
- Prater - der älteste Biergarten Berlins - Helmi Schäfer
Die Geschichte der Biergärten beginnt bereits im 19. Jahrhundert in München. Damals wurde vorwiegend untergäriges Bier getrunken, das nur in kalten Monaten hergestellt und im Sommer in tiefen Kellern gelagert werden konnte. Um die Durchschnittstemperatur dieser Keller in der heißen Jahreszeit weiter zu senken, wurden darüber häufig Schatten spendende Kastanienbäume gepflanzt. Darunter stellte man Tische und Bänke auf, um den erfrischenden Gerstensaft im sogenannten "Kellerbiergarten" gleich genießen zu können. Heute bezeichnet der Begriff "Biergarten" den besonderen Typ einer Gartenwirtschaft. In Berlin wird er allerdings oft auch generell synonym für eine gastronomische Einrichtung im Freien verwendet. So mancher Wirt nennt hier schon drei oder vier Tische und Bänke vor seinem Lokal so.
Das Anstehen gehört in den Berliner Biergärten dazu
Ganz gegen seine Gewohnheit steht der Berliner völlig ohne Klagen und geduldig wie sonst nur vor angesagten Szeneclubs in einer Schlange. Man wartet schließlich auf ein erfrischendes Gebräu, frisch vom Fass gezapft oder ein auf dem offenen Grill gebratenes Steak. Die Biergarten-Kultur hat inzwischen nicht nur in Bayern, sondern längst auch in der deutschen Hauptstadt Tradition. Hat man das Anstehen geschafft, steht die nächste Hürde vor dem großen Genuss bevor: einen freien Platz an einem der meist voll besetzten Biertische zu finden. Die unzähligen Berliner Biergärten sind bereits im Frühjahr bis spät in den Herbst hinein täglich geöffnet. Im Folgenden kann nur eine kleine, subjektive Auswahl aus dem breiten Angebot der Gartenlokale dargestellt werden.
Prater - der Szenetreff auf der "Castingallee"
Die Szene aus dem Künstlerbezirk "Prenzlauer Berg" trifft sich im ältesten Biergarten der Stadt. Trotz 600 Plätzen sind hier die Stühle an einem lauen Sommerabend meist Mangelware. Im Schatten der alten Bäume gibt's Snacks vom Laugenbrezel bis zum Rollmops, außerdem natürlich allerlei Fleisch vom Grill. Wer es etwas opulenter mag, für den bietet ein angegliedertes Restaurant auch Speisen der gutbürgerlichen Küche à la carte an. Adresse: Kastanienallee 7-9, U-Bahn 2 (Senefelder Platz).
Das Café am Neuen See - ein Laufsteg
Hier treffen sich eher Kreative aus der Werbebranche, prominente Schauspieler aber auch Schlipsträger aus der Wirtschaft. Mitten im Tiergarten am Neuen See lässt es sich auch bei knallender Sonne unter den großen Bäumen gut aushalten. Auch in diesem Lokal herrscht Selbstbedienung an den beiden Theken für Essen und Bier. Eine Pizzeria lädt darüber hinaus zu italienischen Köstlichkeiten ein. Wer danach die zusätzlichen Pfunde wieder abtrainieren möchte, kann sich in diesem Biergarten ein Tret- oder Ruderboot mieten und gemütlich zu Wasser durch den größten Park der Hauptstadt schippern. Adresse: Lichtensteinallee 2, S-Bahn (Bahnhof Tiergarten).
Loretta am Wannsee ist ein gutes Ausflugsziel mit Kindern
Etwas weiter außerhalb des Zentrums kann man sich eine frische Brise des größten Berliner Binnensees um die Nase wehen lassen. Platz ist für 1400 Gäste, besonders für Kinder werden hier zusätzlich zur üblichen Verkostung ein Spielplatz, eine Minigolf- und eine Tischtennisanlage angeboten. Neben drei Biersorten vom Fass gibt es auch eine Tasse Kaffe sowie Eis und Kuchen. Der Wannsee lädt nicht nur Familien zu einem idyllischen Spaziergang ein. Adresse: Kronprinzessinnenweg 260, S-Bahn 1 (Bahnhof Wannsee).
Zenner-Biergarten mit Live-Musik
Mit 1500 Sitzplätzen ist der Zenner einer der größten Biergärten und liegt im Ostteil der Stadt, direkt am Spreeufer. Das Lokal öffnet bereits seit über 100 Jahren seine Pforten. Eine bunte Mischung aus Einheimischen und Touristen verbringt hier gerade bei Live-Musik am Wochenende gern einen geselligen Abend. Angegliedert sind ein Restaurant mit feiner Küche und die Filiale einer Fastfoodkette. Adresse: Alt-Treptow 14, S-Bahn Stadtring (Bahnhof Treptower Park).
Strandbars: Urlaubsgefühle mitten in der Hauptstadt
Dieses neue gastronomische Konzept setzt sich immer weiter durch. An den Ufern von Spree und Havel entstehen nach der Aufschüttung von Ostsee-Sand kleine Oasen mit erfrischenden Getränken, kleinen Snacks und meistens auch mit Musik. Zwischen East-Side-Gallery, Museumsinsel und Reichstag verbringen nicht nur Szene-Berliner gern einen lauen Sommerabend. Die bekanntesten Locations sind der Bundespressestrand (Kapelle-Ufer 1 in Mitte), das Badeschiff an der Arena (Eichenstraße 4 in Treptow) und der Oststrand (Mühlenstraße 24-26 in Friedrichshain).
Weitere Informationen
Biergärten und Strandbars sind im Sommer bei größeren Sportveranstaltungen natürlich auch oft ein beliebter Ort für das inzwischen in Berlin etablierte "Public Viewing". Natürlich gibt es noch viele andere bekannte Locations in der Hauptstadt. Beispielsweise im "Pfefferberg" (Nähe Rosa-Luxemburg-Platz), das "Schönbrunn" ( Volkspark Friedrichshain) oder den "Schleusenkrug" (Nähe Bahnhof Zoo). Eine kleine Auswahl aus der Vielzahl bietet die Liste der Touristeninformation. Zahlreiche Strandbars in der Hauptstadt findet man ebenfalls im Internet.
