
- Cristaria discoidea, von Natur aus kaum rot - Gerhard Ott
Nun werden auch wirbellose Tiere für die Aquaristik manipuliert. Blaue und rosa Farbmuscheln sind aufgetaucht. Die fantasievollen Handelsnamen reichen von „Saphir-Muschel“ bis zu „Pink Love“. Aquarienfische, denen Farben unter die Haut gespritzt werden, gibt es schon lange. Tätowierte Fische ebenfalls. Gentechnisch veränderte Aquarienfische dürfen in Europa nicht in den Handel gebracht werden.
Farbmuscheln aus Asien
Wie die vom Menschen veränderten Fische stammen auch die Farbmuscheln aus Asien. Die Verarbeitung von Muscheln und Schnecken zu Schmuckzwecken wird leider immer noch praktiziert. Solche Produkte sollten als Reisemitbringsel aus fernen Ländern nicht mitgebracht werden. Die sogenannten Farbmuscheln für die Aquaristik werden sowohl im stationären Handel als auch im Internet angeboten. Das hat eine ganz andere tierschützerische Dimension: Es handelt sich um lebende Muscheln.
Fälschungen
Fast zeitgleich haben mehrere Fachleute die Fälschungen entlarvt: Dr. Oliver Zompro vom Max-Planck-Institut für Limnologie in Plön, Schleswig-Holstein, hat als Chefredakteur der Zeitschrift ARTHROPODA (Fachmagazin für Wirbellose) als Erster auf die manipulierten Muscheln hingewiesen. Der österreichische Biologe Walter Lechner hat durch die Mithilfe von Anita Eschner, der Leiterin der Molluskensammlung im Naturhistorischen Museum zu Wien, die Fälschungen klären können.
Schutzhaut wird abgeschliffen
Es handelt sich bei den blauen Muscheln – den sogenannten Saphir-Muscheln – um Batissa violacea aus der Familie der Körbchenmuscheln. Es sind Süßwassermuscheln, die ursprünglich im tropischen Südostasien verbreitet sind. Von Natur aus ist die Muschelschale fast schwarz und ziemlich schmucklos. Um die Muscheln für den Handel in der aquaristischen Wirbellosen-Szene attraktiv zu machen, wird die dunkle, lederartige Schicht auf der Schale abgeschliffen. Bei den rosafarbenen Muscheln handelt es sich meist um ebenfalls asiatische Cristaria discoidea aus der Familie der Teichmuscheln. Von Natur aus sind die Teichmuscheln eher bräunlich.
Die lederartige Schicht nennen die Zoologen Periostracum. Es ist eine Schutzschicht, die die Muschel für die darunter liegenden kalkhaltigen Schichten der Schale braucht. Sie dient insbesondere zur Abwehr saurer Stoffe, die die Kalkschicht der Muschelschale anlösen können. Darunter erscheint eine mehr oder weniger blau oder rosarot irisierende Kalkschicht. Das ist auch bei zu wissenschaftlichen Zwecken gesammelten Exemplaren von Schalen in zoologischen Sammlungen zu erkennen.
Vermarktung und Pflege bedenklich
Der Schliff beraubt sie ihres natürlichen Schutzschildes. Die Vermarktung oder der Kauf dieser Muscheln ist zwar bisher nicht gesetzlich verboten. Aquaristik-Foren haben bereits zum Verzicht auf den Handel mit diesen Muscheln aufgerufen. Es haben bereits mehrere verantwortungsbewusste Händler diese Tiere aus dem Angebot genommen. Die Vermarktung findet allerdings weiterhin statt.
Tierschützerisch sind Bedenken angebracht, da die Manipulation die Lebensfähigkeit der Muscheln einschränkt. Ethisch ist die Manipulation ebenfalls bedenklich, da sie ausschließlich kommerzielle Hintergründe hat. Verantwortungsbewusste Aquarianer und Kunden werden deshalb auf den Kauf solcher Muscheln verzichten.
