
- Fußball spielen ist nicht nur für die Sehenden - brummi76/piqs.de
Laufen, Toben, Springen, Spielen und Sport machen. Wenn man alle Sinne zur Verfügung hat, ist vieles selbstverständlich. Doch können auch blinde Kinder oder Erwachsene zum Beispiel Fußball spielen? Gibt es Unterschiede bei den Spielregeln und gibt es Vereine?
Blindenfußball schaffte Durchbruch bei den Paraolympics 2004
45 x 90 Meter Rasen, zwei Tore mit je einem Goali und zwei mal zehn Feldspieler. Weiße Markierungen am Boden für den Spielrand, den Eckball, die Teilung der zwei Spielplatzhälften und den Torstrafraum. Mindestens ein Schiedsrichter mit Uhr, gelber und roter Karte, einer Pfeife und einer Münze um durch einen Wurf zu entscheiden, welche Mannschaft den ersten Ball bekommt. Und schon kann ein Spiel beginnen. Bei den Sehenden. Doch das nicht Vorhandensein eines oder mehrerer Sinne darf Menschen nicht ins Abseits stellen. Bereits seit 1960 in Brasilien gespielt, wurde 2004 bei den Paraolympics in Athen das erste Mal der Blindenfußball einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Das Spiel war an Spannung kaum zu übertreffen und groß die Verwunderung über die Ballkontrolle der blinden Spieler, die oft ihre sehenden Pendants bei weitem übertrafen. Die ersten Mannschaften kamen aus Argentinien, Brasilien, Frankreich, Griechenland, Korea, Russland, Spanien und der Ukraine. Inzwischen gibt es weltweit Blindenfußballclubs und die Sportart gewinnt immer mehr Anhänger.
Regeln beim Blindenfußball
Da der Akustik die größte Rolle zukommt, wird ein Spielfeld gewählt, das als Untergrund Zement, Kunstrasen oder einen glatten und abriebfesten Rasen hat. Falls in der Halle gespielt werden muss, werden Böden aus Holz oder synthetischem Gummi bevorzugt. Der Ball ist etwas schwerer und kleiner als der Fifa-Ball, im Inneren verbirgt er eine Rassel und wird von Sträflingen in Brasilien hergestellt. Die blinden Feldspieler tragen spezielle Augenmasken, um ihren Grad der Sehbehinderung an die anderen Mitspieler anzupassen. Der Tormann ist sehend. Das Führen des Balles ist durch jahrelanges Training so präzisiert, dass auch lange Ballführungen, exakte Pässe, Dribbeln und gezielte Torschüsse selbstverständlich sind. Damit die Feldspieler die Orientierung nicht verlieren, gibt es das „VOY-Rufen“. Dieses kann vom Torwart, Coach und vom Torguide, der hinter dem Tor steht, erfolgen. Auch der ballführende Angreifer muss sich dadurch zu erkennen geben aber auch jener, der auf den Ballführer zuläuft. Bei Torschüssen ruft der Torguide, bei Strafstößen und dem Nähern eines Spielers zum Tor signalisiert der Tormann durch das Klopfen mit einem Stock oder einer Münze an die Torlatten rechts und links das Tor.
Weitere Besonderheiten
Die Spielfeldlänge beträgt maximal 42 Meter und mindestens 38. Die Breite misst zwischen 22 und 18 Meter. Gespielt wird auf einem rechteckigen Feld ohne Seitenoutlinien. Diese werden durch Banden ersetzt, damit der Ball immer im Spiel bleiben kann. Die Mannschaften bestehen aus 4 blinden Feldspielern und einem sehenden oder leicht sehbehinderten Torwart. Jedes Team darf fünfmal die Feldspieler und einmal den Torwart auswechseln. Es werden zweimal 25 Minuten gespielt, unterbrochen von einer zehnminütigen Pause. Jede Mannschaft darf pro Spielhälfte eine Auszeit von je einer Minute beantragen. Der Elfmeter beträgt beim Blindenfußball sechs Meter.
Vereine in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Deutschland: 2006 wurde das erste Internationalen Blindenfußballturnier in Berlin ausgetragen. 2008 gab es bereits die deutsche Blindenfußball-Bundesliga DBFL. Möglich gemacht wurde der Sport durch die Zusammenarbeit von der DFB-Stiftung Sepp Herberger, dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) und dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV).
- Österreich: Franz Schöffmann, Obmann des Versehrtensportklub ASVÖ-Wien und selbst schwer sehbehindert, ist Gründer des Blindenfußballs in Wien, der sich österreichweit erst langsam entwickelt.
- Schweiz: 2008 gab es ein internationales Blindenfußball-Spiel, jedoch ohne die Beteiligung einer schweizerischen Mannschaft. Auch hier entwickelt sich dieser Sport nur sehr langsam.
