
- Glückliche Bio-Schweine - Uschi Dreiucker/pixelio.de
Vielen Menschen ist die seit den 80er Jahren praktizierte Massentierhaltung zuwider. Je mehr Missstände und Skandale in Tierzuchtbetrieben, auf Tiertransporten und in Schlachthöfen ans Tageslicht kommen, umso größer wird die Empörung gegen diese nicht artgerechte Tierhaltung.
Bio-Verbände, wie Demeter, Bioland, Naturland und andere haben schon vor vielen Jahren - zusätzlich zu den Richtlinien der EU-Öko-Verordnung - eigene Richtlinien erstellt, nach denen Tiere gehalten, gefüttert, gezüchtet und geschlachtet werden. Nach eigenen Aussagen kann man beim Kauf von Produkten aus diesen Betrieben demnach sicher sein, dass die Tiere gesund und artgerecht gelebt haben.
Besonderheiten bei Bio-Tieren aus Verbandsbio-Betrieben
Tiere sind beseelte Wesen und als Haustiere besonders auf die menschliche Obhut angewiesen. Leitbild des Handels der Verbands-Biobetriebe ist es, ihnen die nötige Fürsorge zukommen zu lassen und ihnen gleichzeitig spezifische, wesensgemäße Entfaltungsmöglichkeiten zu schaffen. Doch auch Biobauern halten ihre Tiere in größeren Herden und setzen rationelle Arbeitstechniken ein. Schließlich müssen sie von ihren Tieren leben können.
BIO Milchkühe
Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Wertschöpfung erzielen Biobauern mit der Milcherzeugung. Biokühe liefern heute jährlich etwa 6.000 – 9.000 Liter Milch, etwa dreimal so viel wie vor hundert Jahren. Jeder Bauer ist darauf bedacht, die Leistung seiner Tiere lange zu erhalten, ohne sie zu überfordern. Basis dafür ist gute Grundfutter-Versorgung mit Gras, Klee, Mais und Ganzpflanzensilage, ergänzt durch Bio-Kraftfutter in Form von Getreide, Lupinen, Erbsen, Ackerbohnen, Sojabohnen und/oder Ölkuchen sowie Mineralstoffen.
Anders als Kälber in den Massentierzuchtbetrieben werden die Bio-Kälber der Verbände die ersten zwölf Wochen mit Milch, vorzugsweise Muttermilch sowie mit Heu, Gras und Kraftfutter versorgt. Milchaustauscher sind nicht erlaubt, da sie Fremdbestandteile wie Fett enthalten und energieintensiv hergestellt werden.
Kühe haben entweder Weidegang oder zumindest Auslauf im Laufhof, was zur Stärkung ihres Immunsystems beiträgt. Für die Liegeflächen ist Einstreu (Stroh, Spelzen oder Sägemehl) vorgeschrieben. Jede Kuh hat Anspruch auf cirka 6 Quadratmeter Stallfläche und einen eigenen Fressplatz. Stress und Rangkämpfe werden so vermieden.
BIO-Mastrinder
Rindfleisch stammt von Kühen, Bullen, Färsen (weibliche Jungrinder) und Ochsen. Bio-Bullen erhalten Futter in Form von Kleegras und Getreideschrot. Bullen aus konventioneller Haltung dagegen meist Maissilage und Sojaschrot.
Kälber dürfen cirka 9 Monate bei ihrer Mutter bleiben und werden von ihr aufgezogen und laufen in der Herde mit. Danach werden sie entweder geschlachtet oder als Bulle weiter gemästet. Weibliche Kälber treten meist in die “Fußstapfen“ ihrer Mütter.
Von April bis September sind die Tiere auf der Weide, im Winter in einem großzügig bemessenen Laufstall mit Stroheinstreu, wobei jedem Tier etwa 5 Quadratmeter Platz zusteht. Demeter lehnt das Enthornen der Rinder ab, da Hörner zur Ganzheit des Rinderwesens gehören. Die Hörner der Tiere hätten zudem eine Bedeutung für den Aufbau der Lebenskräfte und für intensivere Verdauungs-und Stoffwechselvorgänge. Bioland erlaubt noch das weniger schmerzhafte Enthornen mit dem Brennstab.
BIO-Schweine
bewegen sich gerne, sind reinlich und sehr neugierig, daher steht ihnen eine Stallfläche von 1,1 bis 1,3 Quadratmeter zur Verfügung und zusätzliche 0,8 bis 1 Quadratmeter Auslauffläche (in der konventionellen Schweinehaltung sind nur 0,65 bis 1 Quadratmeter vorgeschrieben; Auslauf gibt es hier nicht). Manche Bio-Schweine sind ganzjährig auf der Weide, wo ihnen zum Schutz vor Regen und Kälte und zum Abferkeln Hütten gebaut werden.
