
- Psychologen helfen bei Ängsten weiter - Pixelio
„Mit der Dialyse ändert sich nicht nur das Leben der Patienten, sondern auch das ihrer Angehörigen“, weiß Dipl.-Sozialpädagogin Nicole Scherhag, die in Mainz seit rund neun Jahren Betroffene berät.
Anfangs stehen viele sozialrechtliche Fragen rund um Rente, Sozialhilfe oder Finanzplanung im Mittelpunkt. Eventuell ist auch eine Kur oder ein Schwerbehindertenausweis zu beantragen.
Ängste und Zweifel zulassen
Schwerwiegender sind die Ängste und Zweifel, die viele Patienten verunsichern. Was kann ich noch leisten, was darf ich mir zutrauen? Viele fühlen sich zutiefst abhängig. Abhängig von der Maschine, die ihr Blut wäscht, und abhängig von den Menschen, die für sie sorgen.
Viele Lebensplanungen werden hinfällig. Wer von einem aktiven Lebensabschnitt nach dem Berufsleben träumte, sieht sich plötzlich drei Mal in der Woche an das Dialysegerät gebunden. „Junge Paare müssen vielleicht ihre gesamte Familienplanung überdenken und sich bewusst neu für den Partner unter veränderten Rahmenbedingungen entscheiden“, so die Expertin. Wut und Depressionen sind natürliche Reaktionen auf die einschneidenden Veränderungen.
Niemand kann auf Dauer nur stark sein
In Einzel- und Gruppenberatungen hilft Nicole Scherhag allen Betroffenen, sich den oft heftigen Empfindungen zu stellen: „Nur wer durch sein persönliches Tal der Tränen geht, kann sein neues Leben aktiv annehmen und für sich neue Ziele entwickeln.“
Auch Angehörige haben bei ihr die Möglichkeit, sich ihres Zorns und ihrer Trauer bewusst zu werden. „Viele meinen, immer stark sein zu müssen, da sie ja nicht krank sind“, so Frau Scherhag. „Aber keiner kann auf Dauer seine eigenen Wünsche zurückstellen. Paare und Familien haben deshalb nur eine Chance auf ein glückliches Zusammenleben, wenn auch Empfindungen wie Aggressionen ihren Raum haben dürfen.“ Dass auch ein Dialysepatient Aufgaben in der Familie und Partnerschaft übernehmen kann und Rücksicht, aber keine dauerhafte Schonung braucht, ist eines der immer wiederkehrenden Themen.
Wer als Patient oder Angehöriger Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe sucht, findet Informationen beim Bundesverband Niere.
