
- Ulrike Bliefert: Bitterherz - Thienemann Verlag
Als Sophie eines Tages mit unerträglichen Schmerzen in einem dunklen Raum erwacht, wird ihr bewusst, dass ihr etwas Schlimmes zugestoßen sein muss, woran sie sich nicht mehr erinnern kann. Sie hat eine Wunde an ihrem Hinterkopf und kann sich aus eigener Kraft nicht retten.
Indem sie das Geschehen um Sophie in zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt, treibt die Autorin Ulrike Bliefert in ihrem Krimi „Bitterherz“ die Spannung in die Höhe. Einerseits erfährt man aus Opferperspektive, was diesem nach dessen Entführung widerfährt, andererseits erfährt man aus personaler Erzählperspektive, was nach Sophies Verschwinden in ihrem Dorf geschieht. Durch Wechsel der Schriftart werden die Handlungsstränge übersichtlich gehalten und voneinander getrennt.
Sophies Verschwinden
Sophie ist ein intelligentes 16-jähriges Mädchen, das ein zufriedenes Leben mit ihren Eltern und Freunden in der Eifel führt. Sie ist fleißig und arbeitet an ihrem Jugend-forscht-Projekt. Mit ihrer Freundin Nina verbringt sie viel Zeit. Alles scheint in ihrem Leben perfekt zu sein, bis sie eines Tages spurlos verschwindet. Nach und nach stellt sich heraus, dass Sophie aufgrund eines Anrufs von einer öffentlichen Telefonzelle das Haus verlassen hat. Lediglich ihr Fahrrad und einige ihrer Kleidungsstücke werden am Stadtrand gefunden. Fest steht, dass sie sich anscheinend heimlich mit jemandem treffen wollte. Doch wer sie angerufen hat und was am Stadtrand geschehen ist, bleibt zunächst ungeklärt.
Sophies beste Freundin: Nina
Das ganze Dorf und die Medien berichten ständig über den „Fall Sophie“. Nina ist sehr besorgt um ihre Freundin. Sie macht sich Vorwürfe, weil es einen Tag vor Sophies Verschwinden zu einer kleinen Diskussion zwischen ihr, Sophie und Ninas Freund kam. Nina hat es selbst nicht sehr einfach im Leben. Sie hat in ihrem Elternhaus sehr viel Gewalt durch ihre Tante Hedwig, die Schwester ihres Vaters, erfahren. Diese tyrannisiert Nina, ihre kleinen Zwillingsbrüder Jona und Micha und sogar die Mutter, bis sich Nina eines Tages wehrt und zurückschlägt. Kaprolath, ein alter Rentner, findet Nina Stunden später krankenhausreif geschlagen im Wald und bietet ihr Unterkunft in seinem Hof. Seitdem lebt sie bei Kaprolath und trifft sich jeden Mittwoch mit ihrer Mutter, die heimlich das Haus verlässt. Jahrelang hatte Ninas Vater der Familie das Verhalten der Tante schön geredet, Krach gäbe es ja überall. Ninas Mutter, die sich mit dieser Situation zunächst abgefunden hat, wird im Laufe der Zeit selbstbewusster. Mit Ninas Unterstützung und Ermutigungen schafft sie es auch, sich von ihrem Mann zu trennen und ein gewaltfreies Leben zu führen.
Wer ist der Täter
Fest steht, dass Sophie etwas Schlimmes zugestoßen sein muss. Was ist geschehen? Und wer ist eigentlich der Täter? Der Verdacht fällt zunächst auf Timo, Ninas neuem Freund. Als herauskommt, dass Timo bereits im Gefängnis war und eine Bewährungsstrafe bekommen hat, lenkt ein sensationslustiger Journalist den Tatverdacht auf Timo. Das Gerücht verbreitet sich sehr schnell. Zudem wird Timo auch noch von seinem Arbeitgeber gekündigt. Als ihm noch sein Vermieter alle Sachen aus der Wohnung auf die Straße wirft und das ganze Dorf aufgehetzt wird, wird es immer schwieriger Timos Unschuld zu beweisen. Während all dieser Geschehnisse verstreicht wertvolle Zeit: Denn der Täter der herzlosen Tat stammt aus Sophies Vergangenheit und hatte es nie leicht im Leben. Rache, Hass und Neid sind die führenden Motive der Tat.
Die Autorin: Ulrike Bliefert
Ulrike Bliefert studierte Germanistik, Anglistik und Theaterwissenschaften. Anfang der 1970er Jahre begann ihre Schauspiellaufbahn. Auch als Fiml-, Fernsehschauspielerin, Hörspiel- und Hörbuchsprecherin und Drehbuchautorin ist Bliefert tätig. Seit 2007 schreibt sie auch Romane. "Bitterherz" ist das vierte Buch der Autorin. Davor hat sie "Lügenengel", "Voll verliebt im Tor" und ebenfalls im Thienemann Verlag erschienen "Elfengrab" veröffentlicht.
Dieser Krimi beweist, dass auch das Genre "Krimi" nicht nur die Bezeichnung Literatur verdient, sondern auch anspruchsvolle Literatur sein kann. Ein Krimi ohne Mord und Totschlag, der den Leser bis zur letzten Seite fesselt.
Ulrike Bliefert: Bitterherz. Thienemann Verlag 2011, 205 Seiten.
