Integration durch Bildung

Das Bildungswesen fördert die soziale und kulturelle Integration

Integration - dido-ob/PIXELIO
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Bildungseinrichtungen nehmen integrative Aufgaben ein, wie Sprachvermittlung, Sprachförderung und Vermittlung von Strukturen und Normen der Aufnahmegesellschaft.

Das Bildungswesen nimmt für alle Kinder traditionell eine Schlüsselfunktion für das Gelingen der sozialen und kulturellen Integration in die Gesellschaft ein. Bildung, Ausbildung und Sprache sind bedeutende Faktoren für die soziale und kulturelle Integration, die individuelle Entfaltungschancen von Kindern und Jugendlichen mit oder ohne Migrationshintergrund bedingen. Des Weiteren sind erfolgreiche Schulkarrieren relevante Indikatoren für den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft und einer gelungenen Integration. Demzufolge geht die zentrale integrations- und identitätsbildende Bedeutung von Schulbildung, Ausbildung und Beruf als Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe über die persönliche und materielle Existenzsicherung hinaus.

Berufliche Integration

Diese bedeutet für den Einzelnen ökonomische Selbstständigkeit und Identitätsbildung. Unter diesem Aspekt betrachtet tritt die Relevanz der Bildung noch deutlicher hervor. Das Absolvieren eines erfolgreichen Bildungsprozesses ist eine entscheidende Voraussetzung für die Eingliederung der Migranten in die Lebens- und Arbeitswelt in dem Aufnahmeland. Dieses erfolgt unter Einbeziehung sozialer wie auch personaler Kompetenzen und der Erweiterung der geistigen, sprachlichen und kulturellen Fähigkeiten des Einzelnen.

Dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zufolge, wird durch die strukturierende Funktion soziale Anerkennung und ein Zugehörigkeitsgefühl erzeugt. Dieses besagt, dass der Bildungsgrad und die Arbeitsmarktintegration den sozialen Status und zukünftige Lebenschancen beeinflussen. Weiterhin beeinflussen diese Aspekte ebenfalls den Zugang zu zentralen gesellschaftlichen Positionen, die Teilhabe am späteren gesellschaftlichen und beruflichen Leben.

Für die Berliner Bildungseinrichtungen ergeben sich als integrative Kernaufgaben der Sprachvermittlung und Sprachförderung, der Vermittlung von Kenntnissen über grundlegende Strukturen und Normen der Aufnahmegesellschaft, der Entwicklung von Verständnis für die Aufnahmegesellschaft sowie deren Akzeptanz und die Erweiterung des Repertoires des sozialen Verhaltens.

Kindergärten und Grundschulen sind Orte der frühen Integration und der Sozialisation

Bereits in Kindergärten und Grundschulen werden Grundlagen für die Integrationsfähigkeit und Integrationswilligkeit gegeben, die sich über die gesamte Schulzeit fortsetzen. Die Schule erweist sich als ein wichtiger Ort der Integration und der Sozialisation. Auch wenn die Schule integrativ fungiert, wird von den Migrantenfamilien erwartet, dass diese sich aktiv an dem Integrationsprozess der Kinder beteiligen. Unter dieser Voraussetzung kann der Integrationsprozess erfolgreich verlaufen.

Neben den institutionellen als auch gesellschaftlichen Bedingungen wird der Bildungserfolg der Kinder mit Migrationshintergrund durch individuelle und familiäre Lebensbedingungen, wie zum Beispiel Einreisealter, soziale Position, Bildungsstand der Eltern, Familien- und Freizeitsprache, interethnische Kontakte und anderes gelenkt.

Angemessene schulische Bildungsangebote, die auf die Bedürfnisse von Kindern mit nichtdeutscher Herkunftssprache eingehen und in der Didaktik die sprachlichen Kompetenzen der Landessprache fördern, unter der Berücksichtigung der Zwei- oder Mehrsprachigkeit sind für die Kinder und Jugendlichen wichtig, weil teilweise ein unterschiedlicher Bildungshintergrund aufgewiesen wird. Da nicht davon ausgegangen werden kann, dass das Elternhaus in der Lage ist, die elementare Bildung zu vermitteln, eignen sich beispielsweise Ganztagsschulen dazu, die Kinder über längere Zeit am Tag in größerer Ruhe und ohne häufigen Fächerwechsel zu unterrichten und Bildungsdefizite auszugleichen.

Ein früheres Heranführen der Kinder mit nichtdeutscher Herkunftssprache an ein deutschsprachiges Umfeld wurde durch das vorschulische Berliner Bildungsprogramm in den Kitas und durch die Senkung des Eintrittsalters in die Grundschule bewirkt.

