Beziehung und Partnerschaft im Buddhismus

See der Tausend Inseln, Qiandaohou - Sonja Eliane Stenek
See der Tausend Inseln, Qiandaohou - Sonja Eliane Stenek
Religionen geben Vorgaben und Empfehlungen für die Gestaltung intimer Beziehungen. Wie wird dies im Buddhismus betrachtet?

In verschiedenen Religionen werden unterschiedliche und dennoch ähnliche Beziehungs- und Partnerschaftsmodelle propagiert. So wird beispielsweise auf Ausschließlichkeit in Beziehungen oder auch das Verbot des vorehelichen Geschlechtsverkehrs verwiesen. Außerdem fällt vielfach auf, dass in Beziehungen ein Machtgefälle zwischen Mann und Frau besteht und die Gleichwertigkeit der beiden Geschlechter oftmals nicht gesehen wird.

Die Entscheidung, den Partner in seiner Entwicklung zu unterstützen

In der buddhistischen Ethik ist ein Grundprinzip das Annehmen dessen, was ist. Dies setzt in einer Beziehung voraus, das Gegenüber in seinen Eigenheiten anzunehmen. Jegliche Forderungen und Wünsche an den anderen sind als Ausdruck der eigenen Bedürftigkeit anzusehen. Verblendung ist eine Tatsache, die in beinahe jeder Beziehung auftritt. Es ist wohl weniger problematisch, dass Verblendung auftritt sondern die Erkenntnis darüber, dass dies so ist, fehlt.

Aus dieser Dynamik entsteht schnell die Qualität einer Zweck-Beziehung, die das Herz jedoch nicht berührt. Wer kann etwas für den anderen tun, wie kann ich in der Öffentlichkeit besser da stehen, welche Werte sollte der Partner oder die Partnerin nach außen repräsentieren? Beziehung stellt in der buddhistischen Lebensphilosophie die Entscheidung zu einem Gegenüber dar, wobei hier die Betonung vor allem auch in der Unterstützung der persönlichen Entwicklung und im Leben der gemeinsamen Werte gesehen wird. Somit soll Partnerschaft so ausgerichtet sein, dass Partner ihr Glück nicht jeweils im anderen suchen und finden, sondern diese Quelle in sich selber erkennen. Die Entscheidung zur dreifachen Zuflucht ist somit immer auch eine Entscheidung zur Selbstverantwortung und zur Erkenntnis, dass Glück nicht in sich verändernden Faktoren zu finden ist.

Gelebte Sexualität

Im Buddhismus wird keine voreheliche Keuschheit propagiert. Sexualität wird als Ausdruck der persönlichen Begegnung auf der körperlichen Ebene gesehen. Körperlichkeit ist im Buddhismus eine wichtige Komponente, die zum Leben des Menschen dazugehört. Hier wird jedoch vor allem zwischen buddhistischen Laien und Mönchen differenziert. Wie in jeglicher Religion gibt es auch für buddhistische Mönche den zölibatären Weg, da Sexualität von der persönlichen Befreiung abhält und zur Anhaftung an einem anderen Wesen verführt.

Bei buddhistischen Laien kann und darf Sexualität jedoch ein Weg zur Erleuchtung sein. Hier wird jedoch darauf verwiesen, dass der Weg der Mitte gewählt werden soll und dementsprechend kein reges Sexleben mit vielfältigen Partnern angestrebt werden soll, sondern vielmehr mit einem Partner, mit welchem eine Herzensverbindung besteht, diese Qualität zu leben. Durch die Verbindung von männlicher und weiblicher Energie kann des demzufolge zu einer Überwindung der Dualität kommen und somit Erleuchtung erlangt werden. Diesbezüglich sei vor allem auf tantrisch-sexuelle Erfahrungen verwiesen.

Die 4 unermesslichen Zustände in der Partnerschaft

Grundlage erfüllter Partnerschaft ist in der buddhistischen Betrachtung die Erlangung der 4 unermesslichen Zustände: Liebe (Metta), Mitgefühl (Karuna), Mitfreude (Mudita) und Gleichmut (Upekkha). Wie in jeglicher Form des Aufeinandertreffens können und sollen diese 4 Qualitäten entwickelt werden. In einer Beziehung sind diese jedoch Ausdruck einer höher entwickelten Liebe und Beziehungsform.

Es ist weniger schwierig, die 4 Unermesslichen im Anfangsstadium einer Beziehung zu zeigen, als diese über eine mehrjährige Beziehung zu entwickeln und beizubehalten. Die Verlockung ist sehr groß, den Partner oder die Partnerin bei Missfallen persönlicher Eigenschaften oder Handlungen zu bekämpfen. Dementsprechend ist das Loslassen von Erwartungen und Einfordern von Bedürfnisbefriedigung in Beziehungen als Grundlage problematischer Beziehungsentwicklung anzusehen. Gute Wünsche für den Partner in Form von Glück, Freiheit von Schwierigkeiten und Erfüllung sind somit Grundlage einer liebenden Beziehung.

Wer oder was wird geliebt?

Ausgangsbasis für eine erfüllte Beziehung ist die Liebe zum Partner beziehungsweise zur Partnerin. Hier stellt sich zunächst die Frage, was wird denn am anderen geliebt? Sobald dies vergängliche Werte wie Äußerlichkeiten darstellen, baut die Beziehung auf einer instabilen Basis auf. Persönliche Werte und Charakterzüge des Gegenübers sind jedenfalls fundiertere Grundlagen, die stabile Beziehung über einen längeren Zeitraum wahrscheinlicher machen.

Die tatsächliche Idee, Beziehung einzugehen besteht darin, dauerhaftes Glück zu finden. Wie kann jedoch eine Beziehung Glück bringen, wenn alles im Leben vergänglich ist? Auch hier ist die Antwort immer bei sich selbst zu suchen und zu finden. Glück kann über den eigenen Geisteszustand erreicht und verwirklicht werden. Der Partner beziehungsweise die Partnerin stellt nur eine äußere Instanz dar, die in sich selber auch Glück beherbergen kann. Im tibetischen Buddhismus wird dies so gesehen, dass der Partner oder die Partnerin für den Ausdruck der erleuchteten Eigenschaften steht, die selbst noch nicht entwickelt werden konnten.

Glück kann und soll nicht durch eine andere Person bedingt sein, da durch den Wegfall derselben durch Tod oder Trennung, Glück sofort wieder verloren gehen kann. Aus diesem Grund wird häufig Beziehung schon von Anbeginn an nicht eingegangen, da Angst vor Verlassenwerden besteht. Letzten Endes ist jedoch jegliche Beziehung irgendwann zu Ende, sei es durch Trennung oder Tod.

Quellen:

Rowek Didi: Partnerschaft und Sexualität. In: Buddhismus heute Nr. 30, 2000

Stenek, Sonja Eliane: Gelebte Beziehung – Verblendung in nahen Beziehungen

Stenek, Sonja Eliane: Metta – liebende Güte als Möglichkeit der Begegnung im Alltag

Mag. Sonja Eliane Stenek, Mag. Sonja Eliane Stenek

Sonja Eliane Stenek - Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Psychosomatik, depressive Erkrankungen, Angststörungen, Begleitung in Krisen insbesondere bei ...

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