"Biete Rostlaube, suche Traumauto" – Neue Folgen auf VOX, Kritik

Panagiota Petridou: Biete Rostlaube, suche Traumauto - VOX / Bernd-Michael Maurer
Panagiota Petridou: Biete Rostlaube, suche Traumauto - VOX / Bernd-Michael Maurer
Am 08.01.2012 startete VOX die Ausstrahlung neuer Episoden mit Autoverkäuferin Panagiota Petridou. Doch ist die Solingerin wirklich so ein As in ihrem Fach?

Wenn das alte Auto nicht mehr durch den TÜV kommt und kein Geld für die nötigen Reparaturen oder ein neues Fahrzeug da ist, dann tritt die in Solingen geborene Autoverkäuferin Panagiota Petridou in Aktion: Im Rahmen der achtteiligen Fernsehserie "Biete Rostlaube, suche Traumauto" verhilft sie Besitzern von schrottreifen Autos zu ihrem Wunschfahrzeug. Allerdings nur dann, wenn alles gut geht und der Altwagen noch gut genug dafür ist, ein paar Euro zu erzielen. Am 08. Januar 2012 startete der Kölner Privatsender VOX neue Folgen der Serie mit einem besonders schweren Fall: Der VW Polo von Magdalena Engel war dermaßen schrottreif, dass selbst Panagiota Petridou fast daran gescheitert wäre. Doch die sehr sympathisch auftretende Autoverkäuferin verschaffte ihrer Klientin doch noch einen VW Lupo. Allerdings auf eine Art und Weise, die leichte Zweifel an der vom Sender verbreiteten Aura der Mini-Verkäuferin aufwarf und die Glaubwürdigkeit des Formats an sich in Frage stellte.

"Biete Rostlaube, suche Traumauto": Die Folge vom 08. Januar

Magdalena Engel aus Flensburg muss täglich zur Arbeit nach Dänemark fahren und nutzt dazu ihren VW Polo Baujahr 1996, der sich nach dreimaligem Verbleib in salzhaltigem Hochwasser schon rein optisch in schlechtem Zustand befand. Überall Oberflächenrost, ein teils weggerostetes Abschlussblech, ebenso in Mitleidenschaft gezogene Kotflügel und nahezu nicht mehr funktionsfähige Bremsen. Magdalena auf VOX: „Ich hatte schon zwei Mal die Situation, dass ich die Kurve nicht gekriegt habe. Ich habe gebremst, und nichts ist passiert". Das Auto der 25-Jährigen wurde von ihr liebevoll Hans-Joachim genannt, hatte 256.619 Kilometer auf dem Tacho und einen Kofferraum, der sich nicht mehr öffnen ließ.

Eine schlecht funktionierende Kupplung und eine verzogene Spur waren nur die offensichtlichsten Mängel. Der Polo war in einem früheren Leben beim Roten Kreuz im Dauereinsatz. Auch Magdalena hat den Wagen ihren Angaben nach nicht mit Samthandschuhen angefasst: „Ich habe ihn viel gequält - und ich glaube, dass er's mir langsam heimzahlen will, was ich ihm alles angetan habe." Panagiota fuhr also vor, um der verzweifelten Kindergarten-Mitarbeiterin zu helfen, Hans-Joachim gegen ein verlässliches Auto einzutauschen. Denn schon der Freund schwitzte Blut und Wasser, sobald Magdalena losfuhr. Ohne zu wissen, dass das Bodenblech des Polo schon vollkommen durchgerostet und die Karosseriestruktur damit vollkommen geschwächt war.

Das Konzept zur Sendung

Das Konzept der Sendung sieht vor, dass Panagiota Petridou eine Rostlaube abholt, diese in Geld umzusetzen versuchen und sich damit das Kapital für das nächste Auto erarbeiten muss. Im Rahmen einer Episode kauft und verkauft sie zwei weitere Autos und macht im günstigsten Fall soviel Profit, dass sie das Geld für einen neuen Wagen für die Klienten der Folge erwirtschaftet. In Folge eins also einen neuen alten Wagen für Magdalena, die die Worte Autopflege und Wartung noch nie gehört zu haben schien. Panagiota Petridou schaffte das unmöglich Scheinende und erwarb vom Erlös aus dem Polo-Verkauf einen Corsa, einen Hyundai Lantra sowie am Ende einen Volkswagen Lupo. Magdalena war glücklich und versprach, dass der Lupo es besser haben würde.

Wer ist Panagiota Petridou?

Panagiota Petridou – genannt Jota – wurde am 13. Juli 1979 im nordrhein-westfälischen Solingen geboren. Ihre Eltern kommen ursprünglich aus Griechenland. Die heute 32-Jährige wollte nach ihrem Abitur Theaterwissenschaften studieren, entschied sich aber für eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandels-Kauffrau. Sie war seitdem in vielen Bereichen des Verkaufs tätig, in denen sie Computer, Kleidung, Schuhe, Mobilfunk sowie Lotto-Tippscheine an den Kunden brachte. Die Anzeige "Mini sucht außergewöhnliche Verkäufer" motivierte Petridou im Jahr 2004 zum Wechsel in die Automobil-Branche. Sie bewarb sich und schloss das Assessment-Center des Auto-Herstellers als Beste ab. Seit sieben Jahren ist sie nun in Hilden als Verkäuferin tätig und vor zwei Jahren zur Verkaufsleiterin bei Hans Brandenburg aufgestiegen.

