
- Cover des Buches über die BMF - Griffin
Der Parkplatz vor dem Club sieht aus wie ein Luxus-Autosalon. Ein Bentley Continental GT parkt neben einem Lamborghini Murcielago. Ein Aston Martin Vanquish neben einem Rolls Royce Phantom. Die Besitzer der Wagen lassen es im Laden krachen – und zwar richtig. Wie Supermodels sind sie in den Club stolziert, mit Designer-Klamotten und hochkarätigem Bling-Bling. Jeder von ihnen hat eine Flasche Champagner vor sich stehen, Roederer Cristal für 600 Dollar die Flasche. Die anwesenden Mädels reißen sich darum, in ihre Nähe zu kommen. Das ist keine Szene aus einem HipHop-Video – auf diese Weise feierte Demitrius „Big Meech“ Flenory mit seiner Black Mafia Family Geschäftserfolge. Und die gab es praktisch täglich.
Big Meech und sein Bruder Southwest T: Von Crack-Dealern zu Drogen-Paten
Die Erfolgsgeschichte von „Big Meech“ (41) und seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Terry (Spitzname: „Southwest T“) ist eine Gangster-Version des amerikanischen Traums. Schon zu Highschool-Zeiten verdienen sich die Brüder als Crack-Dealer ihr Geld. In den späten 1980er Jahren knüpfen sie enge Kontakte zu mexikanischen Drogenkartellen und ziehen so in nur wenigen Jahren einen US-umspannenden Kokain-Vertrieb auf.
Ihre Organisation verdient Geld, viel Geld – und gibt es gerne aus. Für die Flenorys und ihre „Familie“, wie „Big Meech“ seine Bandenmitglieder nennt, ist es normal, in Strip-Bars mit 20.000 Ein-Dollar-Scheinen um sich zu werfen. Oder für eine Geburtstagsparty 100.000 Dollar auszugeben, um den Gästen exotische Tiere und Eisskulpturen in Form des BMF-Logos zu bieten.
Die Black Mafia Family und das Rap-Business
Die Zurschaustellung von Reichtum und Macht wirkt anziehend: HipHop-Größen wie Akon, Jay-Z und Sean „Diddy“ Combs suchen die Nähe zu „Big Meech“. Im Jahr 2000 gründet dieser mit BMF Entertainment seine eigene Plattenfirma und wird in der Folge von HipHop-Magazinen wie „The Source“ als neuer Rap-Mogul gefeiert.
Dabei hat "Big Meech" für sein Label mit Blue DaVinci nur einen einzigen Künstler jemals unter Vertrag genommen – und dieser musste sich in der Folge an Flenorys Drogengeschäften beteiligen, wie er 2008 vor Gericht erklärte. Er erhielt für seine krummen Geschäfte fünf Jahre und neun Monate aufgebrummt. Doch er war nicht der einzige Rapper, der von der BMF protegiert wurde. Auch Fabolous und Young Jeezy waren eng an „Big Meech“ dran. Mit dem Gesetz gerieten auch sie in Konflikt – Verstrickungen in die Geschäfte der BMF gab es aber offenbar nicht.
Die „Operation Motor City Mafia“ zerschlägt die BMF
Auch Flenory selbst können die Fahndungsbehörden lange nichts Illegales nachweisen. Die US-amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde DEA führt zwar vereinzelt Razzien bei BMF-Leuten durch, doch an „Big Meech“ kommen die Beamten nicht heran. Ebensowenig an seinen Bruder, der sich 2001 von ihm lossagt, um in Los Angeles eine neue Organisation aufzuziehen.
Doch dann kommt der 11. November 2003. Bei einer Schießerei vor dem „Chaos“-Club in Atlanta wird Diddys Ex-Bodyguard Anthony „Wolf“ Jones getötet. Die Behörden können „Big Meech“ zwar keine Beteiligung daran nachweisen – im Zuge der Ermittlungen aber erstmals sein Haus durchsuchen. Was sie dort finden, reicht der DEA, um die „Operation Motor City Mafia“ zu starten. Eine Sondereinheit der Behörde nimmt Ermittlungen auf, gewinnt Informanten für sich und verpasst der BMF nach zwei Jahren den Knockout: Im Oktober 2005 werden bei einer landesweiten Razzia 30 BMF-Mitglieder verhaftet und zweieinhalb Kilo Kokain, drei Millionen Dollar in bar sowie zahlreiche Waffen sichergestellt.
Bis zum Abschluss der Ermittlungen kann die DEA der Black Mafia Family nachweisen, monatlich 2.500 Kilo Koks in den USA in Umlauf gebracht zu haben und auf diese Weise 270 Millionen Dollar verdient zu haben.
30 Jahre Staatsgefängnis statt rauschender Partys
Ab 2006 landen insgesamt 150 Personen vor Gericht, die entweder Mitglied der BMF waren oder für sie in irgendeiner Form tätig waren. Jeder von ihnen wird am Ende verurteilt – am härtesten die Flenory-Brüder. Sowohl Demitrius als auch Terry kriegen am 12. September 2008 vor dem Bundesgerichtshof in Detroit jeweils 30 Jahre Haft aufgebrummt.
„Big Meech“ sitzt jetzt seine Strafe im United States Penetentary von Atlanta ab – und hat von dort aus durchsickern lassen, dass er bereits über neue Geschäftmodelle nachdenke. Sein Schlusswort vor Gericht: „Ich kann nicht sagen, dass mir leid tut, was ich getan habe. Mir tut leid, dass ich geschnappt wurde.“
Info: Hier gibt es ausführliche Portraits und Dokumentationen über die Black Mafia Family
In ihrem 2010 veröffentlichten Buch „BMF: The Rise and Fall of Big Meech and the Black Mafia Family“ (St. Martins Press, 320 Seiten, 18,99 Euro) liefert die US-amerikanische Journalistin Mara Shalhoup einen beeindruckenden Einblick in Struktur, Organisation und Arbeitsweise dieses Drogensyndikats. Anekdotenreich, bisweilen aber auch etwas unkritisch schildert Shalhoup den Aufstieg von Kleinkriminellen zu Gangsterbossen, die eng mit der US-HipHop-Szene und deren Stars verknüpft sind.
Ein ausführliches Interview, das die Autorin dem Online-Magazin hiphopabc.org gab, findet sich auf YouTube, aufgesplittet in Teil 1, Teil 2 und Teil 3.
Ebenfalls bei YouTube zu finden ist eine sehenswerte TV-Dokumentation, die der History Channel im Rahmen seiner Sendereihe „Gangland“ über die Black Mafia Family drehte. Auch diese ist aufgesplittet in Teil 1, Teil 2 und Teil 3.
