Bioethanol im Benzin

Der Feind in meinem Tank?

urwald-banner - greenpeace.de
urwald-banner - greenpeace.de
Sollte der Bioethanolgehalt im Benzin ab 2009 erhöht werden, könnte das für viele Autofahrer sehr teuer werden - auch für Umrüstungen am Fahrzeug

Falls Umweltminister Sigmar Gabriel sein Versprechen nicht einlöst, werden Millionen Autofahrer in Deutschland ab 2009 ein böses Erwachen haben. Gabriel hat die Autoindustrie dazu verpflichtet, ihre Zahlen noch einmal zu überprüfen, ansonsten "wird das Bundesumweltministerium die Verordnung solange nicht in Kraft setzen, wie es Unsicherheiten bezüglich der Zahl der betroffenen PKW gibt."

Worum geht es? - Es betrifft das Vorhaben der Bundesregierung, dem Normal- und Superbenzin an Tankstellen ab 2009 statt wie bisher 5, dann 10 Prozent Bioethanol (genannt E 10) beizumischen.

Da jedoch viele herkömmliche Fahrzeuge eine höhere Beimischung nicht vertragen, da das Ethanol Schläuche und Dichtungen angreifen sowie Benzinpumpen zerstören würde, muss als erstes eine faire Lösung für Autofahrer gefunden werden.

Bioethanol

Ethanol in Verbrennungsmotoren gibt es bereits seit 1860, als Kraftstoff in einem Prototyp des Verbrennungsmotors. Bioethanol (Ethylalkohol) kann durch Destillation nach alkoholischer Gärung oder durch vergleichbare biochemische Methoden aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. In Deutschland können dafür Gerste und Hafer, sowie Zuckerrüben verwendet werden.

Die Herstellungskosten von Biosprit in Europa sind mit denen der Dritten Welt nicht vergleichbar. Aus diesem Grund ist die EU gezwungen, zum Beispiel Palmöl aus Indonesien einzuführen.

Biosprit - der Klimakiller?

Laut Chemie-Nobelpreisträger Hartmut Michel sei die bestehende Pflicht zur Beimischung von Biosprit in herkömmliche Kraftstoffe unter Umweltgesichtspunkten "extrem negativ" und rechne sich überhaupt nicht. Vor allem wegen der "verheerenden Auswirkungen" auf die Regenwälder solle die Beimischungspflicht sofort abgeschafft werden. Für die Palmölproduktion werden Regenwälder abgeholzt oder niedergebrannt. Dann werden dort Ölpalmplantagen angelegt und das Palmöl in Biodiesel umgewandelt. Bei der Brandrodung wird soviel Kohlendioxid freigesetzt. dass es mehr als hundert Jahre braucht, um dieses Kohlendioxid wieder zu binden. Das gleiche gilt für Importe von Biodiesel auf Basis von Sojabohnen aus Brasilien. Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung befürchtet eine Zunahme des Hungers, da für den Anbau der verwendeten Pflanzen zunehmend Ackerland genutzt wird.

Laut des Internationalen Instituts für Wasserwirtschaft (IWW) wird die ohnehin bereits angespannte Wasserversorgung durch den Anbau von Pflanzen zur Gewinnung von Biosprit noch verschärft. Der Anbau von Pflanzen für einen einzigen Liter Biokraftstoff verschlingt demnach je nach Region bis zu 3.500 Liter Wasser.

Mehr Einkünfte für den Staat

Sollte die Beimischung von 10 Prozent im Benzin tatsächlich ab 2009 vorgeschrieben werden, verdient der Staat gleich mehrfach: Da Alkohol weniger Energie pro Liter enthält, steigt der Verbrauch. Ebenso steigen die Steuern: Macht sechs Cent mehr pro Liter. Sollten Autofahrer die erhöhte Beimischung nicht wünschen - zum Beispiel, weil ihr Auto den höheren Bioethanol-Gehalt nicht verträgt -, sind sie gezwungen, Super-Plus zu tanken, das weiterhin 5 Prozent Bioethanol enthält. Auch da freut sich der Fiskus.

Autoindustrie ist nicht vorbereitet

Laut des Fernsehmagazins "Frontal 21" sind die meisten Autohersteller keineswegs auf die bevorstehende Erhöhung der Beimischung vorbereitet. Offiziell spricht die Autoindustrie von lediglich 375.000 Fahrzeugen, die betroffen seien - also für viel Geld umgerüstet werden müssten -, laut ADAC jedoch seien es "mehrere Millionen". Dies bestätigen auch Nachfragen bei einzelnen Autoherstellern. Viele Autofahrer sind nun verunsichert. Zwar kann ein Halter, dessen neues Auto durch den Neuen E 10-Sprit einen Motorschaden erleide, den Hersteller verklagen, wenn dieser ihm vorher die E-10-Freigabe erteilt habe, so Klaus Reindl vom ADAC. Doch die Beweislast für die Ursache liegt beim Autohalter.

Julia Strelow, Stephan Wallocha

Julia Strelow - Autorin der Bücher: "Ratgeber Nachhilfe - Informationen, Adressen, Berichte" sowie "Jetzt sind wir dran?! - Frauen in der ...

rss