Bittere Schokolade - unser Genuss erkauft durch Kinderarbeit

Bittersüßer Kakao - Zarni / pixelio.de
Bittersüßer Kakao - Zarni / pixelio.de
Kinderarbeit auf Kakaoplantagen. Wie weit reicht die Verantwortung der Unternehmen? Können Konsumenten erfolgreich dagegen wirken?

Heiß geliebt von Alt und Jung. Doch wissen nur die wenigsten um die menschenunwürdigen Bedingungen auf den Kakaoplantagen und dass wir unseren Genuss mit Kinderarbeit erkaufen. Schokolade. Die meisten Menschen verbinden damit Genuss und Wohlbehagen. Ob Vollmilch- Zart- oder Edelbitter, Pralinen oder Trinkschokolade – für jeden ist etwas dabei. Mit Schokolade können wir uns belohnen, trösten oder einfach zwischendurch verwöhnen.

Hauptanbaugebiete der Kakaobohnen

Ursprünglich in Mittelamerika beheimatet, sind die Hauptanbaugebiete des Kakaos heute vorwiegend in Südamerika, Südostasien und Afrika zu finden. Etwa 40 Prozent des weltweit gehandelten Rohkakaos stammen von der Elfenbeinküste. Kakao wird in den verschiedenen Ländern auf sehr unterschiedliche Weise angebaut. Während der Kakao in Amerika vorwiegend auf Plantagen angebaut wird, erfolgt der Anbau im afrikanischen Raum in kleinbäuerlichen Familienbetrieben. Diese Familienbetriebe bewirtschaften meist nur kleine Felder von weniger als fünf Hektar.

Verkaufte Kinder im 21. Jahrhundert

Nach UNICEF-Berichten wird die Zahl der Kinder, die auf Kakaoplantagen in West- und Mittelafrika zur Arbeit gezwungen werden, auf weit über 200.000 geschätzt. Nachweislich werden Kinder aus Burkina Faso und Mali verschleppt, um auf Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste zu arbeiten. Wie in dem erschütternden Dokumentationsfilm des dänischen Filmemachers Miki Mistrati zu sehen ist, kann bei einem der vielen Menschenhändler bereits für etwa 230 Euro ein Kind gekauft werden, um es auf einer der Kakaoplantagen arbeiten zu lassen. Die Gründe dafür sind unter anderem darin zu finden, dass es für die Bauern keine Preisgarantie für ihre Kakaobohnen gibt. Pro Kilo – die Grundlage für rund 40 Tafeln Schokolade - erhalten die Bauern im Durchschnitt nur 75 Cent. Sie leben in völliger Abhängigkeit vom Weltmarktpreis und von dem, was ihre Zwischenhändler bereits sind zu bezahlen. Darum sparen sie bei der einzigen kalkulierbaren Größe, der Arbeitskraft. Die Kinder, die hier arbeiten müssen, sind großteils unterernährt und durch die ungeschützte Arbeit mit Pestiziden schwer krank. Da die Kakaobohnen nur händisch mit Macheten geerntet werden können, kommt es auch immer wieder zu schweren Unfällen.

2001 hat die Kakao- und Schokoladenbranche mit dem „Harkin-Engel-Protokoll“ eine freiwillige Selbstverpflichtung unterzeichnet und versprochen, den schlimmsten Formen von Kinderarbeit, Kinderhandel und Zwangsarbeit von Erwachsenen auf den kleinbäuerlich betriebenen Kakaofarmen an der Elfenbeinküste bis 2005 ein Ende zu setzen. Einem Bericht aus dem Jahr 2010 zufolge hat sich an diesen unhaltbaren Zuständen jedoch nichts geändert.

Liegt die Verantwortung nur bei den Unternehmen?

Der Filmemacher Miki Mistrati vermittelt in seiner Dokumentation den Eindruck, dass sich die Großkonzerne kommentarlos aus der Verantwortung stehlen möchten und ausschließlich am Profit interessiert sind. Doch ist es wirklich so einfach? Kinderarbeit ist weltweit verboten, auch an der Elfenbeinkünste. Tatsache ist aber auch, dass sich in diesem, von bürgerkriegsähnlichen Zuständen geplagten und breiter Korruption durchsetzten Land niemand um die Einhaltung bestehender Gesetze kümmert. Es ist also auch die Politik gefragt, sich an dieser Diskussion zu beteiligen und Druck auf die Einhaltung der Gesetzte auszuüben.

Wie kann der Konsument dazu beitragen, diese Missstände zu beenden?

Dass sich die Großkonzerne um eine Verbesserung der Situation bemühen, ist unbestritten. Beispielsweise hat sich das Unternehmen Mars verpflichtet, die Produktion bis zum Jahr 2020 vollständig auf Kakao aus nachhaltigem, zertifiziertem Anbau umzustellen. Wenn man nun berücksichtigt, dass allein die Firma Mars einen jährlichen Kakaobedarf von rund 300.000 Tonnen hat, ist verständlich, dass diese Projektziele nicht kurzfristig zu erreichen sind.

Abgesehen von den Bemühungen der Großkonzerne, gibt es bereits einige Schokoladenproduzenten, die dazu übergegangen sind, ihre Kakaobohnen von zertifizierten Betrieben an der Elfenbeinküste zu kaufen. Durch den Kauf dieser, mit speziellen Siegeln gekennzeichneten, zertifizierten Schokolade, kann jeder einzelne einen Beitrag dazu leisten, Kinderarbeit abzuschaffen.

Die strengen Richtlinien der Zertifizierer wie Transfair, Rainforest Alliance und Utz Certified schließen nicht nur ausbeuterische Kinderarbeit aus, sondern garantieren, dass beim Anbau des Kakaos soziale und ökologische Mindeststandards eingehalten werden. Farmer die ihre Kakaobohnen nach diesen strengen Richtlinien anbauen, erhalten nicht nur Schulungen zum nachhaltigen, ökologischen Anbau, sondern auch garantierte Mindestpreise. Eine Maßnahme, die die Menschen in diesem von politischen Unruhen geprägten Land, im Aufbau einer menschenwürdigen Existenz unterstützt und dazu beiträgt, ausbeuterische Kinderarbeit zu beenden.

Einem genussvollen Schoko-Schlemmen, ohne bitteren Nachgeschmack, steht dann nichts mehr im Weg.

Quellen: