Die ungekrönte Skikönigin der Biathlon-Festspiele von Ruhpolding heißt Tora Berger. Im letzten Rennen der 53. Biathlon-Weltmeisterschaft von Ruhpolding erkämpfte sich die 30-jährige Norwegerin nach Gold in der Mixed-Staffel und Einzellauf nun im Massenstartrennen die dritte Goldmedaille. In einer spannenden Auseinandersetzung konnte sich Berger bei ebenfalls einer Strafrunde mit einem Vorsprung von 8,1 Sekunden gegenüber Marie Laure Brunet durchsetzen. Hinter der Silbermedaillengewinnerin aus Frankreich erkämpfte sich die bislang enttäuschende Finnin Kaisa Mäkäräinen um weitere 4,6 Sekunden zurück die Bronzemedaille. Wie die Herren, blieben auch die Frauen im letzten WM-Rennen ohne Medaille. Ausgezeichnete Vierte wurde die Altenbergerin Tina Bachmann. Die vierfache Medaillengewinnerin von Ruhpolding, Magdalena Neuner landete nach insgesamt sechs Fehlern auf dem zehnten Platz.

Lena Neuner geht beim letzten WM-Rennen leer aus

16 Jahre Leistungssport, eine einzigartige Karriere hat ihren Abschluss gefunden, zumindest was dies das Kapitel „Weltmeisterschaft“ angeht. Knapp 24 Stunden nach dem Gewinn von Staffel-Gold verabschiedete sich „Gold-Lena“ beim Massenstartrennen über 12,5 Kilometer von Ruhpolding von den Fans. Mit großen Transparenten huldigten die Anhänger der „Leni“ ihrem großen Hoffnungsträger. Nach dem Rennen rollte der Sponsor von Neuner im Auslauf der Zirnbergschanze ein überdimensionales Banner mit der Aufschrift „DANKE MAGDALENA“ aus.

Neuner beginnt mit einem Fehler. Die 25-jährige Wallgauerin lies gleich die erste Scheibe stehen, musste wie Darya Domracheva in die 150 Meter lange Strafrunde. Tora Berger blieb fehlerfrei, ebenso wie Tina Bachmann und Andrea Henkel, die in einer über ein Dutzend starken Spitzengruppe nach dem ersten Schießen das Rennen anführte.

Massensturz in Runde mit Tina Bachmann

Dann in der Abfahrt zum Schießstand der große Massensturz, verwickelt dabei drei Französinnen und in der Folge auch Tina Bachmann. Das zweite Liegendschießen: Neuner leistete sich in ihrer eigentlichen Spezialdisziplin wieder eine Fahrkarte, während Berger und Domracheva fehlerfrei blieben und die Führung übernahmen. Im Dauerregen von Ruhpolding gingen die weltbesten Biathletinnen im finalen WM-Rennen ein höllisch hohes Tempo.

Ständige Führungswechsel an der Spitze zwischen Berger und Mäkäräinen

Beim ersten Stehendschießen dann nochmals eine Neuordnung der dreißig Frauen im Massenstartrennen. Tora Berger patzte zweimal, Verfolgungsweltmeisterin Domracheva lies zwei Scheiben stehen. Kaisa Mäkäräinen und Marie Laurent Brunet enteilten der Konkurrenz fehlerfrei. Bei der letzten Fünferserie patzten die beiden Führenden. Tora Berger blieb fehlerfrei. Dann das packende Duell auf der Strecke um Gold, Silber und Bronze. Mäkäräinen, Berger und Brunet schenkten sich keinen Meter. Neuner, bis dahin mit drei Strafrunden und etwa 450 Metern zusätzlich belastet, kämpfte sich wieder heran.

Gold an Berger und Blech für Bachmann

Die letzte Fünferserie musste also die Entscheidung bringen. Berger blieb fehlerfrei und das Kraftpaket aus Norwegen zeigte der Konkurrenz wie tags zuvor in der Staffel die Absätze. Eine Woche vor ihrem 31. Geburtstag sprang die bis dahin zweifache Goldmedaillengewinnerin förmlich den giftigen Anstieg zum Schießstandberg hinauf. Brunet und Mäkäräinen gaben sich geschlagen, sicherten ihre Medailleränge ab. In ihren besten WM-Rennen in Ruhpolding wurde Bachmann starke Vierte: „Leider hatte ich den Sturz in der Abfahrt. Es war trotzdem heute ein super Rennen“, freute sich die 25-jährige Bundespolizistin. Hinter Magdalena Neuner (10.) kam Andrea Henkel mit drei Schießfehlern auf Rang 12 ins Ziel.

Deutschland im Medaillenspiegel hinter Norwegen und Frankreich auf Rang drei

Im Medallienspiegel liegt Norwegen mit 4 x Gold und insgesamt sechsmal Edelmetall in Front. Für Frankreich hat Martin Fourcade 3 x Gold gewonnen. Mit insgesamt acht Medaillen stellten die Franzosen aber die erfolgreichste Nation überhaupt. Magdalena Neuner im Sprint und die DSV-Frauenstaffel bescherten dem Deutschen Skiverband (DSV) zweimal Gold, insgesamt gab es fünf Medaillen für den DSV. Nicht weniger als zehn Nationen haben bei der 53. Biathlon Weltmeisterschaft in Ruhpolding eine Medaille gewonnen.

Beim Weltcup-Finale in Khanty Mansijk will Neuner Gesamt-Weltcup holen

Bereits am nächsten Wochenende wird auch die Weltcup-Saison der Biathleten abgeschlossen. Beim Weltcup-Finale Khanty Mansijsk muss die „Gold-Leni“ nochmals alles geben. Zwar führt die 25-jährige Rekord-Weltmeisterin weiterhin mit 1092 Punkten die Weltcup-Gesamtwertung an. Aber 1061 Zählern sitzt ihr die große Konkurrentin Darya Domracheva dicht im Nacken.