Bismarcks erste Kontakte zum Königshaus

Späterer Reichskanzler kämpft für monarchische Ordnung

Otto von Bismarck knüpfte 1847 die ersten Kontakte zu König Friedrich Wilhelm IV. Doch die Haltung der preußischen Krone während der Revolution 1848/49 enttäuschte ihn.

Anfang Oktober 1847 erhielt Otto von Bismarck bei seiner Hochzeitsreise eine Einladung zur königlichen Tafel in Venedig. König Friedrich Wilhelm IV. ließ ihn wissen, dass er seine politische Haltung sehr schätze, wodurch bei Bismarck Hoffnungen auf eine politische Karriere im Dienst der Krone aufkeimten. Diese wurden jedoch schon sechs Monate später vorerst begraben, als sich der König den innenpolitischen Forderungen der siegreichen Revolution beugte und sich selbst gleichzeitig an die Spitze der nationalen Bestrebungen setzte. Für Bismarck war das eine große Enttäuschung.

Bismarck kämpft für monarchische Ordnung

Die Nachricht vom Triumph der Volksmassen und die Demütigung der preußischen Krone am 18./19. März 1848 drängten ihn dazu, mit seinen Bauern den König aus der Gewalt der Aufständischen zu befreien. Behauptungen, dass dies ein kluger politischer Akt war und so ein Bürgerkrieg verhindert worden war, hatte Bismarck immer mit großer Leidenschaft abgelehnt. Er glaubte, dass der König mit Gewalt erpresst wurde. Als er jedoch die Wahrheit erfuhr, war er voller Verachtung und sofort entschlossen, sich an allen Bestrebungen zur Rettung der traditionellen monarchisch-aristokratischen Ordnung gegen den gegenwärtigen Träger der Krone zu beteiligen. Bismarck deutete angeblich eine Gegenrevolution vorsichtig bei Augusta, der Frau des Bruders von Friedrich Wilhelm IV., an, mit ihr als möglicher Regentin. Er hatte dies im Nachhinein aber immer bestritten, auch in seinen Erinnerungen. Wie die Wahrheit auch sein mag, so wurde eins deutlich: Die Aktivitäten Bismarcks beinhalteten zum ersten Mal die Infragestellung des freien Entscheidungsrechts der Krone. Dem Monarchen wurde Schwäche und Feigheit bescheinigt und in letzter Konsequenz auch die Legitimation für den Thron abgesprochen.

Gegen Beschlüsse der Preußischen Nationalversammlung

Bismarcks Denken und Handeln ist immer im Zusammenhang mit der internationalen Situation zu sehen. Der Waffenstillstand von Malmö (26. August 1848) wurde allgemein als niederträchtig empfunden. Bauern, Kleinbürger, Arbeiter und Studenten strömten in Frankfurt zusammen. Es kam zu Protestversammlungen und Demonstrationen. Sie bildeten einen vielstimmigen Protest. Der Aufstand wurde jedoch mit Gewalt niedergeschlagen. Am 31. Oktober erklärte das Parlament in Berlin den Adel für abgeschafft. Solche Beschlüsse reizten Männer wie Bismarck, konnten sie aber nicht erschüttern. Den radikalen Beschlüssen der Preußischen Nationalversammlung fehlte schließlich die innere Konsequenz. Am 1. November trat das Ministerium um Pfuel zurück. Bismarck agierte nicht allein aus privatem Interesse, sondern als Vertreter seiner heimatlichen Junker.

Ministeragent des Königs

General von Wrangel marschierte am 11. November in Berlin ein und erklärte den Belagerungszustand. Die Nationalversammlung wurde daraufhin von Berlin nach Brandenburg verlegt. Bismarck übernahm in diesen Tagen die Rolle eines Ministeragenten des Königs. In diesem November handelte Bismarck als ein sehr konsequenter Mann – diese von Zweifeln und Skrupeln gänzlich freie Entschlossenheit verlieh ihm gesteigerte Durchschlagskraft.

Nach vielen Wegstationen und einigen Wendepunkte entwickelte sich aus dem konterrevolutionären Scharfmacher ein tatkräftiger preußisch-deutscher Staatsmann, der 20 Jahre später mithilfe einer Revolution von oben den begonnenen Prozess der bürgerlichen Umwälzung in Deutschland zu Ende führte. Die Revolution festigte in dem angehenden Staatsmann eine wichtige konservative Grundeinstellung. Er war voller Abneigung gegen die Aktivitäten der Volksmassen und der liberalen Parlamentsredner bei der Lösung der deutschen Frage.

Lars Hartfelder - Lars Hartfelder, M.A. Geboren 1977 in Finsterwalde (Brandenburg). Arbeitet seit 2005 als freier Journalist in Cottbus, unter anderem ...

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