Bezugspflege im Krankenhaus

Ein Pflegesystem findet seine Anwendung

Der Alltag im Krankenhaus besteht oft aus einem ständigen Wechsel des Personals. Wie kann trotz dieser Tatsache eine sichere Pflege gestaltet werden?

Das Pflegesystem der Bezugspflege wird bereits in vielen Pflegeeinrichtungen gelebt. Dabei handelt es sich um ein Pflegesystem, welches vor allem dadurch gekennzeichnet ist, dass eine Pflegeperson über die Dauer von mehreren Tagen für bestimmte Patienten zuständig ist. Diese Pflegeperson steht dem Patienten als erste Ansprechpartnerin zur Verfügung. Somit weiß der Patient jederzeit, an wen er sich bei Bedarf wenden kann.

Die Pflegegruppe

Eine Pflegegruppe besteht im Regelfall aus einer Bezugspflegeperson und ein oder zwei Sekundärpflegepersonen. Diese Gruppe ist, je nachdem wie die Abteilung strukturiert ist, für einige Zimmer und somit für mehrere Patienten zuständig.

Die Bezugspflege als Beziehungsprozess

Die Bezugspflegeperson ist nicht nur für die richtige und sinnvolle Durchführung der Pflege in ihrem Zuständigkeitsbereich verantwortlich, sie verfasst darüber hinaus die notwendige Pflegeplanung,legt Pflegeziele fest, überwacht deren Durchführung und evaluiert die Planung bei Bedarf, sodass diese jederzeit an die Bedürfnisse des Patienten angepasst ist. Dadurch, dass die Pflegeperson mehrere Tage durchgehend für die gleichen Patienten zuständig ist, lernt sie sowohl deren Krankengeschichte als auch die diversen Begleitumstände sehr gut kennen. Dies wirkt sich wiederum auf die Qualität der gesamten Behandlung aus. Der visitierende Arzt erhält wichtige Informationen und bleibt so auf dem letzten Stand der Dinge.

Aus Sicht der Bezugspflegeschwester oder des -pflegers besteht ein weiterer Vorteil vor allem darin, dass sie/er "ihre/seine" Patienten nach einigen Tagen sehr gut kennt und sich eine entsprechende Gesprächs- und Vertrauensbasis entwickelt.

Sympathie und Antipathie

Wir alle sind Menschen und daher ist es nur natürlich, dass uns nicht alle unsere Mitmenschen auf Anhieb sympatisch erscheinen. Besteht eine Antipathie zwischen einer Bezugspflegeperson und deren Patienten, so sollte auf professioneller Ebene zumindest versucht werden, einen gangbaren Weg des Umgangs für beide zu finden. Trotz aller Bemühungen kann es jedoch soweit kommen, dass die Pflegeperson keinen Zugang zum Patienten findet. In diesem Fall sollte nichts erzwungen werden, sondern ein anderes Teammitglied die Betreuung übernehmen.

Die Bezugspflegeperson dient weiters als Ansprechpartner und Kontaktperson für die Angehörigen des Patienten und für alle anderen involvierten medizinischen Personen. Sie ist daher als eine Kommunikations- und Organisationszentrale zu sehen.

Umsetzung der Pflege

Die Durchführung der Pflege obliegt auch anderen Pflegepersonen der Abteilung. Bei den mehrmals täglich stattfindenden Dienstübergaben bespricht die Bezugspflegeperson "ihre" Patienten mit dem restlichen Team, damit alle über die wichtigsten Dinge Bescheid wissen. Eine sogenannte "Sekundärpflegeperson" führt die besprochenen notwendigen Pflegemaßnahmen in Zusammenarbeit mit der Bezugspflegeschwester/-pfleger und nach deren Pflegeplanung durch.

Was bedeutet Bezugspflege nicht?

Die Bezugspflegeperson ist keinesfalls dafür verantwortlich, ihre Patienten ausschließlich selbst zu versorgen. Sie darf jederzeit Tätigkeiten an andere Teammitglieder delegieren. In Abwesenheit der Bezugspflegeperson übernimmt, nach entsprechender Informationsweitergabe, eine Vertretung deren Aufgaben.

Gerade aus Sicht des Patienten ist die Bezugspflege ein sehr sinnvolles Pflegesystem. Da die zuständige Pflegeperson seine Krankengeschichte sehr gut kennt, muss er nicht täglich von neuem alles erzählen und kann sich ausschließlich auf Neuigkeiten in seinem Krankheitsverlauf konzentrieren und nach vorne blicken. Die Bezugspflegeperson unterstützt ihn darüber hinaus nicht nur während seines Aufenthaltes im Krankenhaus, sie ist ebenfalls für die Organisation einer Versorgung des Patienten außerhalb des Krankenhauses zuständig. Somit ist der Patient auch nach dem stationären Aufenthalt nicht auf sich selbst gestellt.

Doris Rapolter - 1980 in Bad Ischl/Oberösterreich geboren und aufgewachsen. Im Alter von 17 Jahren begann ich meine Ausbildung zur diplomierten ...

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