Biologika sind eine neue Kategorie von Arzneimitteln, die in den letzten Jahren die medikamentöse Behandlung in vielen Bereichen der Medizin – unter anderem der Onkologie, der Gastroenterologie, der Dermatologie und der Rheumatologie – nachhaltig verändert haben und dies in Zukunft noch mehr tun werden.
Was genau sind Biologika?
„Es handelt sich bei Biologika um gentechnisch hergestellte Eiweißmoleküle, welche die jeweils vorliegenden Krankheitsprozesse an bestimmten, vorberechneten Schaltstellen unterbrechen“, erklärt Prof. Dr. Peter Fritsch von der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie in Innsbruck. „Meist sind dies gegen bestimmte Schlüsselmoleküle gerichtete Antikörper oder Fusionsproteine, die in tierischen Zellen produziert und durch nachfolgenden Umbau mit menschlichen Bestandteilen weitgehend ,humanisiert’ werden.“
Symptomatische Wirkung von Biologika
Im Unterschied zu konventionellen Systemtherapeutika wirken Biologika also „gezielter“. Die Erzeugung dieser Arzneimittel wurde erst durch den verbesserten Einblick in die Krankheitsvorgänge möglich. Die immunologischen Substanzen werden zum Beispiel zur Therapie der Schuppenflechte (Psoriasis) und anderer entzündlicher Hautkrankheiten eingesetzt – oft mit herausragendem Erfolg.
Biologika wirken bei Schuppenflechte unterschiedlich
Verschiedene Biologika-Präparate haben eine unterschiedliche Wirkung. Infliximab, Adalimumab und Etanercept wirken durch Blockierung der Wirkung des Tumornekrosefaktor, einem Mediator der Entzündung, der bei der Schuppenflechte eine entscheidende Rolle spielt. Efalizumab hemmt das Einwandern von Entzündungszellen aus den Gefäßen bei der Psoraisis und blockiert die Aktivierung der Immunzellen in der Haut. Die Unterschiede beziehen sich zudem auf die Schnelligkeit des Wirkungseintritts, die Nachhaltigkeit der Wirkung und das Ausmaß der Wirkung auf eine mögliche begleitende Psoriasisarthritis.
Unterschiedliches Ansprechen auf Biologika
„Trotz der generell sehr guten Wirksamkeit aller genannten Biologika sprechen nicht alle Patienten darauf an; es gibt individuelle Abweichungen, deren Ursachen gegenwärtig abgeklärt werden“, gibt Prof. Fritsch zu bedenken. Und: „Trotz des oft ausgezeichneten Erfolges wirken auch Biologika nur symptomatisch, es kann genauso wie bei der Verwendung herkömmlicher Therapien später zum Rezidiv kommen.“ Will heißen: Biologika wirken zwar häufig schneller und intensiver als herkömmliche Medikamente. Bei manchen Patienten kommt es jedoch nach Monaten zum Wirkungsverlust.
Nebenwirkungen von Biologika
Vorteile der Biologika sind ein günstigeres Nebenwirkungsprofil und dass die zusätzliche Lokaltherapie oft überflüssig wird. Die Nebenwirkungsrate ist – außer milden Infusionsreaktionen – insgesamt gering. „Insbesondere kommt es nur sehr selten zu – aufgrund theoretischer Überlegungen zu befürchtenden – anaphylaktischen Reaktionen (auf einer Überempfindlichkeit gegen körperfremdes Eiweiß beruhend) oder zu einer Schwächung der Immunabwehr“, resümiert Experte Fritsch. Eine potenziell gefährliche Nebenwirkung ist das Aufflammen latenter Infektionen bei Verabreichung von Tumornekrosefaktor-Inhibitoren. So muss zum Beispiel eine Tuberkulose vor der Therapie mit Biologika ausgeschlossen werden.
Vorteile von Biologika gegenüber herkömmlichen Therapien
Ein bedeutsamer Vorteil gegenüber den herkömmlichen Systemtherapien ist, dass Biologika weitgehend frei von organspezifischen Nebenwirkungen sind (Leber, Niere, Lichtalterung der Haut, Karzinogenese etc.). Ein Problem sind die hohen Kosten von Biologika. Und dass es noch keine Langzeitstudien gibt.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite 101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – nicht ersetzen kann.
