
- Sido - ORF/Ramstorfer
Sido - Die Metamorphose eines Typs, der als ungeliebter Rüpelrapper begonnen hat und sich zu Schwiegermutters Liebling entwickelt hat, der alles kann. Sido, das Chamäleon.
Keiner kommt zurzeit an ihm vorbei. Dieses Gefühl beschleicht den Film- oder Fernsehkonsumenten derzeit. "Berliner Rapper gibt Menschen ohne Lebensperspektive eine Chance", lautet eine dieser Schlagzeilen als Trailer zur sendung "Blockstars".
Wie viel Mensch steckt wirklich hinter der Marke Sido? Eine kleine Bestandsaufnahme – ohne Garantie auf vollkommene Aufzählung all seiner Talente.
Wie begann der Weg von Sido?
Sido (am 30. November 1980 in Berlin-Prenzlauer Berg, DDR) als Paul Hartmut Würdig geboren. Er ist ein Rapper deutsch-sintischer Herkunft (Sinti, Gruppe der Roma). Sein Künstlername "Sido" soll eine Abkürzung für „super-intelligentes Drogenopfer“ oder doch eher „Scheiße in dein Ohr“ (eine Zeile aus Sidos Text) sein, wer weiß?
In Ost-Berlin aufgewachsen, die Mutter alleinerziehend, mit acht Jahren die Auswanderung vor dem Mauerfall nach Westberlin, war sein Weg sicher nicht als leicht zu bezeichnen. Jahre leugnete er seine Ostberliner Herkunft, kämpfte sich anfangs wütend und um Anerkennung heischend hoch. Heute ist er geerdet und vielseitig, wie selten einer seiner Kollegen.
Sido als Rapper - von der Maske bis zum "schlechten Vorbild"
Er begann 1997 als Hip-Hopper, 2003 startete er seine Solokarriere, nicht immer mit wirklich astreinen Texten. "Frauenverachtend", vulgär, aggressiv sind nur einige der Beschreibungen, die sicher auch damals zutreffend waren. Mein Block machte Sido und Aggro Berlin in der breiten Öffentlichkeit bekannt. Maske, wobei der Titel auch gleich einige Zeit für seine Performance galt, wurde Mainstream, er war nicht länger Underdog oder Underground-Künstler. Sido trug auf der Bühne eine Maske, weil er auf der Straße nicht erkannt werden wollte. Doch so wie die Maske fiel, änderte sich auch der Mensch Sido. Nachdenkliches (der Himmel soll warten) und Liebevolles kommen auf den Tisch.
"Vom Arschficksong zum Spießer" betitelt der Kurier einen ausführlichen Artikel über Sidos Werdegang. Sein neues Album 23 ist gemeinsam mit dem ehemaligen Feind-Kollegen Bushido aufgenommen. Das Album 23, für einige nichts Neues, für andere ein Weg in eine neue Ära, musikalisch und persönlich. "Erwachsenwerden kann auch verdammt cool sein." (BZ-Benjamin von Stuckrad-Barre)
Sido und sein Weg ins TV-Business: Moderator, Juror, "die große Chance"
2007 moderierte er erstmals für MTV. Als Juror fungierte er für die Sendung Popstars. Dass ihm politisches Bewusstsein ein Anliegen ist, bewies seine Sendung „Sido geht wählen“. Sido sprach dafür mit Politikern aller Fraktionen und ließ sich erklären, warum er zur Wahl gehen soll und wofür die einzelnen Politiker und Parteien stehen. Die Sendung wurde für den Grimme-Preis 2010 nominiert. 2010 war er erstmals in Österreich für die Castingshow "Helden von morgen" tätig.
Österreich liebt Sido, Sido im Gegenzug mag eindeutig ebenfalls Österreich. Nur so ist sein Erfolg als Juror in der Castingshow "Die Große Chance" zu erklären, die am 11. 11. 2011 endete.
Sido, der neue Filmstar in den "Blutzbrüdaz"?
