
- Blattlausbefall - später / pixelio.de
Wie schädigt die Blattlaus die Pflanze? Blattläuse gehören zu der Gruppe der Pflanzensauger. Sie stechen ihren Steckborsten in die Siebröhre der Pflanzen. In der Siebröhre fließt ein Pflanzensaft, der sehr zuckerhaltig ist aber auch geringe Mengen Stickstoff beinhaltet. Die Blattläuse haben es auf den Stickstoff abgesehen. Um an ausreichende Mengen Stickstoff zu gelangen nehmen die Blattläuse zu viel von der Zuckerlösung auf – die sie dann einfach wieder ausscheiden. Diese Ausscheidung wird auch Honigtau genannt. Seine chemischen Bestandteile sind Frucht-, Trauben-, und Rohrzucker. Der Entzug des Pflanzensaftes schwächt die Pflanzen. Die klebrige Ausscheidung der Blattlaus wird gern von Ameisen als Nahrung aufgenommen. Im ungünstigsten Fall siedelt sich auf dem Honigtau der schwärzliche Rußtaupilz an, der die Pflanze noch zusätzlich schädigt. Beim Einstich in die Pflanze können Blattläuse auch Viren übertragen, in jedem Fall aber injizieren sie etwas Speichel, was eine Kräuselung und Verkrümmung von Blättern und Trieben nach sich ziehen kann.
Wie vermehrt sich die Blattlaus?
Im Frühjahr schlüpfen aus überwinterten Eiern weibliche Blattläuse, die sich ungeschlechtlich fortpflanzen. Sie können bis zu 140 lebende Nachkommen gebären. Unter günstigen Bedingungen sind diese Nachkommen schon nach 10 Tagen in der Lage sich zu vermehren. Im Frühjahr sind viele Fressfeinde der Blattläuse noch nicht geschlüpft. Die Blattlauspopulationen können also rasch anwachsen. Auf Pflanzen, die einen starken Blattlausbefall aufweisen bilden sich nun auch geflügelte Tiere. Durch diese Tiere verbreitet sich der Blattlausbefall auch über größere Distanzen. Zum Herbst hin bilden sich auf den befallenen Pflanzen zusätzlich zu den weiblichen Blattläusen auch männliche Artgenossen. Es kommt zur Verpaarung. Die weiblichen Tiere legen dann befruchtete Eier bevorzugt an Triebspitzen und in Rinden von Gehölzen ab. Sie überstehen den Winter. Aus ihnen schlüpfen im Frühling weibliche Tiere, die lebende Weibchen gebären, ohne befruchtet zu werden. Der Kreislauf hat sich geschlossen.
Pflanzenschutz
Gesunde Pflanzen haben Schädlingen etwas entgegen zu setzen. Eine gute Durchlüftung und wenig Staunässe sind der Pflanzengesundheit zuträglich. Eine passende Standortwahl und eine ausreichende Bewässerung sowie eine regelmäßige und auf die individuellen Bedürfnisse der Pflanze ausgerichtete Düngung helfen, die Pflanze stark und gesund zu erhalten. Auf Stickstoffdünger sollte allerdings weitgehend verzichtet werden. In Phasen der Trockenheit geraten Pflanzen in Stress. Sie bilden dann vermehrt Substanzen, die von den Blattläusen benötigt werden. Eine ausreichende Bewässerung der Pflanzen ist also doppelt wichtig. Sie stärkt die Pflanze und dämmt so das Wachstum der Blattläuse. Eine gesunde Pflanze kann einen Schädlingsbefall potenziell eher überstehen, als eine ohnehin schon geschwächte Pflanze.
Nützlinge als Verbündete im Kampf gegen Blattläuse
Es ist ratsame mehrere Nützlinge im eigenen Garten zu kultivieren, da diese ebenfalls Fressfeinde haben. Spezialisierte Fressfeinde für Blattläuse sind unter anderen die Marienkäfer und die Schwebfliege. Nützlinge müssen ganzjährig geschont und gefördert werden, um zahlreich und dauerhaft im Garten zu sein. Nahrungsquellen, Rückzugsorte und Überwinterungsplätze müssen – wenn nicht schon vorhanden - bereitgestellt werden. Marienkäferlarven sind wenig mobil und benötigen deshalb einen ausreichenden Blattlausbefall als Nahrungsquelle, um überleben zu können. Pestizide jeder Art wirken sich ungünstig auf die Marienkäferpopulation aus. Als Überwinterungslager dienen den Marienkäfern lockere Blatt- und Steinhaufen, die sich vorzugsweise in südlicher Lage befinden sollten. Schwebfliegen überwintern vorzugsweise in Hecken, Sträuchern und Gehölzen. Schwebfliegen sind Blütenbesucher. Sie brauchen vom Frühjahr bis in den Herbst Blüten von denen sie sich ernähren können. Dill, Teefenchel und wilde Möhren locken Schwebfliegen besonders an.
Schädlingsbekämpfung
Stark befallene Triebe sollten ganz entfernt werden. Entsorgen Sie diese Triebe so, dass die Blattläuse nicht wieder in den Garten gelangen können. Ein geringer Befall kann mit den Fingern abgestreift oder mit einem harten Wasserstrahl abgespült werden. Gelbe Leimfallen (auch in Drogeriemärken erhältlich) locken flugfähige Blattläuse an. Diese Blattläuse bleiben an den Fallen kleben und verenden.
Das Gießen mit Brennnesseljauche hat sich auch als gutes Abwehrmittel bewährt. Niembaum- und Kaliseifenpräparate sind umweltverträgliche Spritzmittel, wenn der Blattlausbefall doch überhand genommen hat. Um ein schnelles Verdunsten des Präparates zu verhindern, sollte es abends oder bei bedecktem Himmel auf die befallenen Pflanzen gegeben werden. Als letzte Notlösung können extrem stark befallene Pflanzen vernichtet werden, um einer Ausbreitung auf benachbarte Pflanzen vorzubeugen.
Wenn alle Stricke reisen, könnten Sie auch versuchen die Blattläuse auf unkonventionelle Weise zu vergraueln: Der südkoreanische Forscher Lee Han Joo soll in mehreren Experimenten herausgefunden haben, dass der Blattlausbefall um den Faktor vier abnimmt, wenn die Pflanzen mit Rock’n Roll Musik beschallt werden («Basellandschaftliche Zeitung», Januar 1996).
Quellennachweis:
- Thomas Lohrer, Die 13 Gartenplagen, Ulmer Verlag (Stuttgart 2007).
- Elisabeth und Jérôme Jullien, Erste Hilfe für Gemüse, Ulmer Verlag (Stuttgart 2008).
- Marie-Luise Kreuter, Biologischer Pflanzenschutz, blv Verlag (München 2001).
- Otto Schmid – Silvia Henggeler, Biologischer Pflanzenschutz. Ulmer Verlag, 9. Auflage (Stuttgart 2000).
- Barlage et al., Quickfinder Gartenpraxis, Gräfe und Unzer Verlag (München 2007).
- Dorothea und Peter Baumjohann, Der BLV Pflanzen Doktor, BLV Buchverlag (München 2006).
- Manuela Knienegger, Nützlinge im NATURNAHEN GARTEN, Österreichischer Agrarverlag (Wien 2007).
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