Bilingual am Gymnasium

An Romain-Rolland-Gymnasium lernen begabte Schüler mehr Französisch

Alfred Hoffmann, Magdalena Haase und Roman Elsner - Beate Diederichs
Alfred Hoffmann, Magdalena Haase und Roman Elsner - Beate Diederichs
Jeden Tag ein bisschen Frankreich: Bilingualer Zweig bietet Geografie und Geschichte zweisprachig und Abi, mit dem man in Frankreich ohne Sprachprüfung studieren kann.

Momentan unterscheidet sich der Geschichtsunterricht kaum von dem jedes anderen Gymnasiums. "Wir beschäftigen uns mit der Demografie Sachsens. Da sprechen wir im Unterricht viel Deutsch, weil es über dieses Thema wenig französische Quellen gibt. Wenn wir die Demografie Frankreichs behandeln, dominiert das Französische." Die beiden Schüler schauen sich an und nicken. Magdalena Haase und Roman Elsner gehen in die Klasse 10/3 des Dresdner Romain-Rolland-Gymnasiums. Wer täglich das imposante alte Gebäude nahe der Elbe besucht, hat viel mit Sprachen im Sinn. Denn die Schule bietet nur ein Profil, das sprachliche. Das reicht Schülern wie Magdalena und Roman aber noch nicht: "Sie gehören zu einer der ein bis zwei Klassen des bilingualen - zweisprachigen - Zweigs pro Jahrgang: Ab der fünften Klasse erhalten sie verstärkten Französischunterricht, ab Klasse sieben lernen sie Geografie und ab Klasse zehn Geschichte als bilinguale Sachfächer. Danach müssen sie Französisch als Leistungskurs wählen", sagt Schulleiter Alfred Hoffmann.

Deutsch plus Französisch ergibt Bilingual

Bilingualer Unterricht heißt hier, dass man in Geografie und Geschichte in der Stunde Deutsch und Französisch spricht, wobei der Anteil des Deutschen abnimmt. "Geht es zum Beispiel um Vulkanismus, gibt man den Schülern die Arbeitsanweisungen auf Französisch, die Fachbegriffe am Vulkan aber auf Deutsch", erklärt Alfred Hoffmann. Die Mädchen und Jungen können sich auch selbstständig fremdsprachliches Material im Dokumentationszentrum besorgen, einer Art Mediathek.

Mit diesem Abitur kann man an französischen Hochschulen ohne Sprachprüfung studieren

Das Abitur ist für Magdalena Haase und Roman Elsner noch zwei Jahre entfernt. Dennoch haben die beiden schon Vorstellungen, was sie danach tun wollen. "Ich möchte etwas mit Sprachen studieren, sicher im Ausland. Vielleicht in Frankreich, mal sehen. Die englische Sprache mag ich auch sehr", meint Magdalena. Für Roman soll es was mit Mathe sein. Sollten sich die beiden an einer französischen Hochschule einschreiben, haben sie eine Hürde schon genommen: Die allgemeine Hochschulreife mit dem Zusatz "Bilingual" ist kein deutsch-französisches Doppelabitur, berechtigt die Schüler aber, an französischen Hochschulen ohne Sprachprüfung zu studieren. "Viele machen davon Gebrauch oder absolvieren ein Praktikum oder ein Au-Pair-Jahr in Frankreich", so Alfred Hoffmann.

Jeden Tag ein Stück Frankreich

Bereits vor dem Abitur kommen die Schüler viel mit Frankreich in Kontakt: Von den zehn Französischlehrern hier sind zwei Muttersprachlerinnen, Austauschprogramme führen sie nach Frankreich, Kanada, aber auch Argentinien und Peru, denn Spanisch ist dritte Fremdsprache am Romain-Rolland-Gymnasium. Zum deutsch-französischen Tag am 22. Januar besuchen ehemalige Schüler die Schule, erzählen von ihren Auslandserfahrungen und beraten die Jüngeren praktisch. "Das überzeugt die Schüler mehr, als wenn wir Lehrer das tun", meint Alfred Hoffmann und lächelt.

Herausforderung für Schüler und Lehrer

Der bilinguale Zweig ist nichts für Durchschnittsschüler. Interessierte müssen nicht vor der fünften Klasse Französisch können, aber sich einem Test und einem Gespräch unterziehen. "Wir schauen da, wie versiert sie in ihrer Muttersprache sind und ob es ihnen Freude macht, sich sprachlich auszudrücken", sagt der Schulleiter. Magdalena und Roman versichern, sie hätten sich den Arbeitsaufwand für den bilingualen Zweig schlimmer vorgestellt. "Doch die beiden sind wie ein Großteil ihrer Klasse extrem begabt", relativiert der Schulleiter. Solche Schüler zu unterrichten, fordert natürlich auch die Lehrer. "Für die bilingualen Fächer setzen wir welche mit der Fachkombination Französisch und Geografie oder Geschichte ein. Dennoch müsste bilingualer Unterricht ein Extra-Fach an der Uni sein, mit einer Didaktik, die die spezielle Situation berücksichtigt."

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Beate Diederichs - Auf zwei Beinen steht man besser ..... deshalb arbeite ich in zwei Berufen. Vormittags lehre ich Schüler die Feinheiten der ...

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