Blank ohne bürgerliche Bequemlichkeiten

LP-Cover eines Weltenbummlers - Kerstin Völling
LP-Cover eines Weltenbummlers - Kerstin Völling
Der Hamburger Musiker Robert Carl Blank nimmt ein neues Album auf. Während seiner Tour stellt er frische Songs vor, bleibt sich treu und ändert sich doch

Gibt’s was Neues auf dem Land? Ja. Allerdings. Auf dem Land, da gibt es heute Songs, die Weite ausstrahlen. Lieder, die Lebens(um)wege beschreiben. Träume und einen „Haufen Gefühle“, wie der Komponist sagt. Backpacker-Romantik. Abenteuerliche Reisen. Reisen ins Innere, Reisen um den Globus.

Für sein erstes Konzert im Jahr 2012 hat sich Robert Carl Blank die KulturDIELE Dollern ausgesucht.

Eine Band tut gar nicht not

Zwischen Buxtehude und Stade, gleich neben der Haltestelle am Bahnübergang, wundert sich der 36-Jährige zunächst mal über die Größe des Saals – Blank kannte die KulturDIELE noch aus ihrer Zeit in Steinkirchen. Da gab’s kaum Platz auf der Bühne. Das hat sich geändert. „Hätte ich das gewusst, dann hätte ich meine Band mitgebracht“, sagt er. Doch eine Band tut an diesem Abend gar nicht not. Die Präsentation der fünf neuen Songs, die der Wahl-Hamburger in sein rund 90minütiges Repertoire mischt und spartanisch mit Gitarre präsentiert, trifft genau den Nerv der Zuhörer. Blank bleibt sich treu. Wie in „Lately“. Die Ballade über „ein Gefühl, das man sich einredet“ hat er für das kommende Album neu arrangiert. Picking-Intro. „I’ve been doin’ fine since it’s been over“ lässt er eine Verflossene wissen. Er habe kürzlich sogar aufgehört zu weinen. Zu melancholisch soll der neue Longplayer deshalb nicht werden. „60 Foot Silver Screen“ ist im Stil eines Sixties-Popsongs geschrieben und Elvis Presley gewidmet. “Wir hörten, dass sich der King für sein Comeback Ende der 60er Jahre in einen Schlaf versetzen ließ, um abzunehmen“, erklärt Blank. „Dies sind Gedanken darüber, wie wir mit Legenden umgehen.“ Elvis, so der ironische Schluss, wurde zum „Hound Dog Of Rock’n’Roll“.

Arbeit zum neuen Album beginnen

Am Montag, 9. Januar, will Blank mit den Arbeiten zum neuen Album beginnen. Es wird das dritte nach „Soul Circus“ und „Last Time I Saw Dave“. Letztere verschafften dem Sänger eine solide Fanbasis vor allem im Norden der Bundesrepublik. Als Singer/Songwriter bezeichnet er sich jedoch ungern. „Ein unfassbar schwammiger Begriff“, sagt der in Hofheim am Taunus geborene und in Aschaffenburg aufgewachsene Musiker. „Jeder, der eine Gitarre in die Hand nimmt, wird mittlerweile als Singer/Songwriter bezeichnet. Da bin ich doch eher ein Liederpoet.“ Und ein Genre-Hopper. Während er zuvor gern mal Rock-Themen einband, demonstriert er in der Zugabe „Whatever She Does“ seinen Drive zu Funk und Soul in einem atemberaubenden Gitarren-Solo, das er so spielerisch hinlegt, als zelebriere er Fingerübungen. Blank hat auch ein heimliches Faible für Ohrwürmer: Man höre sich nur mal „Calling Out For Someone“ an.

Veränderungen lassen nicht lange auf sich warten

Das Label, auf dem der geplante Longplayer erscheint, steht noch in den Sternen. Ebenso wie der Titel: „Ich hatte zwischenzeitlich ‚Provisional Life’ in Erwägung gezogen, weil ich ja eigentlich nur aus dem Koffer lebe.“ Im Jahr 2011 hieß das 207 Gigs und 52 000 gefahrene Kilometer. Das soll sich ändern. Obwohl er die Musik als Leidenschaft und nicht als Arbeit empfindet, und Blank vorrechnet, dass er abzüglich aller Arbeits- und Urlaubstage auch nicht so viel mehr arbeitet als ein durchschnittlicher Angestellter, will er kürzer treten. Zugunsten anderer Leidenschaften. „Fallschirmspringen etwa“, sagt er. Wer von eigener Musik leben wolle, der müsse zwar pro Jahr mindestens 100 Konzerte geben. Darüber hinaus nimmt Blank aber materielle Einschränkungen in Kauf: „Ich brauche keine bürgerlichen Bequemlichkeiten. Außer ein Auto, einen Laptop und eine Gitarre.“ Sein Entschluss zu einem Richtungswechsel manifestiert sich im neuen „Right Here“: „Right here, right now, I can turn my life around“, heißt es. Aufgenommen wird dieser und die anderen frischen Tracks nicht mehr mit der bisherigen Bandtechnik, sondern digital. Blank: „Ich will mit meinem Kumpel Claas P. Jambor etwas Neues ausprobieren. Mit ihm produziere ich das kommende Album.“ Den Song „Wish You Well“ schrieb Blank übrigens für Jambor, als er diesen einst drei Monate lang beherbergte.

Leben und leben lassen

Selbst Veränderungen gegenüber aufgeschlossen, verurteilt Blank nie pauschal andere Lebensentwürfe. Leben und leben lassen. So entstand „Every Mother’s Son“ zwar nach einer Begegnung mit einem Bundeswehr-Soldaten, der vom Afghanistan-Einsatz zurückkehrte. Aber ein Anti-Kriegs-Lied wurde dennoch nicht daraus. „ Was mich schockte, war vor allem, dass dieser junge Kerl, der nun wirklich nicht glücklich wirkte, lediglich aus Familientradition beim Bund angeheuert hatte: Sein Vater und sein Onkel dienen ebenfalls.“

Die Nähe zu seinem Publikum schafft der Weltenbummler mit einem „Gruppenfoto“, für das er sich mit den Fans im Saal aufstellt. Obendrein erzählt Blank persönliche Anekdoten. So sei „Words“ aufgrund eines verpatzten „Beziehungsrettungsurlaubs“ auf Sardinien entstanden. „Wo die Frau heute lebt, weiß ich gar nicht“, sagt er.

Und wenn das alles nicht mehr klappt mit der Musik? Dann kann Blank jedenfalls auf eine Menge Bildung und Erfahrung zurückgreifen. Er hat Amerikanistik und Politikwissenschaften studiert, einen guten Abschluss gemacht, seine Magisterarbeit „Politikberatung in Großbritannien“ als Buch veröffentlicht und in Amerika, England und Australien gelebt.

Bevor er auf diesen Wissens-Fundus zurückgreift, erscheint aber hoffentlich noch ein Text-Booklet und ein Songbook für Gitarrenspieler.

Kerstin Völling, Kerstin Völling

Kerstin Völling - Schreiben jenseits der Lau-Duscherei, die allerorts so überhand nimmt - ein Traum. Mal sehen, inwieweit das hier möglich ist.

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