Erneut 26.000 Zuschauer waren am Mittwoch (7. März 2012) in die sonnendurchflutete Chiemgau-Arena gepilgert. Schon früh wurde Platz bezogen, auf der Tribüne oder auch entlang Strecke. Man wollte natürlich dabei sein, alles hautnah miterleben, wenn die „Lena“ zu ihrem letzten WM-Einzelrennen antritt und bei der Biathlon-Weltmeisterschaft von Ruhpolding nach der vierten WM-Medaille greift.

Neuner verfehlt gleich beim ersten Schießen zwei Scheiben

Mit einer Welle der Begeisterung wurde die 25-jährige Wallgauerin ins Rennen geschickt, die Dezibelstärke auch beim ersten Einlauf, vorbei an der Galerie zum ersten Schießen nur unwesentlich geringer. Doch dann am Schießstand sollte es diesmal nicht der Tag des Publikumslieblings werden. Gleich bei der ersten Serie ließ Neuner zwei Scheiben stehen, „da war irgendwie schon nach dem ersten Schießen die Luft raus“, meinte die Ausnahme-Biathletin nach dem Wettkampf. Fehlerlos blieb die Rekord-Weltmeisterin bei der zweiten Serie, ließ dann aber erneut eine Scheibe stehen. Die nochmals drei Fehler in der vierten Serie waren relativ unbedeutend, nur für das Klassement relevant. Die avisierte vierte Medaille futsch und auch der Traum von sechsmal Edelmetall bei der Heim-WM. Und klar auch: Eine Einzel-Weltmeisterin im Biathlon wird es nicht geben. „Ein vierter Platz wäre blöder gewesen, dann schon lieber gar nichts“, befand die doch leicht angesäuerte Neuner.

Neuner und Domracheva im Gleichklang mit sechs Fahrkarten

Da war es ein schwacher Trost, dass Darya Domracheva mit gleichfalls sechs „Fahrkarten“ im Einzel ebenfalls leer ausging. Für die beiden bislang dominierenden Skijägerinnen reichte es nur für die Ränge 23 und 25. „Das war ein Satz mit „x“, ein vierter Platz wäre aber blöder gewesen. Während dem Rennen habe ich gesehen, dass Darya zeitgleich mit mir war, wenigstens konnte ich mich vor ihr platzieren“.

Tora Berger jubelt über erstes WM-Gold - Silber und Bronze an Marie Laure Brunet und Ekholm

Jubeln durfte dafür endlich Tora Berger. Nach dem undankbaren vierten Platz im „Verfolger“ konnte die 30-jährige Norwegerin endlich ihren ersten WM-Titel im Einzel feiern. „Ich hab mich richtig gut gefühlt, nur einmal daneben geschossen“, machte sich Berger elf Tage vor ihrem 31. Geburtstag selbst ein vorgezogenes Geschenk, strahlte mit den norwegischen Fans und der Frühlingssonne in den Chiemgauer Alpen um die Wette. Jeweils ebenfalls mit einer Strafminute behaftet, erkämpften sich die Französin Marie Laure Brunet (56,4 Sekunden zurück) und die Schwedin Helena Ekholm (1.11,1) Silber und Bronze.

Andrea Henkel auf Rang zwanzig beste DSV-Biathletin

Beste DSV-Starterin war Andrea Henkel. Die 34-jährige Doppel-Olympiasiegerin von Salt Lake City verspielte beim ersten Schießen alle Medaillenchancen („gleich zwei Fehler sind natürlich kein optimaler Start, es wäre heute so einfach gewesen, man musste nur treffen“) und kam über Rang 20 nicht hinaus.

Gössner und Bachmann enttäuschen auf den Rängen 36 und 38

Lange Gesichter bei den Verantwortlichen des DSV, Generalsekretär Thomas Pfüller und DSV-Präsident Alfons Hörmann. Denn erstmals blieben die erfolgsgewohnten DSV-Frauen bei der 53. IBU Biathlon-Weltmeisterschaft ohne Edelmetall. Zu schwach auch die Schießleistungen der beiden anderen DSV-Starterinnen. Miriam Gössner (Garmisch-Partenkirchen) und Tina Bachmann (Altenberg) kamen mit 5 und 7 Strafminuten im Feld der 112 gewerteten Teilnehmerinnen nicht über die Ränge 36 und 48 hinaus.

Die Biathlon-Weltmeisterschaft wird am Freitag (9. März 2012) mit der Staffel der Männer über 4 x 7,5 Kilometer fortgesetzt. Beginn in der "ChiemgauArena" ist um 15.15 Uhr. Dabei wollen Andreas Birnbacher, Arnd Peiffer, Michael Greis und Simon Schempp endlich die erste WM-Medaille für das Herren-Team holen.

Das Wettkampfprogramm und die Startzeiten gibt es hier. ARD und Europsport berichten live von den Titelkämpfen in Ruhpolding. Aktuelle Ergebnisse und Geschichten rund um die Biathlon-WM gibt es auch bei suite101.