Über den Zeitraum der vergangenen vier Jahre führt Panagiota auf Platz eins das Ranking der besten Mini-Neuwagen-Verkäufer Deutschlands an. Im Privatleben spielt die Autofachfrau seit 20 Jahren aktiv Handball: In Vereinen wie Borussia Dortmund oder Fortuna Düsseldorf kämpfte Jota sich bis in die dritte Bundesliga hoch. Aktuell spielt sie für Mettmann. Ihr großes Ziel ist es aber immer noch, irgendwann einmal eine Goldmedaille für ihre Heimat Griechenland zu holen. Doch so toll, wie der Sender VOX seine Protagonistin anpreist, erwies sie sich in der ersten Folge von "Biete Rostlaube, suche Traumauto“ nicht wirklich. Ein echter Checker scheint sie nicht zu sein und auch im Verhandeln zeigte sie Schwächen.

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Panagiota Petridou hatte die Aufgabe, Magdalenas Rost-Polo zu verkaufen. Eine Überprüfung in einer Werkstatt brachte aber so viele Mängel an den Tag, dass nur noch der Verwerter als Abnehmer in Frage kam. Doch selbst in dieser Branche hätte nach Ansicht eines Fachmannes kein Mensch mehr einen Cent für den durchgerosteten Kleinwagen geboten. Ganz offensichtlich nur die Präsenz der Kamera hat die 400,00 Euro eingebracht, die die Autoverkäuferin für den weißen Kleinwagen bekam: „Es ist für einen guten Zweck.“ Hier war also der Begriff Spende eher angebracht als das Wort Kaufpreis. Doch dies widerspricht ja nicht der inhaltlichen Vorgabe der Sendung.

Doch deren Glaubwürdigkeit litt. Denn den roten Opel Corsa B, den Panagiota Petridou bei Beethoven-Cars in Solingen erwarb, hätte der Autohändler auf der Beethovenstraße problemlos für die geforderten rund 700,00 Euro verkaufen können. Trotz diverser Steinschlagschäden. Derartige Fahrzeuge sind seit der Zeit der Abwrackprämie – zu der Wagen dieser Klasse für die 2.000,00 Euro der vom Staat gezahlten Prämie in Zahlung gegeben wurden – seltener geworden, doch von Führerscheinneulingen nach wie vor gesucht. Offensichtlich auch nur deswegen, weil die Kamera zugegen war, gab der Händler den Wagen für 400,00 Euro ab. Warum? Damit er ins Fernsehen kam? Panagiota Petridou hat den Opel dann etwas säubern lassen und für 999,00 Euro angeboten. Inklusive zwei Jahre Segens des TÜV.

Schwache Verhandlungsführung, Fragen nach der Glaubwürdigkeit

Dass zwei nicht einmal volljährige Jungs vorbeischauten und den eigentlich schon für Magdalena ausreichenden Corsa für 850,00 Euro erwarben, war der schwächste Moment von der angeblich so guten und im Verhandlungsgeschick erfahrenen Panagiota. Dieses Auto wäre auch für den geforderten Preis weggegangen; die Autoverkäuferin zeigte sich aber schwach in der Gesprächsführung und unterlag damit den beiden Grünlingen. Im Internet vom Erlös anschließend einen Hyundai Lantra zu kaufen, der in Fachkreisen als Standuhr – also unverkäuflich – gilt, ließ weiter Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Serie aufkommen. Ebenso wie Petridous oberflächliche Gebrauchtwagen-Einkaufsprüfung: Huschiwuschi, mehr nicht. Dass ausgerechnet für dieses Auto jemand zeitlich passend 2.090,00 Euro auf den Tisch legte: Kaum zu glauben.

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Beide Autos, sowohl der moosgrüne Hyundai als auch der Corsa, wären für Magdalena die idealen Fahrzeuge gewesen, doch Panagiota Petridou wollte einen weiteren Schritt gehen und das endgültige Auto für die Klientin finden. Sie beauftragte einen Automakler, ein passendes Auto zu finden. Wieso? Wusste sie als Profi nicht, dass im Internet welche zu finden sind? War sie zu schwach für die Bedienung der Tastatur und sollte nur der Automakler eine Chance für einen Fernsehauftritt erhalten? Ein blauer Lupo war das Ergebnis, auf das Panagiota Petridou auch hätte selbst kommen müssen: Magdalena war glücklich, aber Fachkräfte beurteilten die Sendung dahingehend, die Skripte dazu vor Aufzeichnung auf Glaubwürdigkeit hin zu überprüfen. Sieben weitere Folgen nahm VOX für Sonntagabend, 18:15 Uhr, ins Programm.

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