BfR: Jagen Bockshornklee-Sprossen ganz Europa ins EHEC-Bockshorn?

Senf-Samen: EHEC-Kreuz-Kontamination ist möglich - Dr. Gerald Albach
Senf-Samen: EHEC-Kreuz-Kontamination ist möglich - Dr. Gerald Albach
Bockshornklee-Samen aus Ägypten stehen über deutschen Zwischenhändler mit EHEC O104:H4 in Deutschland (Bienenbüttel) und Frankreich (Bègles) in Verbindung.

Man soll sich ja bekanntlich nicht ins Bockshorn jagen lassen, folgerichtig jagen am 30. Juni 2011 gemeinsam das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die europäische Seuchenbehörde (ECDC) und die europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) ganz Deutschland und Europa in den Bockshornklee: Die ECDC bestätigte am 1. Juli 2011, dass der EHEC-Stamm O104:H4 der Patienten aus Deutschland (Bienenbüttel) und Frankreich (Bègles) nicht unterscheidbar sind. Das BfR folgert daraus in seiner vorläufigen Risikobewertung, "dass zur Sprossenherstellung verwendete Bockshornkleesamen mit großer Wahrscheinlichkeit Ursache des Ausbruchs waren." Bockshornklee (lateinisch Trigonella foenum-graecum) gehört wie unsere Kleearten zur Pflanzenfamilie der Schmetterlingsblütengewächse (Fabaceae) – seit 21. Juli 2011 geben BfR, BVL und RKI wieder grünes Licht für leckere Sprossen und Keimlinge aus eigener Anzucht.

Bockshornklee-Sprossen in Bienenbüttel und Bègles

Am 27. Juni 2011 meldete die ECDC erstmals acht neue EHEC-Fälle oder EHEC-Verdachtsfälle aus Frankreich in Bègles bei Bordeaux, bei mindestens drei EHEC-Fällen gelang mittlerweile der labordiagnostische Nachweis von EHEC O104:H4. Von den Patienten in Bègles nahmen elf an einer Veranstaltung teil, wobei neun Patienten während der Veranstaltung Sprossen gegessen hatten. Laut ECDC sind der französische und der deutsche EHEC-Ausbruchsstamm O104:H4 identisch. Nur Bockshornklee-Sprossen waren sowohl in der in Bègles verzehrten Sprossenmischung, als auch in den Biosprossenmischungen des niedersächsischen Gartenbaubetriebs aus Bienenbüttel enthalten. Zusätzlich erkrankten in einem niedersächsischen Haushalt Personen, nachdem sie selbst gekeimte Bockshornklee-Sprossen verzehrten.

Vertriebsweg der Bockshornklee-Samen in Frankreich weist nach Ägypten

In Frankreich und Deutschland konnten die Samenchargen des Bockshornklees zurückverfolgt werden, sowohl die Samenmischung des Gartenbaubetriebs aus Bienenbüttel als auch die französischen Sprossen aus eigener Anzucht stammen von ein und denselbem in Deutschland ansässigen Zwischenhändler. Nach Angaben der EFSA wurden diese Bockshornklee-Samen aus Ägypten bezogen – allerdings konnten bisher in keiner der ägyptischen Samenmischungen der EHEC-Ausbruchsstamm O104:H4 direkt nachgewiesen werden. Somit scheinen Bockshornklee-Samen aus Ägypten als Ursache für die Kontamination eingegrenzt zu sein. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass während des Abfüllens der Bockshornklee-Samen beim Zwischenhändler durch eine Kreuz-Kontamination weitere Samenarten verunreinigt sind.

Die Empfehlungen des BfR für Verbraucher/Innen

Schon am am 12. Juni 2011 erklärte BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel: "Wenn bereits die Samen mit Keimen belastet sind, dann schützt auch die Einhaltung von Küchenhygieneregeln nicht vor einer EHEC-Erkrankung." Deshalb empfiehlt das BfR gegen undankbare mit EHEC-Erregern kontaminierte Keimlinge und Sprösslinge, weiterhin auf die eigene Anzucht und den Verzehr von rohen Sprossen zu verzichten. Besonders Samenmischungen aus kleineren Samenpackungen können eventuell mit verseuchten Bockshornklee-Samen belastet sein. Weiterhin gelten die allgemeinen Regeln der guten Küchenhygiene – besonders im Umgang mit Keimlingen und Sprossen.

Weitere Informationen

Auf der Homepage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) finden Sie die Stellungnahmen: Nr. 022/2011 – "Samen von Bockshornklee mit hoher Wahrscheinlichkeit für EHEC O104:H4 Ausbruch verantwortlich" und Nr. 017/2011 – "Hohe Keimbelastung in Sprossen und küchenfertigen Salatmischungen".

Auf der Homepage des ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) finden Sie als pdf-Dokument: "Cluster of haemolytic uremic syndrome (HUS) in Bordeaux, France".

Dr. Gerald Albach, Dr. Gerald Albach

Dr. Gerald Albach - Schreiben macht Spaß: mit Licht und mit Worten! Damit ich weiß, worüber ich schreibe, habe ich als Diplom-Biologe in der ...

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