
- Bio-Haltung. Ökonomie trifft Ökologie - Jan Thomas Otte
Vor allem die Discounter Aldi und Lidl machen dabei aufgrund ihrer Kundennähe die größten Gewinne. Ob nun Gummibärchen, Apfelsaftschorle oder Tiefkühlpizza aus kontrolliertem biologischem Anbau – mehr als 30.000 Produkte tragen mittlerweile ein Bio-Siegel auf der Verpackung, auch Bio-Fisch ist bereits zu haben.
Bereits ein flüchtiger Blick in die Ladenarchitektur der Supermärkte zeigt: grün getönte, mit allerlei Bio-Produkten gefüllte Regale – Tendenz steigend, ein echter Boom mit klingender Kasse. So wächst zum Beispiel der Umsatz mit den rund 200 verschiedenen Eigenmarkenprodukten „Grünes Land“ beim Metro-Konzern, die das EU-Biosiegel für Lebensmittel tragen, zweistellig. Die umsatzstärksten Bio-Produkte im Gesamtsortiment sind Molkereiprodukte, Eier, Obst und Gemüse.
Bio-Importe aus dem europäischen Ausland
Gemessen am gesamten Lebensmittelmarkt ist der Bio-Anteil nach Greenpeace-Angaben mit knapp vier Prozent in Deutschland nach wie vor gering. Die deutschen Politiker hätten diesen Trend nicht rechtzeitig erkannt, kritisiert Manfred Krautter von Greenpeace in Hamburg. Der Lebensmittel-Experte fordert eine stärkere Förderung des biologischen Anbaus in Deutschland. Momentan werde der Großteil der Bio-Produkte im Supermarkt noch aus dem europäischen Ausland importiert. Zum Beispiel spanische Paprika. Die würden zwar den Anforderungen der Bio-Siegel entsprechen, „verschmutzen aber auf ihrem Transport unnötig die Umwelt, sind weniger frisch“, erklärt Krautter.
Strategische Umstellung auf Biolandbau ist teuer
Doch auch Biohöfe wie in Bückeburg laufen gut. Zwar ist eine Umstellung auf Biolandbau kostspielig, die Sachkosten und Gehälter für Mitarbeiter gestiegen – der Gewinn aber ebenso. Trotz harter Arbeit und manchem Schlechtwetter hat die Familie „richtig Spaß“ an ihrem Job. Die Bauersfrau Waltraud Hornung hat den Betrieb 1986 von ihren Eltern übernommen. Ihre Söhne machen zurzeit eine Ausbildung, um später den Hof zu übernehmen. Bereits im 17. Jahrhundert wurde das Anwesen gegründet, Hornungs führen den Hof in 16. Generation.
Fairere Preise fordern bewussteres Einkaufen
Neben den Kirchenleuten plädieren auch Politiker zum Erntedankfest für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen der Schöpfung. Neben der Klima- und Energiediskussion, auch bei Lebensmitteln – Kernthema des kirchlichen Festes Anfang Oktober. Die Verbraucher wollen wieder wissen, woher ihre Nahrungsmittel kommen, unter welchen Bedingungen diese erzeugt wurden.
Damit könne jeder einen Beitrag zur Erhaltung unserer Kulturlandschaft leisten, sagt Peter Hauk, Minister für Ernährung und Landwirtschaft in Baden-Württemberg. „Die Mehrkosten bei Lebensmitteln müssen aber auch bei unseren Landwirten ankommen“, fordert der Minister. Dabei dürfe es zu keiner „Spaltung der Versorgung“ kommen: Gute, gesunde Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln und Getreide solle sich jeder leisten können.
Christliches Ritual trotz Wind und Witterung
Das christliche Erntedankfest will deutlich machen, dass Menschen nicht nur von Luft und Liebe leben, Milch und Honig nicht von alleine fließen. „Für etwas zu danken, fällt in unserer von Ansprüchen geprägten Umwelt vielen Menschen nicht von alleine ein“, erklärt ein Pfarrer auf dem Land die Relevanz dieses Festtags im Kirchenjahr. Die Kirchen wollen dabei wieder ins Gedächtnis rufen, dass ihre christlichen Symbole Wein und Brot direkt mit dem Menschen verbunden sind, lebensnotwendig sogar.
In einer Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland heißt es, dass Heimat einen festen Sitz im Leben habe, die Bindung an vertraute Personen, Lebensmittel aus der Region. Aber auch feste Riten und Bräuche wie dem Erntedankfest, in dem dieses Bewusstsein ausgedrückt und gefestigt werden kann. Und ebenso, dass Lebensmittel von Menschen angebaut werden. Konventionell anbauenden Landwirten und solchen, die wie Familie Hornung auf biologischen Anbau setzen. Dabei kommt die Abhängigkeit von Wind und Wetter trotz Bauernkalender, christlichem Glauben und Erntedankfest immer wieder in die Quere.
