Während sich in Deutschland die Regale der Biosupermärkte mit ökologischen Tomaten, Avokados und Olivenöl aus Andalusien füllen, gibt es in der südspanischen Region kaum einen Markt für Obst und Gemüse aus biologischem Anbau. Obwohl die Region innerhalb Spaniens der wichtigste Produzent ökologischer Produkte ist und Spanien dank Andalusiens nach den Niederlanden, Frankreich und Italien der viert größte europäische Exporteur von Bioprodukten nach Deutschland ist, ist das Interesse für Salate und Co. mit Biosiegel vor Ort gering.
80 Prozent der Bio-Produkte in den Export
Ingesamt werden mehr als 90 Prozent der biologischen Produktion Andalusiens außerhalb der Grenzen der Region verkauft, 80 Prozent der gesamten spanischen Produkte wird exportiert. „Die Situation ist paradox: Die Region mit der größten Produktion hat keinen eigenen Absatzmarkt. Aber als exportabhängiger Produzent ohne eigenem regionalen Markt steht die ökologische Landwirtschaft in Andalusien auf schwachen Beinen", fasst die Koordinatorin biologischer Produzenten in der Provinz Málaga, Eva Torremocha, die aktuelle Situation des Biomarktes in Andalusien zusammen. „Es muss in der Bevölkerung eine Akzeptanz für Bioprodukte herrschen. Sonst sind mehr ökologisch bewirtschaftete Agrarflächen nicht durchzusetzen." Die junge Frau arbeitet für die erst in der letzten Wahlperiode eingerichtete Stelle für ökologischen Anbau im andalusischen Landwirtschaftsministerium . Sie weiß genau für was sie kämpft: Landwirtschaft muss in ihren Aufgaben ökologisch sein. Damit die Politik dafür Gelder locker macht, muss sie den Konsum in der eigenen Bevölkerung erhöhen.
In der Provinz Málaga soll der erste Schritt auf diesem Weg getan werden. „Die Costa del Sol soll der Impulsgeber für die gesamte Region werden, denn hier gibt es wegen des großen Anteils der ausländischen Bevölkerung eine Basis, auf die wir aufbauen können." Denn allen voran Deutsche, Engländer und Holländer wissen biologische Produkte bereits zu schätzen und sind für Waren mit dem Stempel "biologisch" offen. Der Grund dafür liegt vor allem in der höheren Kaufkraft und dem Lebensstandard. „In Deutschland können sich die Menschen schon seit mindestens vierzig Jahren auf den Teller laden, was sie wollen. Hier in Spanien liegt die Zeit, als ein Großteil der Bevölkerung hungern musste, noch nicht lange zurück", erklärt Torremocha. „Deshalb kaufen viele noch nach dem Motto „um so mehr um so besser" und achten weniger auf die Qualität."
Konsumiert wird nur in Málaga
Die Hoffnungen des heimischen Absatzmarktes liegen also auf Málaga. Die Provinz selbst liegt bei der ökologischen Produktion im regionalen Vergleich nur auf dem vorletzten Platz, vor Almeria. Insgesamt gibt es in der Provinz Málaga zwar ganze 550 landwirtschaftliche Betriebe, die auch - oder ausschließlich - biologisch anbauen. In den meisten Fällen wird aber nur auf kleinen Flächen bestellt.
Es gibt genau vier „Bioläden" in der gesamten Provinz. Darüber hinaus haben zwei Supermarktketten einzelne ökologische Produkte im Angebot. „Die Auswahl dort ist aber sehr begrenzt. Frische Sachen gibt es kaum, fast alles sind verarbeitete Importprodukte", hat Torremocha beobachtet. Schließlich gibt es noch drei Konsumentenvereinigungen. Dort können Mitglieder einmal wöchentlich eine Vorbestellung abgeben. Für spontane Einkäufer fällt diese Möglichkeit weg.
In einer Marktanalyse fand Torremocha heraus, dass jede Gesellschaftsschicht Vorbehalte gegenüber Tomaten, Erdbeeren und Avokados mit Biosiegel hat. Oft werde das Prefix „öko" auch abfällig mit „Das ist doch was für Hippies" abgetan. Das Problem liegt jedoch nicht nur auf der Seite der Konsumenten. Die großen Produzenten fühlen sich in ihrer Rolle als Exporteure wohl. Das Interesse in der Heimat wecken? Wozu?
Die Kooperative Ecobalcon in Nerja zum Beispiel ist eine der großen Produzenten der Provinz. Sechs Landwirte haben sich zu Ecobalcon zusammengeschlossen, um gemeinsam biologische Produkte zu vermarkten. Die gesamte Produktion geht ins europäische Ausland, vor allem nach Deutschland. Nur ein paar wenige Kisten mit Mangos, Avokados und Tomaten gehen an die Verbrauchervereinigungen in Málaga und an ein Geschäft mit Bioprodukten in Fuengirola. „Wieso sollten wir hier anbieten, wenn es keine Nachfrage gibt", fragt sich Miguel Gómez Armijo, der Verwalter der Produktionsgemeinschaft. Ecobalcon exportiert sein Obst und Gemüse an ausländische Supermärkte. Auf den abgepackten Tomaten klebt zum Beispiel ein Aufkleber mit der Aufschrift „Füllhorn". Dort ist der Verkauf gesichert.
Vor genau fünfzehn Jahren begannen die Mitglieder der Kooperative als eine der ersten ihren Anbau teilweise auf ökologische Produkte umzustellen. Im großen Stil ging es aber erst vor sechs Jahren los. Im Jahr 2000 begannen die Subventionen der europäischen Union zu fließen. Seitdem wächst die Produktion in der ganzen Region jährlich um stolze vierzig Prozent. Andalusien und Spanien liegt damit im Wachstum der biologischen Anbaufläche ganz vorn im europäischen Vergleich.
Probleme für kleine Produzenten
Problematisch ist die Situation für kleine Produzenten. Auch sie müssen sich am europäischen Markt orientieren, denn innerhalb der Region schaffen sie es nicht, zu überleben. Doch an dieser Herausforderung scheitern nicht wenige. Die Agrarproduktionsgemeinschaft Molienda Verde in Benalauría musste sogar bis auf den japanischen Markt Kunden suchen, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können - und dafür Verlustgeschäfte in Kauf nehmen. „Da unsere Produktion zu klein ist, können wir keine Supermarktketten beliefern. Zu unseren Abnehmern gehören vor allem Feinkostläden", erklärt Antonio Viñas, zuständig für Vermarktung in der La Molienda Verde. Die Kooperative verarbeitet neben konventionellen auch biologische Produkte zu Marmeladen, Konserven und Fertiggerichten. Sich auf dem ausländischen Markt durchzusetzen, hat den 36-jährigen einige graue Haare gekostet.
Deshalb will die Partei Los Verdes, die spanischen Grünen, in deren Händen die Stelle für ökologischen Anbau liegt, den heimischen Absatzmarkt ankurbeln. An die Kantinen der Schulen verteilen die Produzenten zu diesem Zweck Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau und informieren die Kinder gleichzeitig über die Vorteile von Bio. Mehrere Aufklärungsaktionen sollen gestartet werden.
