Bildhauer Ernst Hingerl: "Ich bin ein Künstler"

Der Bildhauer Ernst Hingerl liebt große Skulpturen - Ernst Hingerl
Der Bildhauer Ernst Hingerl liebt große Skulpturen - Ernst Hingerl
Der Bildhauer Ernst Hingerl aus Pettenreuth über den steinigen Weg zum freischaffenden Bildhauer.

Der Sechs-Tonnen-Bootsrumpf und die blau besprühten Schaufensterpuppen im Hof des bäuerlich anmutenden Anwesens mit Hund, Katzen, Hühnern und Ziegen sprechen eine deutliche Sprache: Hier, im oberpfälzischen Pettenreuth, wohnt der Bildhauer und Restaurator Ernst Hingerl.

Aus der Werkstatt dröhnt Maschinenlärm. Der Künstler ist bei der Arbeit, feilt, schleift in seinem eigenhändig renovierten Anwesen. Altes, schlichtes künstlerisches Mobiliar in heimeliger Atmosphäre lädt den Raum mit einer Aura auf, in der es sich gut arbeiten lässt.

Das künstlerische Potenzial blühte lange im Verborgenen

Der gebürtige Österreicher (66) hat sich vor vielen Jahren mit seiner Lebensgefährtin und den zwei Söhnen in Pettenreuth nieder gelassen. Seit den 90er Jahren besitzt er eine Atelier-Werkstatt, wo er als freischaffender Bildhauer überwiegend Großskulpturen kreiert.

Dabei ist der Künstler "nicht als Künstler auf die Welt gekommen" (obwohl, in der Schule war immer er derjenige, der die biblische Szene an die Tafel malen durfte). Seine Eltern, "Einfache Leut'", verstanden nichts von der Kunst. "Ihr Bub, der ja auch ministrierte, war immer brav". Nichtsdestotrotz: Hingerl hatte schon als Knabe einen "Riesenrespekt vor Künstlern".

Der steinige Weg zum freischaffenden Bildhauer

"Weil ich akademisch nicht vorgebildet war, war der Weg zum anerkannten Künstler steinig", offeriert der Autodidakt. Lange blieb ihm die Aufnahme beim BBK (Berufsverband Bildender Künstler) verwehrt. "Wer als Künstler wenig Geld hat, will in die Künstlersozialversicherung. Wer in die Künstlersozialversicherung will, muss einen Nachweis erbringen, dass er als Künstler anerkannt ist. Um als Künstler anerkannt zu sein, muss man Mitglied bei den 'Bildenden Künstlern' sein. Um Mitglied bei den 'Bildenden Künstlern' zu sein, muss man die Jury überzeugen", erläutert er die Spirale.

Dennoch, sein künstlerisches Können, die unermüdlichen Energie und Schaffenskraft haben das ihrige dazu getan, dass Hingerl beim Berufsverband Bildender Künstler aufgenommen wurde.

Plötzlich unter Künstlern mit Rang und Namen

Die Wende für ihn kam 1992, als er sich nach einem schlimmen Autounfall schwere Kopfverletzungen zuzog. Die Therapie während seiner Genesung führte ihn immer wieder zu seinem verschütteten künstlerischen Potenzial zurück. Große Skulpturen, "dreidimensionale Bilder, die irgendwie schon immer in mir vorhanden waren", entstanden.

Von da an hat der Autodidakt Hingerl regelmäßig an Wettbewerben teil genommen. "Da fand ich mich plötzlich unter Künstlern mit Rang und Namen wider", erzählt er beseelt. Zahlreiche Ausstellungen und Teilnahmen an internationalen Bildhauersymposien in ganz Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland folgten ebenso wie gelegentliche Ankäufe im öffentlichen Raum; besonders stolz ist er auf seine tonnenschwere Skulptur "Steinvorhang", die im Rahmen des 3. Internationalen Bildhauerwettbewerbs auf dem Staffelsteig in Davos/Schweiz positioniert ist und auf den Spuren Ernst Ludwig Kirchners wandelt.

Vorliebe für große Skulpturen

Der Bildhauer Hingerl arbeitet nicht nur mit Holz, Stein, Glas, Metall und Beton, sondern auch mit Fundstücken aus der Natur und anderem. Das erworbene Wissen gibt er auch gerne weiter. Wer z. B. wissen will, wie man mit einer Kettensäge aus einem Baumstamm eine Skultur macht, erfährt in Theorie und Praxis alles Wissenswerte bem "Kettensägekurs" in Pettenreuth.

Seine "Bildtafeln" spiegeln Hingerls experimentelle Phasen wider. "Im neuen Jahrtausend gab es auffallend viele Entschuldigungen" charakterisiert er seine Stahlskulptur "MEA CULPA", die im Dezember 2000 beim Regensburger Lucrezia Markt ausgestellt wurde. Ganz anders geartet und "auf ewiglich" in der Naab bei Kallmünz ist die Wohl tuende, auffallend imposant ins Wasser gesetzte Holzstangen-Skulpttur mit Vogelnest, betitelt mit "Die Vollwaisen". Etwas bizarrer, scheppernd und klirrend, "Der Eiserne Vorhang", an der Donauslände aufgehängte Stahlblechtafeln, an denen täglich Hunderte von Regensburg-Touristen vorbei pilgern.

Quellen:

Liane Biberger - Nach ihrer Anstellung als Texterin im Wellnesshotel „Marc Aurel“ in Bad Gögging war Liane Biberger freiberuflich in den ...

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