Leseförderung beginnt bereits im Kleinkindalter. Schon in den ersten Lebensjahren wird der Grundstein gelegt für das weitere Leseverhalten des Kindes. Bilderbücher sind meist die ersten Bücher mit denen Kinder in Kontakt kommen. Dabei eignet sich nicht jedes Bilderbuch gleich gut für jedes Kind. Bei der Auswahl sollte auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes geachtet werden.

Auswahlkriterien

Der Inhalt sollte altersangemessen sein und Dinge thematisieren, welche dem Kind die Möglichkeit zur Identifikation ermöglichen. Dabei sollte also auf aktuelle Ereignisse und Interessen eingegangen werden. Ist der Hamster gestorben? Dann eignet sich ein Bilderbuch zum Thema „Tod eines Haustiers“. Interssiert sich das Kind gerade besonders für alles rund um Autos und Baustellen? Dann sollte auch das Bilderbuch die Auseinandersetzung mit diesem Themengebiet ermöglichen.

Ganz wichtig, vor allem beim Bilderbuch, sind natürlich die Illustrationen bzw. die allgemeine Gestaltung. Die Darstellungen sollten einfach und nicht zu detailgetreu sein. Kinder mögen es besonders, wenn sie sich weitere Details schrittweise selber erschließen können. Oft ist dies möglich, etwa durch das Aufklappen weiterer Elemente. Auch der taktile Sinn kann mit Hilfe der richtigen Gestaltung von Bilderbüchern gefördert werden, etwa indem die Ente im Bilderbuch nicht komplett gezeichnet wurde, sondern tatsächlich ein Federkleid besitzt welches vom Kind ertastet werden kann.

Was die Sprache betrifft, sollte es eine einfache Text-Bild-Beziehung geben. Dabei sollte der Text natürlich immer altersgemäß sein und den Sprachstand des Kindes berücksichtigen.

Tipps zur Bilderbuchbetrachtung

Für eine gelungene Bilderbuchbetrachtung sollten einige Dinge berücksichtigt werden:

Atmosphäre schaffen: Es sollte ein ruhiger, gemütlicher Rahmen mit möglichst wenig Ablenkung und ausreichend Zeit für Dialoge geschaffen werden.

Körperkontakt: das Kind ruhig auf den Schoß nehmen.

Lebendiges Lesen/Erzählen: Mimik und Gestik sowie unterschiedliche Stimmen bei der Betrachtung und dem Vorlesen einsetzen. Ebenso auf Lautstärke, Betonung, Tempo und Pausen achten.

Frage- und Impulssetzung: Auf Fragen und Kommentare des Kindes eingehen und evtl. das Kind auch selber zu solchen anregen. Es ist gut, wenn sich ein Gespräch entwickelt! Dabei ist darauf zu achten, dass offene Fragen gestellt werden (Warum? Wieso?), also keine Fragen die nur mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten sind. Noch besser als Fragen sind Impulse, wie etwa Mimik, Gestik oder einfache Bemerkungen zum Bild.

Wiederholung: Mehrmaliges Vorlesen steigert den sprachlichen Lerneffekt.

Dem Kind Zeit genug für die Bilderbetrachtung und die Äußerung seiner Gedanken geben.

Abschlussphase: Am Ende der Bilderbuchbetrachtung sollte überprüft werden, ob das Kind die Geschichte verstanden hat. Außerdem sollte versucht werden, den Inhalt der fiktionalen Geschichte auf die Realität zu übertragen und das Kind etwa zu Erfahrungsberichten anzuregen. Sinnvoll ist es auch, ab und zu den Buchinhalt etwa in Form von Mal- und Bastelarbeiten oder Rollenspielen umzusetzen.

Ziele

Die Unterhaltung des Kindes sollte zwar nicht zu kurz kommen, doch die Methodik der Bilderbuchbetrachtung als Mittel der pädagogischen Arbeit, geht weit darüber hinaus. Dabei haben Untersuchungen gezeigt, dass viele und möglichst frühe „Literacy-Erfahrungen“ die Bildungschancen für Kinder erhöhen.

Sprachförderung ist dabei ein vorrangiges pädagogisches Ziel. Dabei kann die Bilderbuchbetrachtung entweder zur Einleitung eines weiteren Gesprächs benutzt werden, oder auch von vorne bis hinten gemeinsam betrachtet werden. Meist kommt es zu Spontanäußerungen des Kindes. Die eigene Stimme wird erprobt, etwa bei der Nachahmung von Tierstimmen. Auch können neue Wörter gelernt und der Wortschatz erweitert werden, sowie bestimmte grammatikalische Strukturen geübt werden.

Leseförderung: Die Freude an Büchern und die Neugier auf Geschichten kann schon mit der Bilderbuchbetrachtung beim Kind geweckt werden.

Förderung der Konzentrationsfähigkeit

Förderung der Wahrnehmung

Problembewältigung: Über die Identifikation mit Figuren des Bilderbuches, können eigene Erlebnisse und Probleme kommuniziert und verarbeitet werden.

Förderung sozialer Kompetenzen wie etwa der Empathie: Durch das Hineinfühlen in die Geschichte und ihre Figuren, kann das Kind lernen, andere Perspektiven einzunehmen und nachzuvollziehen.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Artikel „Wie lernen Kinder Bücher lieben?“

Weitere Informationen zur Sprach- und Leseförderung im Kleinkindalter:

Stiftung Lesen

GoBo-Verlag