Biennale in Venedig 2011: Goldener Löwe für Deutschen Pavillon

Via Intolleranza II, Uraufführung in Brüssel 2010 - Aino Laberenz
Via Intolleranza II, Uraufführung in Brüssel 2010 - Aino Laberenz
Deutschland setzte 2011 für die Kunstbiennale von Venedig auf Christoph Schlingensief. Und konnte dafür jetzt den Goldenen Löwen entgegen nehmen.

Am Samstag, den 4. Juni 2011, wurde in Venedig die 54. Internationale Kunstausstellung "La Biennale di Venezia" für das Publikum geöffnet. Mit der Eröffnung fand zugleich auch die Verleihung der Goldenen Löwen in verschiedenen Kategorien statt. In diesem Jahr ging der Preis für die beste nationale Präsentation an Deutschland. Noch bis zum 27. November 2011 sind im deutschen Pavillon auf dem Biennale-Gelände posthum beispielhafte Arbeiten von Christoph Schlingensief zu sehen.

Ob der frühe Tod des umstrittenen Künstlers ein Anstoß zur Preisverleihung war, darüber kann nur spekuliert werden. Die Jury, in der unter dem Vorsitz des Ägypters Hassan Khan auch Carol Yinghua Lu (China), Letizia Ragaglia (Italien), Christine Macel (Frankreich) und John Waters (USA) vertreten waren, hat jedoch sicher keine schlechte Wahl getroffen. Und Schlingensief selber hatte in den letzten Jahren seinen Lungenkrebs immer wieder thematisiert.

Für die Kuratorin Susanne Gaensheimer, deren Entscheidung für Schlingensief zunächst heftigen Protest provozierte und deren Umsetzung bis zuletzt umstritten war, ist dies ein großer Erfolg. Die Direktorin des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main und Kommissarin der diesjährigen Biennale hatte Schlingensief bereits im Frühjahr 2010 eingeladen, Deutschland in Venedig 2011 zu vertreten. Damals heftig umstritten war es aus heutiger Sicht genau die richtige Entscheidung. Ebenso zahlt sich nun aus, dass Gaensheimer nach Schlingensiefs Tod im August 2010 an dem Künstler fest hielt und zusammen mit Schlingensiefs Witwe Laberenz die Schau als Gedächtnisausstellung für den Provokateur gestaltet hat.

Besuchen Sie Venedig, aber nehmen Sie sich Zeit

Der "Goldene Löwe" für den deutschen Pavillon dürfte noch mehr deutsche Besucher als sonst nach Venedig auf die Biennale locken. Diese sollten sich allerdings mindestens drei bis vier Tage Zeit nehmen, um möglichst alle Ausstellungen zu sehen. Denn nicht nur auf dem zentralen Ausstellungsgelände im Viertel Castello präsentieren sich die Nationen der Welt mit ihren Künstlern. Viele Länderpavillons sind über die ganze Stadt verteilt und frei zugänglich. Hinzu kommt eine zentral kuratierte Großaustellung unter dem Motto ILLUMInazioni im Arsenal, wo ebenfalls viele Einzelpräsentationen von Nationen zu finden sind.

Weiter warten zahlreiche begleitende Veranstaltungen und offizielle wie inoffizielle Nebenausstellungen in ganz Venedig bis zum Herbst auf ihre Besucher. Oftmals sind diese in sonst nicht zugänglichen historischen Räumen der Lagunenstadt untergebracht. Eine gute Gelegenheit auch für vielleicht weniger an moderner Kunst als an Venedig Interessierte, hinter die Kulissen der Serenissima zu blicken und die Atmosphäre historischer Palazzi zu atmen oder den morbiden Charme halb verfallener, aber historisch wertvoller Zweckbauten zu bewundern.

Gewusst wo: Preiswerte Unterkunft in Venedig

Die Biennale von Venedig kann noch bis 27. November 2011 besichtigt werden. Empfehlenswert ist ein Besuch der Ausstellungen in der zweiten Hälfte des Monats September, da dort erfahrungsgemäß speziell auf der Badeinsel Lido noch bezahlbare Hotels und Pensionen in der Nähe des Biennale-Geländes zu bekommen sind. Zudem ist das Klima in Venedig dann angenehmer als in den Sommermonaten und die Touristenmassen halten sich in Grenzen. Ein Bad in der Adria ist jedoch an warmen Tagen noch möglich.

Wer allerdings ganz knapp bei Kasse ist, der sollte lieber die heißen Sommermonate Juli und August wählen. Für diese Monate sind nämlich in der Jugendherberge der Stadt, dem "Ostello" auf der Insel Giudecca, noch Plätze in Mehrbettzimmern mit 16 Betten frei. Kostenpunkt gut 20 Euro pro Nacht. Der enge Kontakt zu allen Nationen dieser Welt ist gratis mit dabei und garantiert.

Nur wenig teurer, aber weit komfortabler und privater sind die Studentenwohnheime, die in der vorlesungsfreien Zeit ihre Plätze auch tageweise vermieten. Es stehen Ein-, Zwei- und Dreibettzimmer zur Verfügung, oft mit eigener Dusche und WC, die deutlich günstiger sind als vergleichbare Betten in den Hotels und Pensionen Venedigs. Auf Hotel-typische Nebenleistungen wie Frühstück oder Rezeption muss der Gast dann allerdings verzichten.

Buchbar sind die Jugendherberge Ostello wie auch die von ESU Venezia (Azienda Regionale per il Diritto allo Studio Universitario) betriebenen Studentenwohnheime über das Internet. Dabei gilt: Nur wer langfristig plant, hat auch die größte Auswahl an Plätzen.

Quellen:

Webseite des deutschen Pavillons

Webseite der Biennale

Thilo Ruf, Thilo Ruf

Thilo Ruf - Nach vielen Jahren ausschließlich in der Unternehmenskommunikation schätze ich nun als "Freier" die Freiheit, z. B. bei der ...

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