Wie bei den Rindern gibt es auf dem Stallboden Stroheinstreu, das die Ferkel zum Spielen und die Muttersauen zum Nestbau und Wühlen nutzen. Liege- und Kotplätze sind in den Ställen getrennt. Vollspaltenböden sind nicht erlaubt, außer im Kotbereich.
Auch die säugenden Säue mit Ferkeln haben es mit 7,5 Quadratmetern und 2,5 Quadratmetern Auslauffläche besser als ihre Schwestern im konventionellen Stall, wo nur 4 Quadratmeter vorgeschrieben sind. Sauen werden in Gruppen gehalten. Anbinden der Sauen und das Kupieren des Schwanzes sind nicht zulässig, Abkneifen und Abschleifen der Zähne bei Ferkeln nur im Notfall.
Ferkel bekommen mindestens 40 Tage natürliche Milch von der Muttersau. Für Mast-und Zuchtschweine ist Raufutter (Stroh, Heu oder frisches Gras) vorgeschrieben.
BIO-Masthühner
leben entweder in festen Ställen, Mobilställen oder Folienställen mit verschieden hohen Sitzstangen und Sandbad, genügend Tageslicht, gutem Stallklima und geringer Staubbelastung. Um den Tieren das Scharren zu ermöglichen, muss mindestens ein Drittel der Fläche eingestreut sein. Ihnen steht im Vergleich zu ihren konventionell gehaltenen Artgenossen alleine im Stall doppelt soviel Platz zu, wobei der Grünauslauf (ca. 4 Quadratmeter pro Tier) noch nicht berücksichtigt ist. Bioland und Demeter bieten ihren Hühnern sogar noch zusätzlich einen Wintergarten (AKB-Außenklimabereich), wo sie auch bei schlechtem Wetter im Sand nach Körnern picken oder ihr Gefieder im Staubbad pflegen können. Die Tiere lieben es, draußen an der frischen Luft zu sein, was ihre Abwehrkräfte natürlich stärkt.
In Bio-Mastbetrieben werden maximal 4.800 Tiere (bioland) pro Stall gehalten. In der konventionellen Haltung gibt es keine Herdenobergrenze. Hier sind 20.000 bis 30.000 Tiere pro Stall üblich.Schnäbel dürfen nicht beschnitten oder touchiert werden.Der Lichttag der Hühner darf nicht mit Kunstlicht über 16 Stunden verlängert werden.
Bio-Hühner erhalten neben guter Betreuung auch Futter in Top-Bioqualität. Futter mit Wachstumsförderern, gentechnisch veränderte Futtermittel, künstliche Aminosäuren und Fischmehl sind verboten.
Masthühnern in Biobetrieben lässt man Zeit zum Wachsen: cirka 70 bis 90 Tage, in konventionellen Mastbetrieben meist nur 35 Tage!
BIO-Legehennen
Auch bei den Legehennen ist der Besatz mit max. 3.000 Tieren pro Stall (im Vergleich zu 20.000 Tieren in konventioneller Haltung) niedrig. 6 Tieren steht etwa 1 Quadratmeter Stallfläche zur Verfügung sowie ein Wintergarten, wie bei den Masthühnern. Auch hier muss mindestens ein Drittel der Stallfläche als eingestreuter Scharrraum angeboten werden, verschieden erhöhte Sitzstangen, Familien- oder Einzelnester sowie Futter und Wasser auf verschiedenen Ebenen in genügender Menge. Alle Tiere müssen gleichzeitig fressen können. Bei Bioland sind 5 Prozent der Stallgrundfläche als Fensterfläche vorgeschrieben. In der konventionellen Haltung gibt es für Altställe keine Vorschrift, für Gebäude ab Baujahr 2002 sind 3 Prozent vorgeschrieben.
Im Gegensatz zur konventionellen Legehennen-Haltung sind in der Bio-Haltung synthetische Dotterfarbstoffe nicht zugelassen. Biobauern erreichen die etwas hellere, aber natürlichere Dotterfarbe nur durch das Karotin im Grünfutter.
Ein Wermutstropfen
bleibt aber leider auch bei der Bio-Tierhaltung: Es gibt nur noch recht wenige BIO-Schlachthöfe in den Regionen, so dass die Tiere konventionell geschlachtet und vermarktet werden müssen.
Weiterführende Informationen zu obigen und anderen BIO-Tieren finden sich in der Broschüre “Biotiere – Fakten, Wissenswertes, Vergleiche“ vom Bioland-Verband, aber auch direkt bei Bioland (Biotiere) sowie in den Demeter-Richtlinien.
Quellen:
