Blackbeard

Blackbeards Flagge - Anonymous / Openclipart.org
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Es gab erfolgreichere Piraten als Edward Teach. Doch seine Legende ist bis heute ungebrochen, weil er ein Meister der psychologischen Kriegsführung war.

Edward Teach wurde der Legende nach um 1680 in Bristol geboren. Einige wähnen seinen Geburtsort auf Jamaika, andere in Carolina. Über seinen Nachnamen gibt es einige Unstimmigkeiten, wird er doch in der Literatur auch gelegentlich Thach oder Tache genannt. Seine Karriere begann er als Hilfsmatrose auf einem englischen Kaperschiff im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) - die überseeischen Kampfhandlungen wurden Queen Anne's War genannt. Viele der Kaperfahrer fuhren nach Kriegsende auf eigene Faust mit dem einträglichen Geschäft fort, so auch Teach. Er schloss sich dem Kapitän Benjamin Hornigold an und segelte von Jamaika oder New Providence aus – auch hier gehen die Meinungen auseinander.

Blackbeard: Die Lehrjahre unter Hornigold

In einer Version der Geschichte verschlägt es ihn in den berüchtigsten Piratenhafen seiner Zeit, nach New Providence, auf den Bahamas. Innerhalb kürzester Zeit tat er sich so hervor, dass Hornigold ihm zwischen 1716 und 1717 das Kommando über ein in der Karibik aufgebrachtes französisches Sklavenschiff namens La Concorde übergab, dessen Mannschaft durch Skorbut arg geschwächt war. In diesem Jahr findet Teach erstmals schriftlich Erwähnung. Unabhängig davon, ob dieses, für ein Piratenschiff sehr großes Exemplar, bereits vorher 40 Kanonen besaß oder Blackbeard, wie er mittlerweile genannt wurde, sie damit nachträglich ausrüstete, nannte er sie in Anlehnung an die verstorbene englische Königin Queen Anne's Revenge. Mit diesem Flaggschiff unter seinen Füßen, avancierte er innerhalb kürzester Zeit zum Schrecken der Karibik.

Blackbeard: Sein legendäres Erscheinungsbild

Eine detaillierte Beschreibung bietet der ominöse Kapitän Charles Johnson, bei dem lange angenommen wurde, es handle sich dabei um ein Pseudonym des berühmten Daniel Defoe („Robinson Crusoe“). In seinem Bestseller aus dem Jahr 1724 beschreibt er Teach als Dämonen aus der Hölle: „Der Bart war schwarz und reichte bis zu den Augen. Er ließ ihn außergewöhnlich lang wachsen und teilte ihn, nach Art bestimmter Perücken, mit Bändern in kleine Teile ab und wand sie um die Ohren. Im Gefecht trug er ein Schulterbandelier mit drei Paar Pistolen. Er trug eine Pelzkappe und steckte eine angezündete Lunte unter jede Seite, die dann recht und links vom Gesicht sichtbar waren. Seine Augen waren von Natur aus wild und schrecklich. Das alles machte ihn zu einer so furchtbaren Erscheinung, dass die Vorstellung von der Hölle nicht schrecklicher sein konnte.“ Seine rotgeränderten Augen und die weiteren Waffen am ganzen Körper, gepaart mit dem Rauch, der um seinen Kopf entstand – und ihn selbst wahrscheinlich auch behinderte – verstärkte die Angst seiner Feinde so weit, dass es oftmals gar nicht zum Kampf kam. Auch verschonte Teach das Leben vieler seiner Opfer, solange sie kooperierten.

Blackbeard: Die Legenden um seine Persönlichkeit

Sein Charakter soll indes seinem Aussehen in nichts nachgestanden haben. Beispielsweise berichtet Charles Johnson von einem Spiel, dass sich Teach während eines Saufgelages ersann: „Kommt, wir wollen und unsere eigene Hölle machen und sehen, wie lange wir es ertragen können!“ Daraufhin ging er mit einigen Männern in den Laderaum und zündete Schwefeltöpfe und anderes Brennbares an. Alle Luken verschlossen, harrten sie darin aus, bis sie beinahe erstickten. Teach selbst gewann sein makaberes Spiel.

Eine andere Anekdote ereignete sich beim Kartenspielen. Ohne ersichtlichen Grund löschte Teach plötzlich das Licht und schoss auf seine Mitspieler. Als diese fragten, was der Grund dafür sei, antwortete er: "Wenn ich nicht ab und zu einen von ihnen umbringe, vergessen sie, wer ich bin.“

Es ist eher unwahrscheinlich, dass er seine Mannschaft derart terrorisierte, waren Piratenkapitäne doch meist gewählt und konnten auch ohne Probleme wieder ihres Amtes enthoben werden. Es exisiterte eine Art demokratisches System an Bord eines Piratenschiffs. Weiterhin besaßen Piraten das erste soziale Sicherungssystem der Welt. Dieser Teil kann also mit ziemlicher Sicherheit in das Reich der Legenden verbannt werden.

