
- Hopfen und Malz: Braukunst am Untermain - Ruth Weitz
Wer am bayerischen Untermain den guten Wein lobt, der darf auch nicht vergessen das süffige Bier zu erwähnen, das aus den Zapfhähnen örtlicher Gastronomen fließt. Denn auch das Brauhandwerk hat hier eine lange Tradition. Der Miltenberger Brauereibesitzer Gottfried Faust hat kurz vor seinem Tod ein Buch mit dem Titel „Hopfen und Malz – Gott erhalt’s“ herausgegeben, das die Geschichte der Brauereien am bayerischen Untermain beleuchtet.
Festbier zur Miltenberger Michalismesse
Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es rund 130 Brauereien am bayerischen Untermain, heute sind es gerade noch 21. Eine davon ist die Brauerei Faust im Miltenberger Schwarzviertel. Sie liefert auch das Festbier zur Miltenberger Michaelismesse.
Bier und das bayerische Reinheitsgebot von 1516
Das bayerische Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 die Grundlage des Brauverfahrens. Das geschrotete Malz wird im Sudhaus mit Wasser vermischt und erhitzt. Dabei wird ein Teil des Malzes gelöst. Die unlöslichen Substanzen (Treber) werden isoliert. Die gelösten Malzbestandteile (Würze) werden mit Hopfen aufgekocht und nach dem Abkühlen mit Hefe versetzt. Danach reift die Flüssigkeit mehrere Wochen lang in offenen Gärbottichen bis es filtriert und in Fässer und Flaschen abgefüllt wird
Hopfen und Malz, Gott erhalt‘s - so wird Bier gebraut
Um aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe ein schmackhaftes Gebräu herzustellen, bedarf es mehr als nur des Zusammenfügens einer Rezeptur. Vom Gärungsprozess wussten unsere Urahnen noch wenig. Wenn das Ergebnis genießbar oder sogar schmackhaft war, dann war das eher dem Zufall zu verdanken. Heute macht es die moderne Technik möglich, die Produktionsablaufpläne präzise zu steuern. Das setzt aber dennoch voraus, dass der Brauer ein Meister seines Faches ist – eben ein Braumeister. Die Brauerei Faust in Miltenberg bietet dazu Führungen an, wo die Besucher sich über das Brauen im Allgemeinen und die Geheimnisse der Biersorten im Besonderen informieren können.
Bierfässer wurden früher im kühlen Felsen eingelagert
Nicht ohne Hintergedanken wurde das Brauereigebäude in den Berg hinein gebaut. Im Felsen ist es auch bei heißen Außentemperaturen noch recht kühl und er ist ein idealer Lagerplatz für das gebraute Bier. Heute wird der Bierkeller nur noch als Museumskeller genutzt, wo die Besucher sehen können wie früher die Fässer gelagert wurden. Auch eine alte Abfüllanlage mit Bügelflaschen und antiquarische Bierkisten sind im Biermuseum der Brauerei Faust zu bewundern. Dabei ist es gerade mal fünf Jahrzehnte her, dass das Flaschenbier Verbreitung fand. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts musste das kühle Nass mit einem Krug aus dem Gasthaus geholt werden – oder der Schöppler ließ sich selbst dort nieder, um einen Dämmertrunk einzunehmen.
Der Biersommelier weiß, welche Sorte zu welchem Essen passt
Heute trübt sich der Blick nicht vom zu üppigen Genuss des Bieres, sondern vom Anblick der vielen verschiedenen Sorten, die es zu kaufen gibt. Ob Radler, Schwarzbier, Hefe hell oder dunkel, naturtrübes Bier, alkoholfreies Bier oder alkoholreduziert - es gibt fast nichts mehr, das es nicht gibt. Sogar ein Biersommelier-Diplom kann mittlerweile erworben werden. Cornelius Faust und Hubertus Grimm von der Faust-Brauerei haben es nach zweiwöchiger Ausbildung verliehen bekommen und wissen nun alles über das Bier und welche Sorte zu welchem Essen am besten passt.
Linktipp:
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Michaelismesse in Miltenberg - ältestes Volksfest am Untermain
Brauereiführungen und Informationen übers Bierbrauen gibt es beim Brauhaus Faust, Hauptstr. 219, 63897 Miltenberg, Telefon 09371/97130.