Mit dem selbstironischen Film "Blutzbrüdaz" von Regisseur Özgür Yildirim ("Chiko") startet Sido nun eine neue "Dritt-Karriere", die eines Filmstars und Schauspielers. Wer ihn als Juror beobachtete, weiß, dass er der Selbstironie mehr als fähig ist. Wer den Schalk in seinen Augen blitzen sah, wenn er so manchen Möchtegern-Star wieder auf normale Größe brachte, traut ihm das allemal zu. Sido besticht im Film durch Humor, Selbstironie und mehr Talent, als ihm viele zuschreiben würden. "Blutzbrüdaz" startet am 29. Dezember 2011 im Kino. Von der Premiere in Berlin ein launiger Bericht.
15. Dezember 2011 in ORF eins "Blockstars – Sido macht Band"
Blockstars ist das Projekt, das ihm eindeutig am Herzen liegt, auch wenn er da sicher eine ordentliche Portion Häme abbekommen wird. An Kommentaren, wie "Gutmensch", "„Sozialporno“ auf Privat-TV-Niveau" und so weiter im Vorfeld mangelt es nicht.
Worum geht es bei dem Bandprojekt "Blockstars"?
Drogen, Gewalt in der Familie, keine Ausbildung, keine Perspektive waren die Vorbedingungen für die Auswahl der Teilnehmer. Der Berliner Rapper Sido will jungen Menschen ohne Aussicht auf ein besseres Leben eine Chance geben. (Pressemitteilung des ORF) Ein Castingprojekt der etwas anderen Art beginnt. Mit dem Bandprojekt „Blockstars“ will Sido talentierten, aber perspektivlosen jungen Menschen einen Ausweg bieten. Er will Mut machen, unterstützen, fördern und fordern. Ein Mittelding aus Dokumentation, Castingprojekt und Big Brother Format wird achtteilig ab 15. Dezember 2011 jeweils im Rahmen der „Donnerstag Nacht“ um 21.55 Uhr in ORF eins zu sehen sein.
Sido nach der ersten Sendung zu Blockstars: „Es könnte besser laufen“
Mit den Kandidaten wird trainiert, geprobt, an der Gruppendynamik gearbeitet. Das Ziel, eine Gruppe, die "Modern Hip-Pop“ präsentiert. Zwei Frauenstimmen, zwei bis drei rappende Männerstimmen dazu. Das Band-Management übernimmt er im Anschluss selbst.
Sido: Ich bin sehr, sehr stolz auf das Projekt. Die Quote könnte besser sein. Ich habe mir natürlich einen Kopf gemacht, wo das herrühren kann. Ich hätte ein bisschen was über 20 Prozent Marktanteil (bei den Zuschauern bis 29 Jahre) erwartet. ."Österreich"
Die Hintergründe für Sidos Bandprojekt "Blockstars"
Die jungen Leute, von 19 bis 27 Jahren, sollen von seinen Erfahrungen profitieren, auch er hat sich hoch gearbeitet, mit Fleiß, mit Ehrgeiz, mit großer Klappe und Glück. Er sagt über sich selbst, dass er immer das Glück hatte, zur richtigen Zeit Leute zu treffen, die ihm weitergeholfen haben. Jetzt will er etwas davon zurückgeben. "Das Hauptanliegen ist der soziale Aspekt – dass man Leuten, denen es nicht so gut geht, wieder auf die Beine hilft.“
Mal sehen, ob dieses Anliegen auch bei einem TV-Sender als Motiv genügt und nicht die vordergründige Show oder bloßer Voyeurismus.
Es gab im Laufe des Formats so einige Querelen und Stolpersteine. Mal sehen, wie viel vom guten Ansatz bleiben wird; bei den "Ausgewählten" und bei den Ausgeschiedenen.
Die Band steht - ihr Name "3punkt5" - nächstes Ziel Baku
Sharon, Dragan, Benjamin und Marko sind 3punkt5, die Band, die Rapstar Sido im Rahmen seines ORF-eins-Formats „Blockstars“ zusammengestellt hat und die am Freitag, dem 24. Februar 2012, bei „Österreich rockt den Song Contest“ mit ihrem Titel „Augenblick“ um das Ticket für Baku singt. Erstmals zu hören gibt es den Song am 3. Februar bei Andi Knoll im „Ö3-Wecker“.
Quellen: ORF Presse. Kurier. oe24.at.
