
- DVD-Cover von Black Death - Sony Pictures Home Entertainment (über Amazon.de)
Im Jahr 1348 wütet die Pest in England. Menschen sterben wie die sprichwörtlichen Fliegen, man sieht in jeder Stadt und jedem Dorf, wie die Pestleichen reihenweise verbrannt werden müssen. Inmitten all dieser Not meldet sich Osmund, ein junger Mönch (Eddie Redmayne), freiwillig, eine Gruppe von Söldnern, die von einem Mann namens Ulric (Sean Bean) angeführt werden, zu einem Dorf in der Nähe seines Geburtsortes zu führen.
Osmund, der diesen Auftrag für ein Zeichen Gottes hält, da seine heimliche Liebe dort nahe dem Dorf auf ihn wartet, setzt sich gegen seinen Abt durch, der befürchtet, dass die Welt da draußen Osmund verändern würde. Ulrics Männer sind nämlich im Auftrag des Bischofs unterwegs in das Dorf, in welchem es wundersamerweise noch keine Pest geben soll. Da es außerdem heißt, dass dort Tote wieder zum Leben erwachen, vermutet der Bischof einen Fall von Hexerei. Ulric, der davon überzeugt ist, von Gott für solche Aufgaben auserwählt zu sein, soll ihm den Totenbeschwörer bringen, koste es, was es wolle.
Auf dem Weg in das Dorf macht Osmund in den Wäldern eine furchtbare Entdeckung. Er findet die blutverschmierte Kleidung seiner Geliebten.
Ein Dorf ohne Pest
Als sie schließlich im Dorf ankommen und Langiva, welche Osmunds Wunden versorgt hat, ihm die Leiche seiner Geliebten zeigt, ist für Osmund klar, dass seine Freundin tot ist. Ulric und seine Männer werden zwar freundlich empfangen, allerdings ist Ulric jemand, der sehr gut hinter eine solche Fassade blicken kann, er merkt sofort, dass etwas nicht stimmt. Dennoch kann auch er es nicht verhindern, dass sie alle von den Dorfbewohnern betäubt und gefangen genommen werden. Osmund sieht in der Zwischenzeit etwas Ungeheuerliches. Er wird heimlicher Zeuge einer vermeintlichen Beschwörungszeremonie, mit der Langiva seine Geliebte wieder zum Leben erweckt. Leider wird auch er von den Dorfbewohnern gefangen. Diese haben Gott abgeschworen und wollen Ulric und seine Leute entweder töten oder sie dazu zwingen, Gott zu verleugnen. Als Osmund zum ersten Mal seine Geliebte nach der vermeintlichen Wiederbelebung sieht, fasst er einen fürchterlichen Entschluss.
Rache, Wut und Fanatismus - die zentralen Themen in "Black Death"
Für diesen Absatz muss zuerst eine Spoilerwarnung vorausgeschickt werden, also sollte niemand, der sich den Film noch ansehen will, ohne das Ende zu kennen, weiterlesen.
Mit "Black Death" ist Regisseur Christopher Smith (Severance) ein großartiger Film gelungen, der sich der Themen religiöser Fanatismus, Rache und Wut annimmt. Diese drei Motive bilden den roten Faden von "Black Death". Religiöser Fanatismus wird gleich in mehrfacher Hinsicht gezeigt, wenn erstens die Ritter nicht davor zurückschrecken, dem Christentum mit allen Mitteln, auch denen der Folter, zu seinem Recht zu verhelfen und zweitens die Dorfbewohner, die Christus abgeschworen haben und daher glauben, dass sie den anderen moralisch überlegen sind, zu genau den selben Folterwerkzeugen greifen, um diese von ihrem Standpunkt zu "überzeugen". Rache und blinde Wut sind ebenso wichtige Themen. So sagt Langiva zu Osmund, dass "Männer Gottes" ihren Mann getötet haben. Sie wirkt anfangs zwar so, als ob sie keine bösen Gedanken gegen Ulric und seine Leute hegen würde, rächt sich dann aber doch auf ihre Art an ihnen.
Als sie Osmund am Ende erklärt, dass seine Geliebte nie tot war und nur betäubt wurde, dass die "Wiedererweckungszeremonie" nur die Wundergläubigkeit der Dorfbewohner ausnutzen sollte und in Wahrehit er, Osmund, der Mörder seiner Geliebten ist, kommt neben dem Gedanken an Rache auch noch die blinde Wut ins Spiel. Am Ende wird dem Zuschauer nämlich gezeigt, dass Osmund sich aufgrund dieser traumatischen Erfahrung sich in das verwandelt, was er am wenigsten sein wolte: Ein zweiter Ulric. Blind vor Wut und der Gier nach Rache sieht Osmund in jeder der Hexerei verdächtigten Frau nur noch Langiva, die er unbedingt zur Strecke bringen möchte. Osmund will ihr nämlich nicht glauben, dass es keine Wiedererweckung gab, sein Verstand kann die schreckliche Wahrheit, dass er seine Geliebte ermordet hat, nicht annehmen.
Schauspieler und Inszenierung von "Black Death"
Sean Bean, Carice van Houten und Eddie Redmayne liefern in "Black Death" hervorragende Leistungen ab. Sie verkörpern ihre Rollen exzellent und erwecken so - da sich der Film im Prinzip zwischen den von ihnen verkörperten Charakteren abspielt - "Black Death" zum Leben. Man muss allerdings sagen, dass die anderen Darsteller den dreien in nichts nachstehen, vor allem Tim McInnerny als Hob und Kimberly Nixon als Osmunds Geliebte Averill.
Christopher Smith und seiner Crew ist es außerdem gelungen, dem Film eine sehr bedrückende Atmosphäre zu verpassen und das Mittelalter auf eine sehr grimmige und dreckige Art und Weise einzufangen. Dabei wird bei den Kampfszenen auch auf verwackelte Kameraeinstellungen gesetzt, die dem Zuschauer kaum Zeit lassen und - wie immer - absichtlich unübersichtlich gestaltet sind.
Irreführende Vermarktung von "Black Death"
"Black Death" wird auf dem DVD-Cover als "Mix aus Horror & Action" angepriesen. Das ist der Film dezidiert nicht. "Black Death" bedient sich zwar einiger Horror- und Actionelemente, der Schwerpunkt des Filmes liegt aber eindeutig auf seiner kritischen Aussage, sodass er sich eigentlich nirgendwo in eine Schublade stecken lässt. Außerdem werden vor allem die Horrorelemente durch den grandiosen Schluss in einen völlig anderen Kontext gesetzt, als dies ein "gewöhnlicher" Horrorfan erwarten könnte.
Die Bild- und Tonqualität der DVD sind hervorragend. Als Extras gibt es außer dem Trailer allerdings nur noch ein Making of. Zumindest ein Audiokommentar wäre noch schön gewesen.
Fazit zu "Black Death"
Wenn man sich nicht vom falschen Marketing für "Black Death" in die Irre führen lässt, erwartet den Zuschauer ein großartiger Film, der vor allem durch seinen grandios-nihilistischen Schluss aus der Masse heraussticht.
