
- Cover Homeoffice - orell füssli
Zu Hause arbeiten, das ist für viele ein Traum, denn es bedeutet ein Maximum an Unabhängigkeit und persönlicher Freiheit. Es gibt keine Vorschriften mehr, wann man anzutreten, oder wie man sich zu kleiden hat; man kann arbeiten, wann man will und wo man will, im Sommer im Garten oder Park, im Winter mit einer Decke auf dem Sofa. So sehen die Träume aus, doch im Homeoffice arbeiten bedeutet auch, gnadenlos den eigenen Unzulänglichkeiten ausgeliefert zu sein. Erst, wenn man ganz allein am Schreibtisch sitzt, bemerkt man, dass die festen Arbeitszeiten und die kontrollierenden Blicke der Kollegen, über die man wahrscheinlich jahrelang geschimpft hat, auch eine nützliche Seite hatten: Immerhin arbeitete man, statt im Internet zu surfen oder den Kühlschrank zu putzen.
Birgit Golms und Gudrun Sonnenberg haben mit „Homeoffice“ ein Buch geschrieben, in dem es um die Tücken des Arbeitens am heimischen Schreibtisch geht.
Der Umgang mit der Zeit und Freiheit
Die beiden Autorinnen starten ganz klassisch mit dem Zeitmanagement und der Selbstorganisation und geben Tipps, wie man einen Tag mit vielfältigen Aktivitäten am besten planen kann, um ein Optimum herauszuholen, ohne sich dabei völlig zu verausgaben. Über das Zeitmanagement gibt es bereits viele Bücher, aber es macht doch einen großen Unterschied, ob man in eine Organisation eingespannt ist oder eigenverantwortlich arbeitet. In „Homeoffice“ findet man deswegen auch Tipps, wie man sich dazu bringt, die eintönigen Arbeiten nicht endlos aufzuschieben, sondern zu erledigen, die notwendigen Pausen einzuhalten, statt einfach durchzuarbeiten, und wie man es am besten schafft, nach einer Pause die Arbeit wieder aufzunehmen. Das mag banal klingen, doch es sind genau diese kleinen Dinge, die langfristig für den Erfolg oder Misserfolg der Heimarbeit sorgen.
Privatleben und Arbeit trennen
Ein größeres Problem können die lieben Verwandten und Freunde bilden, wenn sie der Meinung sind, man hätte ständig Zeit für sie, denn „du bist doch eh zu Hause“. Vielleicht hat man sich sogar für die Arbeit daheim entschieden, um mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können, doch wenn sie permanent ins Arbeitszimmer platzen und womöglich bei einem wichtigen Telefonat in den Hörer kreischen, wird die Nähe zum Problem. Golms und Sonnenberg bieten auch dafür Ratschläge an, die von der klaren Positionsbeziehung reichen (denn eventuell erweckt man zu Hause nicht den Eindruck tatsächlich zu arbeiten) bis hin zum zeitweiligen Arbeiten im Kinderzimmer.
Die vernachlässigte Mittagspause
Im Homeoffice wird sichtbar, wie die großen und kleinen Kräfte zusammenspielen und über den Erfolg des Projekts bestimmen. Deswegen geht es nicht nur um Tages- und Wochenpläne, sondern auch dem von Freiberuflern gerne übergangenen Mittagessen wird im Buch ein Platz eingeräumt, inklusiv Rezept für ein Salatdressing.
Ein großes Plus dieses Buches ist, dass es keine allgemeingültigen Regeln aufzustellen versucht, sondern der Tatsache Rechnung trägt, dass jeder ein anderer Arbeitstyp ist – und wo sollte man das besser ausleben können, als am eigenen Schreibtisch?
Birgit Golms; Gudrun Sonnenberg: Homeoffice. Erfolgreiches Heimspiel dank Zeit- und Selbstmanagement. orell füssli 2009. Gebunden, 175 Seiten. EUR 19,90.