Blackbeard: North Carolina als sicherer Zufluchtsort

Nach mehreren erfolgreichen Raubzügen zwischen Virginia und Honduras - mit mehr als 20 aufgebrachten Schiffen - segelte Teach zu Beginn des Jahres 1718 mit seiner Schar, die mitttlwerweile mehrere Schiffe und rund 300 Mann umfasste, nach North Carolina. Diese Provinz war wirtschaftlich rückständig und brauchte dringend Geld. So war es für ihn kein Problem, den Gouverneur Charles Eden davon zu überzeugen, gemeinsame Sache mit ihm zu machen. Hier veräußerte Teach die erbeuteten Waren und hatte einen sicheren Zufluchtsort an der zerklüfteten Küste der Kolonie, die viele Rückzugspunkte bereithielt. Der Gouverneur erhielt dafür seinen Anteil an den Prisengeldern. Teach forderte auch gelegentlich Schutzgeld von den ansässigen Farmern, damit sie von den Überfällen – durch ihn – verschont bleiben mögen.

Blackbeard: Die Blockade von Charleston

Seine wagemutigste Aktion war jedoch die Blockade von Charleston in South Carolina. In nur einer Woche kaperte er acht Schiffe, nahm gleich mehrere angesehene Bürger der Stadt gefangen und verlangte für deren Freilassung beträchtliche Lösegelder. Daraufhin trieb er sein Unwesen noch mehrere Monate entlang der Atlantikküste, bis es ihn in heimische Gewässer zog.

Blackbeard: Robert Maynard nimmt die Verfolgung auf

Teach terrorisierte weiterhin die einheimische Bevölkerung, während Gouverneur Eden tatenlos blieb. So wandten sich diese verzweifelt an den Gouverneur von Virginia, Alexander Spotswood. Um von Problemen vor Ort abzulenken, setzte dieser ein Kopfgeld auf Teach aus und beauftragte den britischen Marineleutnant Robert Maynard mit der HMS Pearl mit der Ergreifung des Piraten.

Maynard charterte zwei Schaluppen mit wenig Tiefgang und spürte Teach und seine Bande an der unwegsamen Küste auf. Die Annäherung der britischen Marine blieb nicht unbemerkt. Teach war mit nur 18 Mann auf seinem Flaggschiff zurückgeblieben. Anstatt sich auf den Kampf am nächsten Morgen vorzubereiten, betrank er sich lieber die ganze Nacht.

Blackbeard: Sein blutiges Ende

Sein Ende war dann ebenso legendär und spektakulär, wie sein Leben. Der Sage nach trafen sich die beiden Kontrahenten in der Bucht von Ocrakoce. Vor dem Kampf prostete Teach seinen Feinden noch zu und rief: „Ich will verdammt sein, wenn ich euch Gnade gewähre oder von euch welche erwarte!“ Er hisste seine Flagge und ließ eine Breitseite Kartätschen mit Nägeln auf das Deck des einen Schiffes abfeuern, das Schiff war nicht mehr kampffähig. Daraufhin nahm er Maynards Schaluppe ins Visier. Dieser zog sich mit seinen Männern unter Deck zurück und ließ das Schiff weiter auf das Piratenschiff zusteuern. Teach eröffnete das Feuer und es wurden Handgranaten auf das Deck der Angreifer geworfen. Darauf kam es zum Nahkampf, bei dem Teach von Maynard besiegt wurde. Sein Leichnam wies angeblich fünf Schuss- und zwanzig Stichwunden auf.

Das Wrack seines Schiffes wurde 1996 von Schatzjäger vor der amerikanischen Atlantikküste gefunden und wird aktuell von Archäologen untersucht.

Quellen:

  • Carini, Marco/Macallan, Flora: Piraten - Die Herren der sieben Weltmeere, Bath 2008.
  • Croce, Pat: Piraten, München 2008.
  • Johnson, Charles: A General History of the Pirates, Kensington 1925 [Nachdruck der 3. Aufl., London 1725].
  • Mondfeld, Wolfgang zu/Wertheim, Barbara zu: Piraten, Schrecken der Weltmeere, Stuttgart 2007.
Alexander Schelling, Urheber: Christine Mansel

Alexander Schelling - Als freier Journalist für das "Medienbüro Arbeitswelt" (Berlin) tätig (seit 2003). Themenbereiche: Migration, ...

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