
- Kinder in Nigeria - Detlev Beutler/pixelio
Kaum jemand kennt ihn nicht, den Namen des Begründers der größten Software-Schmiede der Welt. Der Name Bill Gates steht für die Revolutionierung des PC, für die Geschichte einer einzigartigen Karriere, für Macht und Geld und für umstrittene Geschäftsmethoden. Aber als Wohltäter, der sich für die Ärmsten der Armen einsetzt, Krankheiten wie etwa Aids bekämpft und Milliarden Dollar aus seinem Privatvermögen spendet, so präsentiert sich der ehemals reichste Mann der Welt erst seit Mitte der neunziger Jahre.
Die „Bill & Melinda Gates Foundation“
Die Stiftung wurde im Jahr 1994 als „William H Gates Foundation“ ins Leben gerufen und dann im Jahr 1999 zur „Bill & Melinda Gates Foundation“ umbenannt. Der Hauptsitz der Stiftung befindet sich in Seattle, im Bundesstaat Washington. Mit 891 Angestellten und einem Stiftungskapital von 36,7 Milliarden US-Dollar (Stand Dezember 2010) ist dies die größte Privatstiftung weltweit. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Bekämpfung und Behandlung von Krankheiten wie Aids, Tuberkulose, Malaria, Kinderlähmung in Indien und Afrika, aber auch in anderen Teilen der Welt. Ein anderer Schwerpunkt der Stiftung liegt in der Bekämpfung des Hungers in Afrika, in dem zum Beispiel gentechnisch modifizierte Pflanzen, die gewisse Resistenzen gegen spezifische Schädlinge aufweisen, eingeführt werden. Zusammengearbeitet wird dabei auch mit Firmen wie Monsanto, in Deutschland bestens bekannt seit dem Versuch, den Genmais Mon810, gegen teils erheblicher Widerstände der Bevölkerung, einzuführen.
Die „zwei Gesichter“
Die „Bill & Melinda Gates Foundation“ gliedert sich in zwei Sparten: Erstens den karitativen Teil, der jährlich fünf Prozent des Stiftungskapitals ausschütten muss, um in den Genuss der steuerlichen Vorteile für Stiftungen zu kommen. Zweitens ist da noch der investive Teil der Stiftung, der das Kapital für die karitativen Zwecke erwirtschaftet. Im Jahr 2010 wurden rund 2,6 Milliarden US-Dollar an Fördergelder für die verschiedenen Projekte ausbezahlt. Somit bleiben also noch gut 34 Milliarden Dollar für Investitionen übrig. Was mit diesem außerordentlich vielen Geld alles gemacht wird, liefert den Stoff für die Kritiker: Die Foundation besitzt große Anteile und Aktien an Firmen und Konzernen, die alles andere als wohltätig sind und dem eigentlichen Zweck der Stiftung deutlich zuwiderlaufen. Darunter sind Öl-Firmen wie Exxon Mobil, Total, Royal Dutch Shell, Eni oder aber auch Chemie-Firmen wie etwa Dow Chemical, Anteile an Rüstungsunternehmen, Pharmaunternehmen, Gentechnik-Firmen...
Viele dieser Firmen gehören zu den größten Umweltsündern und treten die Menschenrechte mit den Füßen. Wieviel Geld für was genau investiert wird, bleibt ein Geheimnis der Stiftung. Geredet wird darüber nicht, Anfragen werden nicht beantwortet. Der karitative Teil will nicht wissen, woher das Geld stammt, das der investive Teil erwirtschaftet hat. So legt sich ein schwerer Schatten auf die karitativen Wohltaten der Stiftung.
Der Kommentar
Dass die Wohlhabenden dieser Welt Geld in die Hand nehmen, um damit scheinbar selbstlos gute Taten zu vollbringen, ist wohl nicht zu beanstanden. Wenn aber Menschen wie Bill Gates, die hauptsächlich durch ihre Machtgier und Skrupellosigkeit bekannt geworden sind, sich das Wohltätigkeits-Mäntelchen umwerfen, so muss die Frage erlaubt sein, aus welchem Grund sich ihr Sinneswandel vollzogen oder ob er überhaupt stattgefunden hat. Das Engagement der „Bill & Melinda Gates Foundation“ im Bereich der „Neuen Grünen Revolution in Afrika“, mit dem die Ernährungs-Situation in den betroffenen Ländern verbessert werden soll, birgt etwa das Potenzial, durch Investitionen in multinationale Agrar-Konzerne enorme Gewinne ab zu schöpfen. Diese Konzerne sind schon seit Jahren auf der Jagd nach dem „grünen Gold“, in dem sie in wirtschaftlich schwachen Staaten riesige Landflächen aufkaufen oder pachten. Diese werden dann mit Hilfe modernster Technik intensiv bewirtschaftet, die Produkte sind meist für den Export bestimmt. Die einheimische Bevölkerung hat in der Regel nichts von diesen Bestrebungen oder wird sogar noch von ihren eigenen Regierungen, teils mit Waffengewalt, aus den entsprechenden Gebieten vertrieben. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie unter dem Deckmantel der Menschlichkeit äußerst lukrative „Gelddruck-Maschinen“ betrieben werden können. Diktatoren wie Saddam Hussein oder Muammar al-Gaddafi sind Relikte der Vergangenheit. Der neue Diktator ist leise und anonym gekommen, sein Name lautet: Geld!
