
- Büste der Nofretete - D. Finneiser / pixelio.de
Erneut hat der Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung Zahi Hawass die Forderung aufgestellt, die Büste der Nofretete an Ägypten zurück zu geben. Nur wenige Jahre nach seinem Kampf um eine Ausleihe der berühmten Büste zu Ausstellungszwecken nach Ägypten, fordert der Ägyptologe nun die Herausgabe und Rücküberführung der Büste der schönen Ehefrau des Pharao Echnaton, in ihr Ursprungsland.
Wem gehört die Nofretete?
Über diese Frage lässt sich trefflich streiten. Der deutsch Archäologe Ludwig Borchert hat sie 1912 in einer von der ägyptischen Regierung in Auftrag gegebenen Grabung im Tell El Amarna gefunden. Damals war üblich, dass Ausgräber und Auftraggeber sich die Grabungsstücke teilen. Wer Schliemanns Biografie gelesen hat, der weiß, dass solche Teilungsverträge von deutschen Ausgräbern durchaus kreativ gesteuert wurden. Ob das auch Borchert getan hat, wird von der ägyptischen Seite naturgemäß anders beurteilt als von der deutschen.
Unterrichtung des Kulturausschusses im Deutschen Bundestag am 26.01.2011
Kulturstaatsminister Neumann hat vor dem Kulturausschuss des Deutschen Bundestages am 26.01.2011 klargestellt, dass eine Rückgabe der Büste für die Bundesregierung nicht in Frage komme und auch alle weiteren solchen Ersuche abgelehnt würden. Der Minister informierte den Ausschuss über das Schreiben des ägyptischen Altertümerchefs an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Er beziehe sich darin „auf die Unesco-Konvention zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut aus dem Jahr 1970“. Diese beziehe sich aber auf die unerlaubte Ein- oder Ausfuhr von Kulturgütern nach 1970, könne also auf den Fall der Nofretete keine Anwendung finden.
Die vorliegenden Dokumente beweisen laut Neumann, dass der Übergang in deutschen Besitz, im Gegensatz zu der von Hawass vertretenen Ansicht, im Jahr 1912 rechtmäßig war und bleibt.
Der aktuelle Besitzer der Nofretete Büste: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Bei einer Pressekonferenz am 24.01.2011 betonte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Professor Dr. Hermann Parzinger: „Die Haltung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz hinsichtlich einer Rückgabe der Büste der Nofretete ist unverändert. Sie ist und bleibt die beste Botschafterin Ägyptens in Berlin.“
Parzinger betont, dass die Anfrage aus Kairo kein offizielles Ersuchen der ägyptischen Regierung sei, sondern ein Brief des Dr. Zahi Hawass, Generalsekretär des Obersten Rates für Altertümer der Republik Ägypten. Auch Parzinger hob hervor, dass die vorliegenden Dokumente den deutschen Anspruch deutlich machen: „Die Dokumente belegen klar und deutlich, dass der preußische Staat die Büste rechtmäßig erwarb und keine Rechtsansprüche von Seiten Ägyptens bestehen.“
Die Fundteilung wurde, wie in damaligen Verträgen festgelegt, derart durchgeführt, dass die Fundstücke vom Ausgräber in zwei Teile aufgeteilt wurden und die Vertreter der ägyptischen Regierung dann einen Teil auswählen konnten, der in Ägypten verbleiben sollte. Alle Fundstücke waren fotografisch dokumentiert und die Kisten zur Begutachtung offen. Parzinger sieht dem gemäß keinen Anlass an der Rechtmäßigkeit der Fundteilung zu zweifeln.
Wie geht es weiter mit Nofretete?
Es darf erwartet werden, dass dies nicht der letzte Versuch von ägyptischer Seite war, die schöne Pharaonin zurück in ihr Heimatland zu holen. Welche Erfolgsaussichten dies langfristig hat, ist schwer zu beurteilen. Beide Seiten sind trotz des Konfliktes sehr darauf bedacht, weiterhin eine gute Zusammenarbeit bei verschiedenen Projekten zu erhalten, weshalb auch eine gerichtliche Konfrontation auf absehbare Zeit eher unwahrscheinlich ist.
Museumsbesuchern aus aller Welt, die das Neue Museum in Berlin besuchen bleibt zu wünschen, dass Bundesregierung und Stiftung Preußischer Kulturbesitz weiterhin dafür sorgen, dass die 3.300 Jahre alte Büste auch in Zukunft in Berlin zu bewundern ist. Ägyptische Besucher werden das mit einer gewissen Trauer tun, denn für sie ist Nofretete in Berlin ihrer Heimat beraubt.
Quellen: hib - heute im bundestag Nr. 36
Bildnachweis: D. Finneiser / pixelio.de
