Im Zeitalter der Castingshows hält sich das Urgestein Big Brother schon so lange fest wie Cher ihre 40. Was gibt es da schon zu sehen, mag man sich fragen. Menschen wie du und ich ziehen in einen Container und tun nichts, was man daheim nicht auch tun würde. Durch so genannte "Wochenaufgaben" wird der Alltag der Bewohner aufgepeppt, aber trotzdem bleibt sich das Konzept der Show treu. Es wird ein alltägliches Leben simuliert das den Zuschauer trotzdem fesselt. Kameras in allen Räumlichkeiten beobachten die Kandidaten 24 Stunden am Tag, Flucht unmöglich. So wird das Leben ungeschönt und echt eingefangen, deswegen schauen die Menschen hin. Mit einer Sendung wie Big Brother wird das menschliche Bedürfnis nach Voyeurismus befriedigt. Vielleicht liegt hier genau das Erfolgsgeheimnis. Keine Drehbücher, keine Schauspieler, alles echt. Zwischen den meist billig produzierten Daily Soaps sehnt sich der TV Zuschauer nach Abwechslung die ausgerechnet eine Sendung wie Big Brother zu bringen scheint.
In den verschiedenen Staffeln wurden verschiedene Versionen ausprobiert, von Big Brother das Dorf ging es jetzt aber doch wieder zur Originalversion zurück ins Haus, wo die Bewohner keinerlei "Auslauf" genießen können.
Von Normalos zu Medienhelden und anders herum
Auch immer mehr Promis lassen sich für ein paar Tage in den TV-Container einweisen um dort ein bisschen mit den Normalos zu plaudern. Wer sieht in der heutigen Zeit schon weg, wenn echte Promis ungeschminkt und normal wirken. Wenn das Image mal ein bisschen angeknackst wirkt, kann man sich im Big Brother Haus zwischen Nichtpromis recht passabel wieder rehabilitieren.
Gut abgeschirmt vom echten Leben außerhalb des Containers verpassen auch die Bewohner, was passiert ist und können ihren plötzlich gewonnen Promistatus nach dem Auszug kaum fassen, aber durchaus genießen. Wenn auch nicht besonders lange. Die Haltbarkeit eines BB Stars ist nicht besonders lange, aber dafür umso intensiver. Wie in fast allen Castingshows entsteht nach dem Ende der Staffel ein großer Rummel, der genauso schnell verfliegt wie er entstand. Das stört allerdings niemanden, denn vermutlich ist die nächste Staffel schon in der Mache.
Phänomen Big Brother
Wieso Big Brother ein solches Phänomen ist, wird wohl auch nach der 10. Staffel ein Mysterium bleiben. Nur eines steht fest. Die Kandidaten gehen ihnen, wie es scheint, nie aus. Jede Staffel ist man immer wieder überrascht das einfache Menschen es zu Medienstars schaffen. Bleibt abzuwarten, wann und ob der großer Bruder müde wird.
Überrascht verfolgt man als Zuschauer die Entwicklung der Bewohner, die sich mit jedem weiteren Tag im Container mehr und mehr zu verändern scheinen. Bevor man sich versieht, hat man die böse Intrigantin im Joan Collins Style und den nette Frauenversteher, der die breite Schulter zum Anlehnen bietet. So werden sehr geschickt auch ohne Drehbücher Rollenprofile erzielt. Wie viel im Container zufällig ist, bleibt das Geheimnis der Macher. So verlieben sich doch Menschen immer wieder unter den wachsamen Augen des großen Bruders. Kein Wunder, mag man sagen, Liebesentzug für eine so lange Zeit lässt über kurz oder lang doch jeden irgendwie attraktiv erscheinen.
Und was kommt danach?
Man zieht also als Normalo aus der Vorstadt ein und endet als Medienheld, wie es nach der ersten Staffel Zlatko und Jürgen passiert ist. Autogrammkarten, Musikhits in den Top Ten (auch ohne Gesangstalent) oder das Angebot, als Moderator eine Sendung zu bekommen, folgen meist. Man muss nicht zwingend als Gewinner das Haus verlassen um in den Köpfen der Menschen zu bleiben, wie die bisherigen Staffeln bewiesen haben.
