angehende Staatsdiener parkettsicher sein und mehr als grundlegende Kenntnisse haben.

Worauf im persönlichen Bewerbungsgespräch zu achten ist

Für das Vorstellungsgespräch im öffentlichen Dienst gelten für Kleidung, Verhalten und Vorbereitung auf gern gestellte Fragen die üblichen Regeln. Im Hinblick auf die Besonderheiten eines Berufs, der viel Kontakt mit Bürgern erfordert, spielt aber häufig die Kommunikationsfähigkeit eine große Rolle. Da reicht es nicht, anzugeben, dass man sehr gerne mit Menschen arbeitet und auch kommunikativ ist. Die Art und Weise sowie die Form der Kommunikation müssen bewiesen werden. Neben vorausgesetzter Höflichkeit werden Grundregeln der Kommunikation erwartet, etwa die Fähigkeit, gezielt bei Problemen der Bürger nachfragen zu können.

Simuliertes Bürgergespräch

Im simulierten Bürgergespräch, das einige Behörden inzwischen mit ihren Bewerbern durchführen, sollte der Bewerber also unbedingt darauf achten, nicht nur dazusitzen und mitzuschreiben, um eine Lösung anzubieten, sondern durch Rückfragen dem Bürger das Interesse an ihm zu signalisieren. Aktives Zuhören, Eingehen auf den Gesprächspartner, sich in den Bürger hineinzuversetzen und gezieltes Nachfragen sind dafür wichtige Stichworte. Erst dann sollte ein Lösungsvorschlag für das Bürgeranliegen unterbreitet werden. Bürgerorientierung hat eben viel mit Dienstleistungsorientierung zu tun.

Vorbereitung: Online-Möglichkeiten nutzen

Eine allgemeine Vorbereitung auf die Ausbildungsplatzsuche ist auch online möglich. Etliche Portale geben Tipps und Unterstützung für Berufsanfänger, egal in welchem Bereich man sich bewerben will.

Cora Haertl, Cora Haertl

Cora Haertl - Cora Haertl ist Autorin, Betriebswirtin und Dozentin in der Erwachsenenbildung. Sie schreibt zu den Themen Wirtschaft & Beruf, ...

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