Bidet oder nicht Bidet – das ist hier die Frage

Sind die Deutschen unsauber oder die Italiener faul?

Bidet in Italien - Alexandra Barone
Bidet in Italien - Alexandra Barone
Was in Italien selbstverständlich ist, findet in deutschen Bädern nicht immer seinen Platz. Grund für den Mangel von Bidets ist angeblich der Platzmangel.

Nach einer Untersuchung der GfK Nürnberg ist das durchschnittliche Badezimmer 7,7 qm groß (Stand 2002). Allerdings sind mehr als zehn Millionen Bäder (31%) kleiner als sechs qm - zu klein für ein Bidet? In Italien kann das Bad noch so klein sein, die Italiener verzichten eher auf die Badewanne, als auf das Bidet: „Die Italiener haben meiner Meinung nach einen Bidetwahn“, erklärt Jessica Lavista. Die 29-jährige nimmt sich von dieser Manie nicht aus. „Als ich bei meinen Verwandten in Amerika war, habe ich im Badezimmer verzweifelt ein Bidet gesucht. Ich habe sogar in der Toilette nach einer kleinen eingebauten Dusche geschaut.“ Die Deutschen nehmen das Fehlen eines Bidets im Bad eher locker. Die ersten Touristen, die in den 60er Jahren mit ihren VW-Käfern die Adria-Küste bereisten, haben wahrscheinlich nicht schlecht gestaunt als sie Bidets in ihren Hotelzimmern aufgefunden haben.

Bidet besser als feuchtes Toilettenpapier

Und doch sind sie enorm praktisch und sind weit aus empfehlenswerter als feuchtes Toilettenpapier. Dem Verbrauchermagazin Ökotest gegenüber erklärt Dr. Bernhard Lenhar: "Die Benutzung von feuchtem Toilettenpapier ist unter medizinischen Gesichtspunkten schlichtweg falsch." Der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie, die sich mit Enddarmerkrankungen befasst, fügt hinzu: "Lauwarmes, seifenfreies Wasser ist die ideale Form der Analreinigung." Dafür wären die klassischen Bidets die praktischste Vorrichtung. Doch in Deutschland sind sie bislang alles andere als beliebt. "Das Bidet galt lange als etwas, das nur in einem Bordell Platz hat", sagt Franz Lischka vom Sanitärmuseum im österreichischen Gmunden gegenüber Ökotest. Und in der Tat berichtete der Balladenschreiber François Villon von den "Wännchen, die man braucht im Dirnensaale".

Verkauf in Italien: im Jahr 4.000 Bidets, Export nach Deutschland: 300

Doch die Geschichte des Bidets ist älter. Schon die alten Römer kannten diese Form der Intimpflege. Während man in Deutschland eher lieber den ganzen Körper duscht, ist in Frankreich und Italien auch die kleine Wäsche nach dem Gang zur Toilette üblich. Laut einer Umfrage des italienischen Instituts Astra besitzen über 91 % der befragten Italiener 2002 ein Bidet, das sind vergleichsweise 42 Millionen Menschen. „Von unserer jährlichen Produktion von über 5.500 Bidets verkaufen wir in Italien über 4.000“, erklärt Gian Paolo Donnini. Er leitet den Export für Catalano, einen der größten italienischen Sanitärobjekt-Hersteller. „Die restlichen 1.500 Bidets exportieren wir, davon wandern nur 300 Stück nach Deutschland.“

Aber warum sind die Italiener so Bidet-fixiert?

Für den Hotelfachmann Luca Patalano gibt es eine einfache Erklärung: „Bei uns in Südeuropa war die Heizung im Haus nicht immer selbstverständlich und die Menschen hatten keine Lust, sich jeden Tag komplett auszuziehen und zu duschen.“ Als er für ein paar Jahre in Österreich gelebt hat, ist ihm aufgefallen, dass die Häuser immer schön warm gewesen wären. „Da duscht man sogar gerne im Winter.“ Um aber die tägliche Hygiene auch im weniger heizungsfreundlichen Italien garantieren zu können, gäbe es Bidets. Heutzutage habe sich einiges geändert. „Unsere deutschen Gäste verwundern die Bidets nicht mehr, auch wenn sie vielleicht im Sommer etwas überflüssig sein können.“ Nicht unbedingt, sie werden nämlich gerne als Waschzuber oder Zeitungsständer benutzt – auch in Italien.

Alexandra Barone, Alexandra Barone

Alexandra Barone - Alexandra Barone arbeitet seit 1996 als Journalistin. Nach einem Volontariat im Pressebüro der Aktion Mensch, war sie vier Jahre lang ...

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