
- Nachbarschaft beeinflusst Bildung - Dietmar Meinert
Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (kurz: WZB) untersuchte jüngst den Einfluss der sozialen Struktur innerhalb der Nachbarschaft auf die Berliner Grundschüler. Dabei wurden speziell die Hauptfächer Mathe und eigens das Lesen in Deutsch unter die Lupe genommen. Unabhängig vom gesellschaftlichen Hintergrund der Eltern sowie den sozialen Zusammensetzungen der Schüler konnte bewiesen werden, dass die Nachbarschaft Einfluss auf das Lesen und dem Rechnen im Primarbereich nehmen. Dabei schneiden Schüler in Wohnvierteln mit einer hohen Arbeitslosen- und Sozialhilfequote nicht schlechter ab als Schüler der besser gestellten Gegenden, so wie die Forscher erst vermuteten. Dagegen aber profitieren Kinder von sozial privilegierten Nachbarschaften.
Wohnviertel haben Einfluss auf Bildungserfolg
WZB-Bildungsforscher Marcel Helbig hat für die Studie die Mathe- und Lesekompetenzen von rund 3.200 Berliner Grundschülern der vierten bis sechsten Klasse durchleuchtet – in Berlin, Brandenburg und Hamburg gehen die Kinder sechs Jahre zur Grundschule. Diesem setzte er der Arbeitslosen- und Sozialhilfequote des Wohnviertels in Beziehung. Die sozial besser gestellten Wohnviertel haben laut Helbig Vorteile im Lesen und Rechnen, weil die Sprösslinge unter den Erwachsenen mehr positive Rollenvorbilder fänden. Sie leben leistungsförderlichere Verhaltensweisen vor. Zudem herrscht in diesem besonderen Umfeld eine solidere, soziale Kontrolle vor.
Amerikanische Studie von Wissenschaftlern mit einbezogen
In amerikanischen Studien sei nachgewiesen worden, dass sich die Nachbarn in den besser gestellten Wohngebieten mehrheitlich kennen. Sie verbringen außerdem mehr Zeit miteinander, sind füreinander da und passen wechselseitig auf ihre Kinder auf. So würden sie wohl auch offener miteinander umgehen und sich gegenseitig sagen, wenn ihr Nachwuchs die Schule schwänzt, in der Nachbarschaft „herumlungert“ oder Respektlosigkeit gegenüber andere aufzeigen.
Soziale Bildungsungleichheit
Die Studie besagt weiterhin, dass sich soziale Bildungsungleichheit durch die gefundenen Erfolge verstärkt. Sozial privilegierte Eltern bieten ihren Kindern bessere Bildungschancen. Sie leben größtenteils dann auch in den entsprechenden Gegenden, so dass das Wissen der Lernenden zusätzlich von den Nachbarn profitieren kann. Hier ist die gegenseitige Hilfe verstärkter als im Gegensatz zu den sozial schwächeren Gebieten.
Doch die Studie lässt noch einige Fragen offen: Da kürzlich nur in Berlin getestet worden war, bleibt offen, ob es für ganz Deutschland gilt. Vielleicht allgemein nur für Klein- und/oder Großstädte. Es ist aber zu vermuten, dass die nachbarschaftliche Sozialstruktur für Schüler der Klassenstufen vier bis sechs im heranwachsenden Jugendalter noch stärker auf die Schulbildung auswirkt als zu dem untersuchten früheren Zeitpunkt.
Fazit der Studie zum Bildungseinfluss der Nachbarschaft
Die Nachbarschaft nimmt einen großen Einfluss auf den Bildungsweg der Zehn- bis Zwölfjährigen ein, ist aber unabhängig vom Elternhaus. Dabei ist festzustellen, je besser das soziale Netz gestrickt ist, umso besser und größer sind die Bildungschancen.
Bildnachweis: (C) Dietmar Meinert, Pixelio.de