Situation junger Migranten im Bildungswesen

Die Situation der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund beziehungsweise mit nichtdeutscher Herkunftssprache hat sich seit den 1980-er Jahren in Bezug auf die schulische Bildung und berufliche Ausbildung verbessert. Jedoch verließen 1996 ungefähr ein Fünftel der Schüler nichtdeutscher Herkunft die allgemein bildenden Schulen ohne Schulabschluss. Von den Schulabschlüssen der Jugendlichen mit Migrationshintergrund überwiegt weiterhin der Hauptschulabschluss, den 1996 über 37.000 Schüler erlangten. Ein Drittel der Schüler erwarben einen mittleren Schulabschluss und rund elf von Hundert nichtdeutschen Schülern absolvierten die allgemeine Hochschulreife. Vor diesem Hintergrund gesehen stellt die Gesamtschule für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund die potenziell höher qualifizierende Schulform der Sekundarstufe dar.

Interkulturelle Bildung

Die Ressource der Zwei- oder Mehrsprachigkeit von Kindern mit Migrationshintergrund, wie auch interkulturelle Kompetenzen und soziale Heterogenität, wurde lange Zeit nicht als Chance wahrgenommen. Erst mit dem Schulgesetz vom 26. Januar 2004 wurde eine integrationsfördernde rechtliche Basis geschaffen. Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (SENBJS) gab 2006 an, dass interkulturelle Bildung als „besondere Bildungs- und Erziehungsaufgabe der Schule“ sein müsste.

Für die Integration wie auch für das Integrationsverständnis ist wichtig, dass interkulturelle Kompetenzen ausgebildet und verstärkt werden. Um bestehende Integrationsbarrieren zu verringern, müsste eine interkulturelle Atmosphäre in Bildungseinrichtungen erlangt werden, die ethnische Vielfalt berücksichtigt, akzeptiert und toleriert. Zur Umsetzung des Diversityansatzes in Schulklassen, die sich aus Schülern unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft zusammensetzen, benötigen die Lehrer neben spezifische interkulturelle Kompetenzen und Ausbildungen.

Bereits 1996 gab die Kultusministerkonferenz (KMK) einen bildungspolitischen Orientierungsrahmen zur interkulturellen Bildung und Erziehung in der Schule vor. Dieser Orientierungsrahmen definierte die Eingliederung der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund als integralen Bestandteil in allen Bereichen des Bildungswesens.

Umgang mit Heterogenität im Bildungswesen

Der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (SENBJS, 2006) zu Folge, tragen Bildungseinrichtungen im Wesentlichen dazu bei, dass „das Wissen über die Migranten allgemein wächst, sich deren Akzeptanz in der Aufnahmegesellschaft erhöht und Vorurteile abgebaut werden. Denn nur wenn in der Aufnahmegesellschaft die Bereitschaft besteht, sich sachgerecht mit dem Thema Integration zu befassen und die Verpflichtung akzeptiert wird, den Integrationsprozess aktiv zu gestalten, wird dieser Prozess erfolgreich verlaufen“.

In der schulischen Erziehungs- und Unterrichtsarbeit wird jedoch noch nicht von sprachlicher, nationaler, ethnischer und kultureller Heterogenität als Normalfall ausgegangen. Bislang wurden nur einige Maßnahmen zur Eingliederung und Förderung für Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund beziehungsweise nichtdeutscher Herkunftssprache getroffen, zum Beispiel durch Vorbereitungsklassen, Förderunterricht, bilinguale Unterrichtsmodelle, muttersprachlicher Ergänzungsunterricht, Hausaufgabenhilfe, spezielle Prüfungs- bzw. Zeugnisbestimmungen, Fremdsprachenregelungen, Organisationsbestimmungen bezüglich der Lehrerzuweisung und deren Aus- und Fortbildung.

Allerdings sind die Voraussetzungen für den Umgang mit interkultureller Heterogenität und Vielfalt im Unterricht nicht gegeben. Hiermit ist gemeint, dass Lehrer nicht ausreichend qualifiziert und ausreichende zeitliche, materielle, räumliche wie auch personelle Voraussetzungen nicht gegeben sind. Neben den unzureichenden Ressourcen sind ebenfalls die Fördermaßnahmen fragwürdig, insbesondere hinsichtlich des Landesspracherwerbs in den Schulen. Oft ist die sprachliche Förderung nur auf eine begrenzte Zeit angesetzt, anstatt kontinuierlich in den Stundenplan integriert zu sein. Deutsch als Zweitsprache zu erlernen, ist ein langwieriger Prozess. Die Feinheiten einer Sprache zu erlernen, ist notwendig, um in der Schule erfolgreich zu sein.